Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sibirische Wälder speichern weniger Kohlenstoff als angenommen

15.07.2005


Messturm in Cherskii auf einer Schwemmlandinsel des Kolyma-Flusses in Nordostsibirien. Bild: Max-Planck-Institut für Biogeochemie


Europäisches Wissenschaftler-Konsortium stellt umfassende Kohlenstoffbilanz der Taiga und Steppen Sibiriens vor


Eine detaillierte Kohlenstoffbilanz der borealen Wälder und angrenzenden Grasländer und Steppen Sibiriens hat heute das von der Europäischen Union geförderte Forschungskonsortium "TCOS-Siberia" (Terrestrial Carbon Observing System - Siberia) vorgestellt. Das Ziel des Projektes ist es besser zu verstehen, wie sich die Kohlenstoffvorräte Sibiriens verändern werden, wenn sich das Erdklima erwärmt, die Permafrostböden auftauen und sich auch die Landnutzung, wie Holzschlag und Landwirtschaft, ändert. Unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena kamen die Wissenschaftler aus sieben EU-Staaten und der Russischen Föderation zu dem Ergebnis, dass die borealen Wälder Sibiriens eine wesentlich geringere Kohlenstoffsenke darstellen als bislang angenommen.

Im TCOS-Siberia-Projekt wurden von 2002 bis 2005 zwölf Forscherteams mit insgesamt 2,8 Mio. Euro gefördert. Sie erarbeiteten eine umfassende Kohlenstoffbilanz der borealen Wälder und angrenzenden Grasländer und Steppen Sibiriens. Den Wissenschaftlern ging es dabei nicht nur um die heutige Kohlenstoffbilanz selbst, sondern auch um ihre räumlichen und zeitlichen Veränderungen. Zudem versuchten die Forscher, die dieser Variabilität zugrunde liegenden Steuerungsprozesse zu bestimmen. Dazu wurden an neun Standorten in verschiedenen Ökosystemen Sibiriens Messtürme errichtet, an denen die Austauschflüsse des Kohlendioxids CO2 zwischen der Vegetation und der Atmosphäre mithilfe der Eddykovarianzmethode direkt und kontinuierlich erfasst werden.


Zudem führten die Wissenschaftler Messflüge durch: An sechs Standorten Sibiriens wurden auf diese Weise im zweiwöchigen Rhythmus vertikale Profile der CO2- Konzentration und anderer klimarelevanter Spurengase in der unteren Atmosphäre gemessen. Mithilfe numerischer Computer-Modelle des atmosphärischen Transports lassen sich daraus die großräumigen Quellen und Senken des CO2 bestimmen. Diese Langzeitmessungen wurden ergänzt durch begleitende Prozessstudien und Modellsimulationen.

"Trotz der enormen logistischen Herausforderungen ist es gelungen, über den Projektzeitraum eine weitgehend lückenlose Aufzeichnungen der Austauschflüsse und atmosphärischen Spurengaskonzentrationen in Sibirien zu erhalten," so der Koordinator des Projektes, Prof. Dr. Martin Heimann vom Jenaer Max-Planck-Institut für Biogeochemie.

Eine erste Auswertung der Ergebnisse zeigt, dass die borealen Wälder Sibiriens eine wesentlich kleinere Kohlenstoffsenke darstellen als allgemein vermutet, nämlich weniger als 20 Prozent der fossilen CO2-Emissionen der Russischen Föderation. Die Kohlenstoffbilanz schwankt sehr stark von Jahr zu Jahr wegen der großen Variabilität des Klimas und der unterschiedlichen Häufigkeit von Wald- und Steppenbränden.

Ein Vergleich ähnlicher Ökosysteme unter unterschiedlichen Klimabedingungen zeigt, dass eine Temperaturerhöhung primär wegen der Verlängerung der Vegetationsperiode zunächst zu mehr Kohlenstoffspeicherung führt. Ob sich allerdings dieser Trend bei einer längerfristigen Temperaturerhöhung hält, lässt sich auf Grund der kurzen Projektlaufzeit noch nicht schlüssig belegen. Die an den borealen Wald im Süden angrenzenden Grasländer und Steppen erwiesen sich hingegen als eine substantielle CO2-Senke.

Dieser Befund ist auf die Änderung der Landnutzung seit dem Ende der Sowjetunion zurückführen: Damals wurde in vielen dieser Regionen noch Landwirtschaft betrieben, während diese Flächen heute entweder verlassen sind oder nur noch als Weideland genutzt werden.

Um diese Studien auch nach Abschluss von TCOS-Siberia fortführen zu können, etabliert das Max-Planck-Institut unter dem Namen "ZOTTO" gerade ein Nachfolgeprojekt: In Zentralsibirien, nahe dem Fluss Jenniseiy, entsteht eine Forschungsstation, das "Zotino Tall Tower Observatorium" mit einem 300 Meter hohen Messturm. Ausgestattet mit Präzisionsinstrumenten zur Messung von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen soll die Station bereits 2006 in Betrieb gehen.

Prof. Dr. Martin Heimann | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.bgc-jena.mpg.de
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: CO2 Grasländer Kohlenstoffbilanz Sibirien Steppe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie