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Neue Verfahren für die Beurteilung von Lebensmittelverpackungen

18.09.2006
Lebensmittel werden in einer ständig steigenden Vielfalt von modernen, attraktiven und praktischen Verpackungen angeboten. Doch wird die Frage gestellt, ob diese Verpackungen auch unbedenklich sind, da aus ihnen Stoffe auf die Lebensmittel übergehen können. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 18. bis 20. September 2006 in Dresden werden neue Methoden zur Erfassung und Bewertung von Stoffübergängen aus Verpackungen und anderen Bedarfsgegenständen auf Lebensmittel im Rahmen des wissenschaftlichen Programms, das die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), den etwa 500 Teilnehmern bietet, vorgestellt und diskutiert.

In den vergangenen Monaten haben Meldungen über Stoffübergänge aus Verpackungen und anderen Gegenständen, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, wiederholt zu Verunsicherung bei Verbrauchern geführt. „Bisphenol A aus Trinkflaschen für Babies“, „Weichmacher in Pesto-Saucen“ oder „Fruchtsäfte mit Photoinitiator ITX verunreinigt“ sind Schlagzeilen, die alle noch vor Augen haben.

Die steigende Zahl von Ein- und Zweipersonenhaushalten und die Veränderung unserer Verzehrsgewohnheiten führen dazu, dass unsere Lebensmittel in immer kleineren Portionen mit einer steigenden Menge und Zahl von verschiedenen Verpackungsmaterialien in Kontakt kommen. Moderne Lebensmittelverpackungen geben den Produkten ein attraktives Erscheinungsbild, sie bieten gleichzeitig ein hohes Maß an Schutz des Lebensmittels und Anwenderfreundlichkeit für Verbraucher (Convenience).

Diese offensichtlichen Vorteile moderner Lebensmittelverpackungen führen aber auch zu einer ständig wachsenden Zahl von Stoffen, die aus den Verpackungen auf Lebensmittel übergehen können. Für die meisten dieser Stoffe fehlen hinreichende toxikologische Bewertungen und klare gesetzliche Beschränkungen für ihre Gegenwart in Lebensmitteln.

Die gesetzlichen Anforderungen in der EU verbieten grundsätzlich einen Übergang von Stoffen von Bedarfsgegenständen auf Lebensmittel, durch den die menschliche Gesundheit gefährdet oder die Eigenschaften von Lebensmitteln beeinträchtiget werden können. Spezifische Grenzwerte für den Übergang von Stoffen, sind aber in der Regel nur für die bei der Herstellung der Lebensmittelkontaktmaterialien eingesetzten Ausgangstoffe festgelegt. Andere Bestandteile der Bedarfsgegenstände wie zum Beispiel technische Verunreinigungen in Kunststoffen oder Stoffe, die erst bei der Herstellung des Lebensmittelkontaktmaterials entstehen, bleiben dabei unberücksichtigt.

Empfindliche Analysenmethoden erlauben den Nachweis auch von sehr geringen Mengen an Stoffen, die aus Bedarfsgegenständen auf Lebensmittel übergegangen sind. Die herkömmlichen Analysenverfahren stoßen jedoch an ihre Grenzen, wenn eine große Vielfalt von überwiegend unbekannten Stoffen erfasst werden muss, so wie es bei der vollständigen Untersuchung von Stoffübergängen aus Bedarfsgegenständen der Fall ist. Lebensmittelchemiker entwickeln für diesen Zweck so genannte Screening-Methoden, mit denen mit hoher Empfindlichkeit nach ganzen Stoffgruppen in Lebensmitteln gesucht werden kann.

Auch bei der gesundheitlichen Bewertung der Stoffe, die aus Bedarfsgegenständen auf Lebensmittel übergehen können, reichen die herkömmlichen Methoden nicht mehr aus. Die konventionellen toxikologischen Bewertungen beziehen sich immer auf einzelne Stoffe. Die dafür notwendigen Untersuchungen sind kostspielig und zeitraubend. Weil mit diesen Methoden eine gesundheitliche Bewertung aller Stoffe, die aus Verpackungen auf Lebensmittel übergehen, nicht möglich ist, entwickeln Lebensmittelchemiker Verfahren, die die toxikologische Einstufung von Migraten, also der Gesamtheit aller Stoffe, die aus einem Bedarfsgegenstand übergehen können, erlauben.

Die Berücksichtigung nicht nur der Ausgangsstoffe, sondern aller migrierenden Stoffe bei der Beurteilung von Lebensmittelbedarfsgegenständen ist eine große Herausforderung für Analytiker, Toxikologen und den Gesetzgeber, der hierfür praktikable Anforderungen formulieren muss. Lebensmittelchemiker sind auf diesem neuen Gebiet der Forschung tätig und leisten damit einen wichtigen Beitrag, um unsere Lebensmittelverpackungen noch sicherer zu machen, als sie heute schon sind. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag 2006 werden hierzu erste Forschungsergebnisse präsentiert.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren.

Dr. Renate Hoer | Gesellschaft Deutscher Chemiker
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

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