Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ungewöhnliche neue Dinosaurierart entdeckt

02.06.2005


Ein argentinischer Schafzüchter hat den bei weitem kurzhalsigsten Langhalssaurier entdeckt, der bisher gefunden wurde. Ein deutsch-argentinisches Forscherteam um den Münchener Paläontologen Dr. Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie stellen das Tier in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" vor. Die Studie entstand im Rahmen einer an der Universität Bonn koordinierten Forschergruppe, die sich mit der Entstehung und Biologie der Riesen-Dinos beschäftigt.


Sie waren die Giganten der Urzeit und gelten noch heute oft als ein Symbol für eine zum Untergang geweihte Unfähigkeit zur Anpassung: Die Langhalssaurier mit ihren langen Hälsen, winzigen Gehirnen und enormen Körpern. Die neue Dinosaurierart widerspricht diesem Bild und zeigt, dass diese Tiere anpassungsfähiger waren, als allgemein angenommen.

Schlangenartige Hälse recken sich in die Höhe, um Baumwipfel abzuweiden und einen gewaltigen Körper mit Nahrung zu versorgen. Jeder kennt solche Szenen aus diversen Dokumentationen oder Filmen wie "Jurassic Park". Die Sauropoden oder Langhalssaurier sind für viele der Urtyp eines Dinosauriers: Ein massiger Körper mit einem langen Hals und langem Schwanz. Der charakteristische lange Hals wurde bei einigen Formen viermal so lang wie die Rückenwirbelsäule.


Die Langhalssaurier gelten generell als anatomisch konservativ, es gibt nur eine geringe Variation des Grundbauplanes. Dies spiegelt sich in der Interpretation ihrer Lebensweise wider: Sauropoden gelten als unspezialisierte vegetarische Allesfresser, die schon allein aufgrund ihrer Größe alles, was in ihrer Reichweite lag, in sich hineinschlingen mussten.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" stellt nun ein Deutsch-Argentinisches Forscherteam um den Münchener Paläontologen Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie eine neue Dinosaurierart vor, die diesen Vorstellungen widerspricht. Brachytrachelopan mesai (Mesas kurzhalsiger Hirtengott) heißt der neue Sauropode, den Rauhuts Team in Patagonien, in der argentinischen Provinz Chubut, ausgegraben hat. Gefunden hat den neuen Dino Daniel Mesa, ein dort ansässiger Schafzüchter, als er auf der Suche nach einigen verlorenen Schafen war.

Das Besondere an dem neuen Tier: Es ist der bei weitem kurzhalsigste Langhalssaurier, der bisher gefunden wurde. "Als wir feststellten, wie kurz die einzelnen Halswirbel wirklich waren, konnten wir es zuerst gar nicht glauben - es widersprach einfach jeder Vorstellung eines Sauropoden", erklärt Rauhut. Tatsächlich ist der Hals von Brachytrachelopan deutlich kürzer als die Rückenwirbelsäule - eine bei den Sauropoden einmalige Anpassung.

Der kurze Hals deutet darauf hin, daß Brachytrachelopan sich in seiner Lebensweise deutlich von anderen Sauropoden unterschied. Vermutlich war dieses Tier eher wählerisch in der Auswahl seiner Futterpflanzen und hatte sich auf Pflanzen einer bestimmten Höhe spezialisiert. Dazu passt auch die für einen Sauropoden geringe Größe von zehn Metern oder weniger. "Die Spezialisierung auf eine bestimmte Futterquelle mag eine Beschränkung für das Größenwachstum dieser Tiere gewesen sein", sagt Rauhut: "Somit mögen umgekehrt die geringe Nahrungsspezialisierung und der lange Hals anderer Sauropoden wichtige Voraussetzungen für ihren Gigantismus gewesen sein."

Damit liefert der neue Fund auch neue Ideen für die DFG Forschergruppe "Biologie der sauropoden Dinosaurier: Die Evolution des Gigantismus", in deren Rahmen die Studie durchgeführt wurde. Offenbar waren die Sauropoden weder in ihrer Anatomie noch in ihrer Lebensweise so einheitlich, wie oft angenommen. Dazu kommt auch noch ein weiterer Umstand: Brachytrachelopan gehört zu einer Gruppe von Sauropoden, die man erst seit dem oberen Jura kennt, also seit etwa 150 Millionen Jahren. Dann hat sie sich aber schnell in weiten Teilen der Welt verbreitet. In einer Welt, die sich zu dem Zeitpunkt aufgrund des Auseinanderbrechens des Superkontinentes Pangäa rasch veränderte, erreichte sie eine hohe anatomische Diversität. Rauhut: "Es scheint, dass die Sauropoden, unser Epitom für schwerfällige und wandlungsunfähige Riesen, erfolgreicher und anpassungsfähiger waren, als man gemeinhin angenommen hat."

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.sauropod-dinosaurs.uni-bonn.de
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Brachytrachelopan Dinosaurierart Langhalssaurier Rauhut Sauropoden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie