Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutstillung funktioniert auch ohne Gerinnungsfaktor XII

18.10.2005


Mit einer Publikation in einer medizinischen Fachzeitschrift haben Forscher von der Uni Würzburg eine gängige Lehrmeinung zur Blutgerinnung in Frage gestellt. Dafür bekam Thomas Renné jetzt den mit 12.000 Euro dotierten Gábor-Szász-Preis für Klinische Chemie und Pathobiochemie verliehen.



Im Kreislauf bleibt das Blut flüssig, weil gerinnungsfördernde und gerinnungshemmende Faktoren miteinander im Gleichgewicht stehen. Diese Vorstellung ist ein Grunddogma der Blutgerinnungslehre. So ist es in der Medizin allgemein akzeptiert, dass eine zu starke Gerinnungsaktivität die Blutungsneigung vermindert und damit zu Thrombosen führen kann, also zur Verstopfung der Blutgefäße durch Gerinnsel. Blockiert man umgekehrt die Bildung dieser Blutpfropfen, dann verstärkt sich die Blutungsneigung.



Diese Auffassung gerät durch die Arbeit, die am Institut für Klinische Biochemie und Pathobiochemie der Uni Würzburg entstand, ins Wanken. Mit seinen Kollegen hat Dr. Renné nämlich Folgendes herausgefunden: Bei Mäusen, denen der Blutgerinnungsfaktor XII, der so genannte Hageman-Faktor, fehlt, funktioniert die Bildung von Blutgerinnseln zwar nicht mehr richtig - aber dennoch bluten die Tiere nach einer Verletzung nicht stärker als ihre gesunden Artgenossen.

Damit zeigten die Forscher erstmals, dass die Mechanismen, die im Blutkreislauf Gerinnsel verursachen, für die eigentliche Blutstillung - zum Beispiel nach einer Verletzung - nicht wichtig sind. Dadurch ergibt sich laut Professor Ulrich Walter, der das Würzburger Institut leitet, ein neuer, viel versprechender Therapieansatz: "Wenn es gelingt, den Faktor XII durch Medikamente zu blockieren, kann dies eine wirksame Strategie gegen Schlaganfall und Herzinfarkt sein. Anders als bei der bisherigen Gerinnungshemmung mit Marcumar oder Heparin gäbe es dabei kein Blutungsrisiko."

Den Gábor-Szász-Preis bekam Thomas Renné Anfang Oktober auf der Jahrestagung der Deutschen Vereinten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin in Jena verliehen. Die international ausgeschriebene Auszeichnung geht an "hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Klinischen Chemie und Pathobiochemie".

Die preisgekrönten Forschungsergebnisse wurden im Juli 2005 im "Journal of Experimental Medicine" 202 (Seiten 271-281) unter dem Titel "Defective thrombus formation in mice lacking coagulation factor XII" veröffentlicht. Autoren: Thomas Renné, Miroslava Pozgajová, Sabine Grüner, Kai Schuh, Hans-Ulrich Pauer, Peter Burfeind, David Gailani und Bernhard Nieswandt.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Blutstillung Gerinnsel Pathobiochemie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie