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Wie wir suchen und finden

25.09.2006
Es ist erstaunlich: Einen bestimmten Gegenstand in einer Masse von Dingen schnell zu finden, ist meist kein Problem. Welche Tricks unser Gehirn beim Suchen anwendet, klärte jetzt die Arbeitsgruppe um Prof. Müller, vom Institut für Psychologie I, an der Universität Leipzig: Unser Gehirn konzentriert sich zunächst auf ein bestimmtes Merkmal des gesuchten Gegenstandes und voraktiviert die Hirnregionen die dieses Merkmal verarbeiten.

Schon lange existieren verschiedenste Theorien darüber, wie es Menschen gelingt, in einer Welt voll von Objekten, ganz bestimmte Dinge zu suchen und auch zu finden. Denn so einfach ist das nicht. Würde man jeden Gegenstand einzeln nacheinander betrachten, bräuchte man beispielsweise Stunden, um in der unordentlichen Wohnung seine rote Mütze wieder zu finden. Leipziger Wissenschaftler bestätigen jetzt eine andere Vorgehensweise: die parallele Suche.

"Dabei bedient sich das Gehirn eines Tricks", so Prof. Matthias Müller, vom Institut für Psychologie I. "Es ruft sich Merkmale des Gegenstandes ins Gedächtnis und sucht dann gleichzeitig alle Gegenstände gezielt danach ab." So findet man seine rote Mütze im Chaos nur deshalb, weil man zunächst, mehr oder weniger unterbewusst, nur auf das Merkmal 'rot' achtet.

Was genau bei dieser parallelen Suche im menschlichen Gehirn abläuft, konnten die Wissenschaftler jetzt erstmals in einer EEG-Studie zeigen: Sobald sich die Versuchsperson im Experiment nur auf die roten Punkte auf einem Bildschirm konzentrieren sollte, erhöhte sich die Aktivierung der Hirnregionen - in der Sehrinde im Hinterkopf - die das Merkmal 'rot' verarbeiten. Interessanterweise war dabei auch das Hirnareal erregter, das einkommende Sehinformationen als erstes analysiert: die sogenannte primäre Sehrinde.

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Unser Gehirn aktiviert also die Bereiche stärker, die für die Verarbeitung des gesuchten Merkmals zuständig sind und meldet es dann der primären Sehrinde. "Damit entsteht ein Netzwerk.", erklärt Prof. Müller. "Es bewirkt, dass schon die primäre Sehrinde wie ein Filter funktioniert und nur das Merkmal ('rot') hervorhebt, was wir suchen. Der Rest (z. B. 'blau') wird sozusagen ausgeblendet. Dadurch finden wir schneller was wir suchen." In unserer unaufgeräumten Wohnung fallen uns also zunächst nur alle roten Dinge ins Auge. Zwischen einem roten Pullover, einer roten Dose und einem Buch mit rotem Einband ist unsere rote Mütze dann schnell entdeckt.

Veröffentlicht wurden die spannenden Erkenntnisse zur visuellen Suche beim Menschen, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Neurowissenschaften in Havanna/Cuba und der Universität San Diego/Kalifornien entstanden, nun in der Fachzeitschrift PNAS.

Originalveröffentlichung: M. M. Müller, S. Andersen, N. J. Trujillo, P. Valdés-Sosa, P. Malinowski and S. A. Hillyard: Feature-selective attention enhances color signals in early visual areas of the human brain. PNAS Vol. 103, 14250-14254

Sandra Hasse

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Matthias Müller
Telefon: 0341 97-35960
E-Mail: m.mueller@uni-leipzig.de
Die experimentellen Arbeiten wurden durchgeführt von:
Søren Andersen
Telefon: 0341 97-35904
E-Mail: andersen@uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de/~psycho

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