Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG-Forschergruppe will der Funktionsweise der Netzhaut auf die Spur kommen

12.07.2006
Die Funktionsweise der Netzhaut (Retina) steht im Zentrum der Aktivitäten einer neuen Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinscbaft (DFG), die von der Universität Oldenburg initiiert wurde. Neben fünf Oldenburger Arbeitsgruppen um den Neurobiologen Prof. Dr. Reto Weiler ist je eine Arbeitsgruppe der Max-Planck-Institute für Hirnforschung (Frankfurt/M.) und Experimentelle Medizin (Heidelberg) beteiligt. Das Projekt mit dem Titel "Dynamik und Stabilisierung retinaler Verarbeitung" wird von der DFG mit 1,75 Mio. Euro für zunächst drei Jahre gefördert.

Sehen ist für den Menschen in der Regel so mühelos und selbstverständlich, dass er dazu neigt, die Komplexität der neuronalen Vorgänge zu unterschätzen, die aus dem in das Auge fallenden Licht ein zuverlässiges Bild unserer Umwelt erzeugen. Physikalisch ändert sich die visuelle Umwelt ständig, unter anderem durch wechselnde Beleuchtung und Kontrastverteilung sowie durch Eigen- und Objektbewegung. Dass trotzdem die visuelle Wahrnehmung in weiten Bereichen stabil gehalten werden kann bei zugleich hoher räumlicher Auflösung und präziser zeitlicher Verarbeitung, ist ein Verdienst der Retina (Netzhaut).

Bei der Retina handelt es sich um ein lichtempfindliches, neuronales Gewebe an der hinteren Innenseite des Auges. In ihr wird das auftreffende Licht, das zuvor die Hornhaut, die Linse und den Glaskörper durchquert hat, in Nervenimpulse umgewandelt und über den optischen Nerv an die verschiedenen Zentren im Gehirn geleitet. Die Retina wird dem Gehirn zugerechnet und ist zugleich ein besonderer Teil des Nervensystems und eine in sich abgeschlossene Einheit der Informationsverarbeitung. Im Rahmen der Forschergruppe soll unter anderem analysiert werden, wie in diesem Netzwerk die Signale von blauempfindlichen Photorezeptoren weiterverarbeitet werden, damit wir am Ende die Farbe Blau wahrnehmen können. Dabei kommen neue Methoden zum Einsatz, welche die gleichzeitige Registrierung der neuronalen Signale von einer Vielzahl von Zellen erlaubt und die mit den modernsten neuroanatomischen und molekularbiologischen Methoden kombiniert werden. Ergänzt werden diese Verfahren mit verhaltensbiologischen Untersuchungen. Damit soll auch aufgeklärt werden, ob die Zugvögel das Magnetfeld der Erde wirklich sehen können und inwieweit die Wahrnehmung von Bewegung von bestimmten Neuronen abhängig ist.

Da die Retina ein gut zugänglicher Teil des Gehirns ist, eröffnet die Arbeit der Forschergruppe auch die Perspektive, einem Verständnis der Verarbeitungsmechanismen in neuronalen Netzwerken allgemein näher zu kommen. Während die Wissenschaft über zunehmend bessere Daten zum molekularen Aufbau des Nervensystems und zur Lokalisation von Aktivitäten im Gehirn verfügt, ist man von einer Erklärung der neuronalen Verarbeitung noch weit entfernt. Diese bildet aber den Kern aller bewussten und unbewussten Gehirnaktivitäten.

Kontakt: Prof. Dr. Reto Weiler, Vizepräsident für Forschung, Tel.: 0441/798-5456, E-Mail: reto.weiler@uni-oldenburg.de

Gerhard Harms | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-oldenburg.de/

Weitere Berichte zu: Funktionsweise Nervensystem Netzhaut Retina

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie