Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Shrimps-Schalen heilen Wunden, klären Wasser und halten Lebensmittel frisch

04.09.2001


Die Chitin-Panzer von Krustentieren liefern einen Wirkstoff, dessen Vielseitigkeit Wissenschaftler wie Unternehmer beeindruckt: Mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" (AiF) untersuchte die Heppe GmbH in Queis (Sachsen-Anhalt) Eigenschaften und Möglichkeiten zur Nutzung des natürlichen Polymers Chitosan, eines engen Verwandten der Zellulose. Das Ergebnis: Chitosan hemmt die Bakterienbildung und verhindert Entzündungen, speichert Feuchtigkeit und bindet Proteine, Eiweiße, Fette und Gerüche. Dabei ist der Wirkstoff biologisch abbaubar, völlig ungiftig und nach Zellulose der zweithäufigste natürlich nachwachsende Rohstoff der Welt. Die AiF fördert die Erforschung des breiten Anwendungsspektrums und trägt zur Schaffung der technologischen Voraussetzungen für die Veredelung des Naturprodukts bei.

Dr. Walter Becker, Professor im Bereich Textilchemie der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld, untersucht seit kurzem im Rahmen eines AiF-Forschungsprojektes die Eigenschaften der Chitosane bei der Wundheilung, der Flüssigkeitsaufnahme und der Vermeidung von Gerüchen. In einem Vorhaben der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen führt er sowohl Labor- als auch Verbrauchertests an Inkontinenzprodukten durch. Die Textilindustrie kann sich die keimhemmende Wirkung des Chitosans zu Nutze machen, indem sie Fasern mit dem Wirkstoff ummantelt, was beispielsweise die Vermehrung derjenigen Bakterien mindert, die für Schweiß- und andere Gerüche sorgen. Seine Wirkung als Geruchsadsorber stellte Chitosan auch bereits in Dresdner Schweineställen unter Beweis. An die kationisch wirkende Oberfläche der mit Chitosan beschichteten Filter lagern sich Schmutzpartikel, denen gleichzeitig der Gestank anhaftet, doppelt so stark an wie an unbeschichtete.

Bei der Frischhaltung von leicht verderblichen Lebensmitteln leistet Chitosan wertvolle Dienste, weil es auch viel Flüssigkeit aufnehmen kann: Mit Chitosan beschichtete Kartonagen rauben den Krankheitskeimen ihre feuchte Lebensgrundlage. Dies ist auch der Grund für die Erfolge des Wirkstoffs bei der Wundheilung: Als Wundauflage kann Chitosan besonders bei nässenden Stellen und wundgelegenen Dekubitus-Patienten die Flüssigkeit aufsaugen und gleichzeitig die Zellneubildung anregen. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich die Heilgeschwindigkeit verdoppelt.

Breite Anwendung findet Chitosan bereits in der Abwassertechnik: Als Flockungsmittel wird es mineralischen und organischen Schlämmen zugesetzt. Winzige Schwebstoffe, die zu klein für jeden Filter sind, ballen sich nach Zugabe von Chitosan zu größeren Klumpen zusammen und können so mühelos aus dem Wasser abgefischt werden. Das gilt auch für Algen aus dem Swimmingpool. Die guten Vernetzungseigenschaften von Chitosan machen sich auch andere Branchen zu Nutze: In der Papierindustrie erhöht Chitosan die Nassreißfestigkeit von Filterpapieren und verhindert das Auslaufen der Farbränder auf bedruckten Dokumenten. Als Zusatz von Haarspray festigt es die Frisur mit einem feinen Zellulosefilm, der gleichzeitig das Zellwachstum stimuliert und der Schuppenbildung entgegenwirkt.

Die Heppe GmbH, die im Chemiedreieck Halle/Wolfen/Bitterfeld ökologische Alternativen für breite chemische Anwendungen entwickelt, importiert und veredelt Chitosan aus Asien. Dabei kooperiert das Unternehmen mit Partnern in China, Thailand und Indonesien, die den Rohstoff - vorwiegend aus der Krabbenfischerei - gewinnen und zum Teil bereits in Halb- und Fertigprodukte weiterverarbeiten. Gegenwärtig hat das Unternehmen eine Produktionskapazität von rund 250 Tonnen Chitosan pro Jahr; 1.000 Tonnen sollen es schon in wenigen Jahren sein.

Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Birgit Heppe, Heppe GmbH, Tel.: (03 46 02) 9 52 70
Dr. Katharina Knopf/Prof. Dr. Walter Becker, Organisationsbereich Textilchemie des FB Chemie der FH Niederrhein,
Tel.: (0 21 51) 82 21 44

Silvia Behr | idw
Weitere Informationen:
http://www.aif.de/

Weitere Berichte zu: Chitosan Gerüche Shrimps-Schalen Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere
20.02.2018 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Markierung für Krebsstammzellen
20.02.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics