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Green Card für einen gelben Winzling

01.09.2000


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TU Berlin, Wissenschaftsdienst "Forschung aktuell", Ausgabe September 2000 - Zoologie

Er heißt Phyllonorycter robiniella und lebt in Nordamerika. Doch Grenzen verschwimmen, und die Globalisierung macht offensichtlich auch vor Schmetterlingen keinen Halt, denn seit Beginn der neunziger Jahre wurde der gelb-orange schillernde Kleinschmetterling aus Amerika auch in Deutschland beobachtet. Zuerst in Baden-Württemberg und seit 1999 breitet sich der nur wenige Millimeter große Falter auch in der Hauptstadt aus.

Kaum ist der Neu-Berliner an der Spree heimisch geworden, steht er schon im Fokus der Wissenschaft. Prof. Dr. Volker Nicolai, Zoologe an der Technischen Universität Berlin, interessieren dabei vor allem die Daten zur Biologie: Wie viele Generationen bildet der Winzling im Jahr aus, wie viele Larvenstadien durchläuft er, und wie verbreitet sich der gelbe Winzling weiter.
Auf jeden Fall scheint Berlin ein ungewöhnliches Pflaster für den Zuwanderer zu sein. Hier durchläuft er nämlich drei Generationen im Jahr, während es im übrigen Deutschland nur zwei sind. Außerdem haben die Forscher fünf bis sechs Larvenstadien beobachtet. "Warum er jedoch plötzlich in Deutschland aufgetaucht ist, das lässt sich wohl nicht mehr klären", meint Prof. Dr. Volker Nicolai. Klimatische Veränderungen seien jedenfalls nicht der Grund: "Die Daten haben wir verglichen." Also wahrscheinlich ein zufälliges Ereignis. Die Studentin Konstanze Kasch hat im Rahmen ihrer Examensarbeit weitere intensive Untersuchungen durchgeführt. Über 5000 Robinien untersuchte sie in Berlin, denn die Raupen leben auf den Blättern dieser Pflanze und ernähren sich von ihnen.
Auch die Robinie ist eine fremdländische Pflanze mit Inhaltsstoffen, die für einheimische Insekten offenbar nicht brauchbar sind. So hat der kleine Schmetterling die Robinienblätter ganz für sich allein. Nach der Paarung legt er seine Eier auf den Blättern ab, und die schlüpfenden Raupen müssen sich nicht weit weg bewegen, um an das begehrenswerte Fressen zu gelangen. Konstanze Kasch hat inzwischen einen geübten Blick und sieht sofort, ob ein Blatt von Phyllonorycter robiniella bewohnt ist: "Man erkennt das an den weißen Verfärbungen der Blätter", erklärt sie. Zoologen nennen diese Zeichen auch Minen. Um herauszufinden, wie viel Blattmasse die Raupen fressen, hat die TU-Studentin die Minen im Verhältnis zum Gesamtblatt ausgemessen. Eine mühsame Arbeit, mit dem Ergebnis: 5,9 Prozent Blattmasse fressen die Raupen im Durchschnitt in Berlin. Ob sich der Phyllonorycter robiniella deshalb zu einem Schädling entwickelt, kann Prof. Dr. Volker Nicolai allerdings noch nicht beantworten. "Dazu müssen wir noch herausfinden, in welchem Maße er sich in Berlin weiterverbreitet, wie sich also die Population entwickelt." Geklärt ist auch noch nicht, wie der Schmetterling überwintert. Prof. Dr. Volker Nicolai vermutet, dass der erwachsene Schmetterling die Schneemonate bewältigt. Möglich wäre aber auch, dass er noch vor Beginn der Frostzeit Eier legt und letztlich diese oder die Raupen sich ins wärmende Frühjahr retten. Mindestens bis zum nächsten Jahr kann sich der Phyllonorycter robiniella des Interesses der Berliner Zoologen sicher sein. 

Datenbank
Ansprechpartner: Prof. Dr. Volker Nicolai, Technische Universität Berlin, Institut für Ökologie und Biologie
Fachgebiet: Zoologie
Forschungsprojekt: Das Vorkommen von Phyllonorycter robiniella (Lepidoptera) an Robinien in Berlin
Kontakt: Franklinstraße 28/29, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-73185
Fotos sind im Internet abrufbar:
http://www.tu-berlin.de/presse/wissenschaftsdienst/00sep/index.html

Der Wissenschaftsdienst "Forschung aktuell" und der dazugehörige Expertendienst ist ein Service des Pressereferats der TU Berlin für Journalisten und andere Interessenten. Er entsteht in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und soll einer breiteren Öffentlichkeit Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte ermöglichen. Sie können den Dienst auch per E-Mail unter der Internetadresse http://www.tu-berlin.de/presse/wissenschaftsdienst/index.html
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Ramona Ehret |

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