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Zyanide im Flusswasser

18.01.2006


Pressemeldungen zufolge haben tschechische Fischer am Oberlauf der Elbe tausende tote Fische mit blutunterlaufenen Schuppen geborgen. Als Ursache werden zyanidhaltige Industrieabwässer vermutet, die in den tschechischen Teil der Elbe bei Kolin gelangt sind. UFZ-Wissenschaftler hatten vor wenigen Jahren die Folgen eines Zyanidunfalles am Oberlauf der Theiss in Rumänien untersucht. Im Januar 2000 waren dort Tonnen zyanidhaltiger giftiger Rückstände aus der Goldgewinnung in den Fluss gelangt, weil ein Staudamm eines Beckens gebrochen war.


Mit Hilfe von Biomonitoren wie Daphnien (also Wasserflöhen) können Flüsse überwacht und bei Vergiftungen Alarm ausgelöst werden. Foto: André Kuenzelmann/UFZ


Langzeitwirkungen von Schadstoffen werden im Rahmen des EU-Projektes MODELKEY auch in der Elbe untersucht. Foto: André Kuenzelmann/UFZ



Hochgiftig aber gut abbaubar

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Zyanide sind die Salze der Blausäure. Kaliumzyanid (Zyankali) wird unter anderem zur Goldgewinnung, in galvanischen Bädern oder in der organischen Synthesechemie verwendet. Bekannt ist, dass frei im Wasser verfügbare Zyanide eine akute hochgiftige Wirkung haben, da sie im Blut das Sauerstofftransportprotein Hämoglobin blockieren und auf diese Weise zum Ersticken führen. Dies gilt für Mensch und Fisch gleichermaßen. Durch die feste und irreversible Bindung des Zyanid-Ions am Eisen wird verhindert, dass der Sauerstoff sich reversibel binden kann. Die tödliche Dosis für Menschen liegt bei 1 bis 2 mg/kg Körpermasse. Bedingt durch die hohe Toxizität ist für Abwassereinleitungen ein Grenzwert von 0,2 Milligramm pro Liter in Deutschland festgelegt. Zyanide besitzen im Wasser im Wesentlichen nur eine akute toxische Sofortwirkung. Es verschwindet rasch aus dem Wasser durch Ausgasung, photochemischen und mikrobiellen Abbau zu Luftstickstoff und Kohlendioxid sowie durch Komplexierung. Ablagerungen in Sedimenten haben nahezu keine Bedeutung. Durch Verdünnungen wie Zuläufe aus Nebenflüssen werden die anfänglichen Konzentrationen weiter herabgesetzt.

Verdünnung spielt große Rolle

Durch den Zyanidunfall in rumänischen Baia Mare im Januar 2000 ist bekannt, dass - unter ähnlichen winterlichen Witterungsbedingungen wie sie gegenwärtig in der Elbe vorliegen -photochemischer Abbau und Verdunstung zu einer Verringerung der Zyanidkonzentration um etwa 15 Prozent innerhalb der ersten 50 km nach der Einleitung in den Theiss-Nebenfluss Szamos geführt haben. Eine Verdünnung aus Nebenflüssen war hier zu vernachlässigen. Nach dem Zulauf der Szamos in die Theiss haben Untersuchungen gezeigt, dass eine Abnahme der Zyanidkonzentration im Verlauf von 100 Fließkilometern um ebenfalls etwa 15 Prozent zu verzeichnen war.

Flussabwärts der vermuten Einleitungsquelle bei Kolin kommt es durch die Zuflüsse der Nebenflüsse wie Jizera/Iser, Vltava/Moldau und Oh?e/Eger zu erheblichen Verdünnungen, die ein Mehrfaches der Durchflussmenge der Elbe bei Kolin betragen.

Aus diesen Kenntnissen heraus kann davon ausgegangen werden, dass das Risiko eines Fischsterbens im deutschen Teil der Elbe sehr gering ist verglichen mit dem tschechischen Teil der Elbe.

Weitere fachliche Information über:

Dr. Wolf von Tümpling
UFZ-Department Fließgewässerökologie
Telefon: 0391-810-9300

oder über:

Doris Böhme, Tilo Arnhold
UFZ-Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
e-mail: presse@ufz.de

Die Wissenschaftler des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforschen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Doris Böhme | idw
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