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Neue Stammzell-Therapie für seltene Bluterkrankung

20.01.2006


Fremde Stammzellen verbessern Prognosen bei AL-Amyloidose


Überlebensrate erhöht sich auf 60 Prozent


Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg (UKH) haben eine neue Behandlungsalternative für die seltene und gefährliche Bluterkrankung AL-Amyloidose nachgewiesen. Durch die Gabe fremder Stammzellen erhöhte sich die Überlebensrate. "Ziel der Studie war, herauszufinden, ob man die Prognosen mit der Transplantation fremder Stammzellen verbessern kann", sagt Stefan Schönland, Projektleiter vom UKH, im Gespräch mit pressetext. Die Ergebnisse wurden jetzt vom Fachmagazin Blood online veröffentlicht.

Normalerweise produzieren Plasmazellen im Knochenmark Immunglobuline, die Infekte bekämpfen. Bei Patienten mit AL-Amyloidose produzieren die entarteten Immunzellen ein bestimmtes Eiweiß, das sich in vielen Organen ablagern kann. Dieser Vorgang ist gefährlich, denn die Funktion der Organe wird dadurch eingeschränkt. Unbehandelt sterben die meisten Betroffenen innerhalb eines Jahres.


Wenn Patienten Stammzellen übertragen werden, wird das körpereigene Knochenmark abgeschaltet. Über Wochen hinweg breiten sich die noch nicht ausdifferenzierten Zellen aus und beginnen mit der Blutbildung. "Dadurch baut sich auch das Immunsystem völlig neu auf", erklärt Schönland. Die entarteten Plasmazellen werden deshalb abgestoßen und die Erkrankung kommt zum Stillstand.

Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher die Daten von 19 AL-Amyloidose-Patienten ausgewertet, die eine fremde Stammzell-Transplantation bekommen haben. Ein Jahr nach dem Eingriff waren zehn Patienten noch am Leben. Bei neun Menschen ist die Krankheit zum Stillstand gekommen und in acht Fällen blieben die schädlichen Ablagerungen fortan aus. "Trotzdem ist eine Mortalitätsrate von 40 Prozent nicht schön", meint Schönfeld im pressetext-Interview.

Bisher wurden die an AL-Amyloidose Erkrankten mit einer starken Chemotherapie und eigenen Blutstammzellen behandelt. Etwa 50 Prozent hatten die Chance auf eine Rückbildung der Krankheit und eine Verbesserung der Organfunktionen. "Für junge Patienten mit noch gutem Gesundheitszustand", so der Mediziner, "ist das neue Therapieverfahren auf jeden Fall sinnvoll." Besonders wenn die Standardtherapie fehlgeschlagen sei. Die Behandlung soll in einer klinischen Langzeitstudie an einer größeren Zahl von Patienten geprüft werden.

Lisa Hartmann | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de
http://www.bloodjournal.org

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