Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pilz aus Totem Meer soll Nutzpflanzen helfen

21.12.2005


Forscher suchen nach Pflanzen mit erhöhter Salztoleranz



Der Schimmelpilz Eurotium herbatiorum steht derzeit ganz im Interesse von Forschern der Universität von Haifa: Der Pilz überlebt nämlich auch den zehnfachen Salzgehalt von Meereswasser. Die meisten Lebewesen der Erde weisen deutlich geringere Salztoleranzen aus und sterben, wenn sie in derartiger Umgebung sind. Den Forschern ist es gelungen, das Gen für die Salzresistenz in Brau-Hefe zu schleusen. Tatsächlich wurde die Hefe dann wesentlich widerstandsfähiger, berichtet das Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences.



Im Toten Meer beträgt der Salzgehalt 340 Gramm pro Liter Wasser. Unter diesen Umständen kann der Schimmelpilz überleben, weil die Zellen auf die unwirtliche Umgebung mit der Produktion von Glyzerin reagieren. Glyzerin verhindert nämlich, dass die Zellen Wasser verlieren. Das Forscherteam um den Evolutionsbiologen Eviatar Nevo haben ein Gen namens EhHOG, das mit der Herstellung des Glyzerins in Verbindung gebracht wird, isoliert und es in Brauhefe Saccharomyces cerevisiae geschleust. Tatsächlich erhöhte sich nicht nur die Salztoleranz der transgenen Hefe, sondern auch die Toleranz für Kälte und Hitze. Die Forscher hoffen nun, dass dieses Gen eventuell auch bei anderen Pflanzen zur Erhöhung der Toleranz für Salz und Temperaturextreme verwendet werden könnte.

Seit Jahren beklagen Biologen nämlich die zunehmende Versalzung arider Regionen. Zahlreiche Nahrungspflanzen sind empfindlich gegen erhöhte Salzwerte im Boden. Eine Erhöhung der Salztoleranz könnte demnach helfen, Pflanzen auch unter extremen Bedingungen zu züchten. Der Pflanzenphysiologe Tim Flowers von der University of Sussex beschäftigt sich seit Jahren mit den Effekten der erhöhten Salzgehalte in Böden. Plant bezweifelt, dass das Wissen um das Gen im Schimmelpilz Auswirkungen auf die Nahrungspflanzen haben wird. "Es gibt mindestens 40 bis 50 Versuche die Salztoleranz von Pflanzen zu erhöhen. Alle sind mehr oder weniger gescheitert", so Flowers im pressetext-Interview. Das Thema Salztoleranz sei ein sehr komplexes. "Dass allein durch das Verändern eines Gens die Toleranz erhöht wird, ist unmöglich", führt der Wissenschaftler aus. Flowers bestätigt im pressetext-Gespräch, dass der Unterschied zwischen Pilzen und Pflanzen einfach viel zu groß wären. "Es ist nicht damit getan ein Gen oder ein anderes einfach in Pflanzen einzuschleusen." Salztoleranz sei nicht vergleichbar mit der Resistenz gegen einen Pilzkrankheit einer Pflanze.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://evolution.haifa.ac.il
http://www.sussex.ac.uk

Weitere Berichte zu: Gen Glyzerin Salzgehalt Salztoleranz Schimmelpilz Toleranz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

nachricht Einen Schritt näher an die Wirklichkeit
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics