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Der DIN-Arbeitskreis "Marine Bioteste" tagte am 12. und 13. September an der Hochschule Wismar

14.09.2001


Nicht nur für die Größe von Papier oder Beschaffenheit von Werkstoffen gibt es in unserem Land Normen, sondern auch für die Standardisierung von Untersuchungsverfahren im Umweltbereich werden solche erarbeitet. Das Deutsche Institut für Normung koordiniert diese Tätigkeiten und gibt anschließend die sogenannten DIN-Normen heraus. Am 12. und 13. September 2001 tagte der DIN-Arbeitskreis "Marine Bioteste" im Laborkomplex der Hochschule Wismar in Malchow auf der Insel Poel. Ein Expertengremium zusammengesetzt aus Vertreterinnen und Vertretern aus dem Umweltbundesamt, der Bundesanstalt für Gewässerkunde, von Landesbehörden, Hochschul- und Forschungsinstituten sowie aus der Industrie erarbeitet biologische Testverfahren, um das Meerwasser und die Sedimente auf ihre Belastung zu untersuchen und diese zu bewerten. Von der Hochschule Wismar nahm Prof. Dr. Manfred Sellner aus dem Fachbereich Maschinenbau/Verfahrens- und Umwelttechnik teil, der schon seit vielen Jahren in DIN-Arbeitskreisen tätig ist und an mehren Normen mitgearbeitet hat.

Bei der Erarbeitung der biologischen Testverfahren geht es darum, geeignete Organismen zu finden, die eine Belastung im Meer durch ein auffälliges Verhalten, vermindertes Wachstum oder gar durch den Tod anzeigen. Alle Untersuchungsschritte, angefangen von der Haltung dieser Meeresorganismen im Labor über die Probenentnahme und die Testdurchführung bis zur Auswertung, müssen standardisiert werden. Da unterschiedliche Organismen natürlich auch unterschiedlich auf verschiedene Schadstoffe reagieren, müssen mehrere repräsentative Teste gleichzeitig eingesetzt werden,
d. h. für konkrete Anwendungen werden sogenannte Testbatterien zusammengestellt. So gibt es beispielsweise Teste mit Algen, Kleinkrebsen oder Leuchtbakterien. Die marinen Leuchtbakterien, das Leuchten kommt biochemisch genau wie beim Glühwürmchen zustande, zeigen Schadstoffbelastungen dadurch an, dass sie bei Schadstoffbelastung entsprechend weniger leuchten. Dieser Test wird auch im Lehrgebiet von Prof. Sellner in Malchow durchgeführt.

Neben der Untersuchung des Meerwassers spielen auch die Sedimente eine bedeutende Rolle. Schwebstoffe setzen sich allmählich ab und bilden das Sediment in einem Gewässer. Stoffe, die in der Wasserphase nur in Spurenmengen vorkommen, können sich in erheblichem Umfang an die Schwebstoffe anlagern und anschließend in den Gewässersedimenten gespeichert werden. Die Sedimente stellen somit das "Gedächtnis" eines Gewässers hinsichtlich seiner Belastung dar. Die akkumulierten Stoffe und Schadstoffe können durch Hochwasserereignisse, Baggerarbeiten oder mikrobielle Aktivität remobilisiert werden. Dabei können auch "schlimme Erinnerungen" an bereits vergessene Zeiten wieder wach werden, in denen man sorgloser mit den Gewässern umgegangen ist. Auch hierfür gilt es, Teststrategien zur Bewertung von Sedimenten und Baggergut zu entwickeln, wobei hier die Auswahl von Organismen und die Standardisierung der Verfahren ungleich schwieriger ist.

Insbesondere in den einzigartigen Boddenlandschaften der Küste Mecklenburg-Vorpommerns kommt der Gesamtproblematik eine herausragende Bedeutung zu. Beispielsweise können bei der Umlagerung von Sediment unterschiedlichste Stoffe wieder freigesetzt werden und dann völlig un-erwünschte Effekte hervorrufen. So können früher über die Waschmittel in unsere Gewässer eingebrachte Phosphate, wenn sie nun wieder freigesetzt werden, leicht zu einer Algenblüte führen. Nicht nur ökologische Auswirkungen auch die ökonomischen, z. B. im Zusammenhang mit dem Tourismus können erheblich sein.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. rer. nat. Manfred Sellner
Hochschule Wismar
Fachbereich Maschinenbau/Verfahrens- und Umwelttechnik
Tel.: 03841/753 627 oder 038425/427813
E-Mail: m.sellner@mb.hs-wismar.de

Dipl.-Ing. Kerstin Baldauf | idw

Weitere Berichte zu: DIN-Arbeitskreis Gewässer Organismus Sediment

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