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Liebe und Krieg im Meer, chemisch vermittelt

23.09.2005


Flustra foliacea... Bild: FTM


... und Electra pilosa - Moostierchenkolonien. Chemie hält ihnen Bakterien vom Leib und sichert Platz zum wachsen. Bild: FTM


Unter dem Thema "Dynamics of Chemically Mediated Interaction Webs in Aquatic Ecosystems" treffen sich internationale Wissenschaftler am 26. und 27. September im Wilhelmshavener Forschungszentrum TERRAMARE. Sie werden sich während eines DFG-Workshops über aktuelle meeresbezogene Entwicklungen der chemischen Ökologie, molekularen Taxonomie und analytischen Chemie austauschen.

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Auf Initiative von Meereswissenschaftlern aus Bremerhaven, Kiel, Oldenburg und Wilhelmshaven trifft sich am 25. und 26. September eine Gruppe internationaler Spezialisten im Forschungszentrum TERRAMARE in Wilhelmshaven. Unter Beteiligung von Kollegen aus den USA, Schweden, Finnland, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich wird man den aktuellen Stand der Forschung und zukünftige Entwicklungen in der chemischen Ökologie, der molekularen Taxonomie und der analytischen Chemie im Hinblick auf das Ökosystem Meer diskutieren.

Haben es beispielsweise Fische häufig noch relativ leicht, sich zur Fortpflanzung oder bei Revierkämpfen durch optische Signale zu verständigen, so wird dies für festsitzende Arten schon schwieriger. Wie etwa machen Korallenpolypen in einem Korallenstock dem Geschlechstpartner klar, daß sie fortpflanzungsbereit sind? Wie hält sich eine Kolonie Moostierchen Fraßfeinde vom Leib? Oder wie sichert sich eine solche Kolonie den Raum zum Wachsen? All dies sind Prozesse, die vorwiegend durch chemische Wechselwirkungen zwischen den Organismen gesteuert werden.


Auch wenn dies prinzipiell erkannt ist, so sind die Detailkenntnisse häufig sehr lückenhaft. "Nimmt man im Februar eine fortpflanzungsbereite Kolonie des Blättermoostierchens Flustra aus dem Wasser, fällt der intensive Zitronengeruch auf, den Flustra verströmt. Ob dies allerdings ein chemisches Signal im Dienste der Fortpflanzung ist, das weiß man nicht", so der Leiter des Forschungszentrums TERRAMARE, Prof. Gerd Liebezeit, befragt nach einem Beispiel.

Derartige Fragen haben durchaus auch einen Anwendungsbezug: Stoffe, die Meeresorganismen ausscheiden, um beispielsweise zu verhindern, daß sie von Bakterien, Pilzen oder gar Tangen und Seepocken überwuchert werden, sind im Hinblick auf neue Antibiotika, Zytostatika oder auch alternative Antifoulingwirkstoffe interessant. Andererseits soll auch erfaßt werden, wie diese steuernden Wechselwirkungen durch Klimastress oder eingeleitete Industriechemikalien verändert werden.

Bei der Frage danach, wo die jeweiligen Stoffe produziert werden und wie es die Organismen schaffen, sie an den Wirkort zu bringen, ohne sich selbst zu schädigen, wird neben den bereits genannten Disziplinen auch dem unter dem Begriff ’Metabolomics’ firmierenden "biochemischen Fingerabdruck" eine neue und wichtige Rolle während des Workshops zukommen. "Dies ist völlig neu und eine Herausforderung für Analytiker", so Liebezeit. Vor dem Hintergrund verfeinerter Analyseverfahren werden repräsentative Stoffwechselprodukte erfaßt. Diese lassen Rückschlüsse auf den funktionalen Zustand des jeweiligen Organismus zu. Möglich machen dies neben verbesserter Analysentechnik die Miniaturisierung und Automatisierung in der Probenaufbereitung, die so die Messung einer Vielzahl von Stoffwechselprodukten - Metaboliten - ermöglichen.

Drei Arbeitsgruppen werden sich mit diesen Themen in der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell unterstützten Veranstaltung am Forschungszentrum TERRAMARE vom kommenden Montag an bis Dienstag Nachmittag intensiv auseinandersetzen.

Kontakt:
Prof. Dr. Martin Wahl
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, IFM GEOMAR
Düsternbrookerweg 20
24105 Kiel
Tel.: 0431 - 600-4577
Fax: 0431 - 600-1671
E-Mail: mwahl@ifm-geomar.de

Prof. Dr. Gerd Liebezeit
Forschungszentrum TERRAMARE
Schleusenstr. 1
26382 Wilhelmshaven
Tel.: 04421 - 944 100
Fax: 04421 - 944 199
E-Mail: gerd.liebezeit@terramare.de

Dr. Sibet Riexinger | idw

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