Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antimon - das unbeachtete Element

04.05.2005


Weltweit erster Workshop zur Antimon-Problematik vom 16. bis 19. Mai am Institut für Umwelt-Geochemie der Universität Heidelberg - Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt bislang einmalige Tagung



Antimon - die Ägypter benutzten es vor mehr als 3500 Jahren zum Schminken und die Babylonier verwendeten es für die Verzierung von Backsteinen. Im Mittelalter fand es seine Anwendung als Abführmittel und im 17. Jahrhundert schließlich war Antimon als Medizin in jeder Apotheke zu bekommen.

... mehr zu:
»Antimon »Arsen »Umwelt-Geochemie


Als homöopathisches Mittel ist Antimon auch heute noch in Apotheken zu erstehen, zusätzlich ist es in vielen Produkten des täglichen Lebens enthalten. Beispielsweise in Bremsbelägen, wo es als Gleitmittel fungiert, damit es beim Bremsen nicht ruckelt. Ebenso ist es in Textilien oder auch im Fernseher zu finden und setzt dort die Entflammbarkeit der Materialien herauf.

Obwohl schon im 17. Jahrhundert bekannt war, dass Antimon auch eine toxische Wirkung besitzt, ist die Forschung bezüglich der Verbreitung und der Toxizität von Antimonverbindungen bisher nicht sehr weit gediehen. Grund genug für Professor William Shotyk und seine Mitarbeiter Dr. Michael Krachler und Dr. Bin Chen vom Institut für Umwelt-Geochemie der Universität Heidelberg, den 1. Antimon-Workshop zu veranstalten.

Ihr Ziel ist dabei hoch gesteckt. "Wir wollen alle Antimon-Forscher der Welt zu einem Erfahrungsaustausch an einen Tisch bringen", erläutert Michael Krachler. Dies könnte auch gelingen, denn die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt den Workshop maßgeblich, indem sie beispielsweise die Anreise der auswärtigen Spezialisten finanziert. So haben sich zwischenzeitlich mehr als 60 Fachleute aus aller Welt, sogar aus Australien, angemeldet.

"Antimon ist mit Arsen stark verwandt und zehn Mal giftiger als Blei", stellt Michael Krachler die negative Seite des Elements klar. Während aber über Arsen nahezu alles erforscht ist und Blei als Zusatz im Benzin für Kraftfahrzeuge verboten wurde, war über Antimon bisher nicht viel zu erfahren. "Antimon und seine Verbindungen sind schwieriger zu bestimmen als Arsen und Arsen-Verbindungen. Dazu kommt, dass fünf Mal mehr Arsen in der Umwelt vorhanden ist als Antimon", erklärt Michael Krachler die Problematik. Folglich liegt ein Schwerpunkt des Workshops auf der Analytik von Antimon. Weitere Schwerpunkte sind die Verbreitung und das Verhalten von Antimon im Wasser, im Boden und in der Luft. Aber auch der gesundheitsschädigende Aspekt dieses Elements kommt bei dem Workshop nicht zu kurz.

Dass in Heidelberg der erste Workshop dieser Art ausgerichtet wird, ist kein Zufall. Schließlich verfügt das Institut für Umwelt-Geochemie über eines der modernsten universitären Reinluftlabore Deutschlands. "Das ist für den Nachweis von Antimon auch unbedingt notwendig", so Michael Krachler. Denn bei den geringen Antimon-Gehalten im zu untersuchenden Material kann bereits ein Staubkorn die Analyse verfälschen. Bei dem Untersuchungsmaterial hat sich die Arbeitsgruppe um William Shotyk auf Torf- und Eiskerne spezialisiert.

Beide Materialien ermöglichen es weit in die Vergangenheit zurückzublicken, um festzustellen, wie hoch beispielsweise die Antimon-Gehalte in der Atmosphäre vor 15 000 Jahren waren. Denn im Eis oder im Torf des entsprechenden Alters sind diese Daten unverändert enthalten. Nur so lässt sich auch der natürliche Gehalt dieses Elements in unserer Umwelt bestimmen. Ein wichtiger Schritt, um schließlich Grenzwerte festzulegen. So sehen die Heidelberger Forscher den Workshop als Katalysator für weitere Forschungsarbeiten und erhoffen sich in Zukunft eine engere Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen.

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Antimon Arsen Umwelt-Geochemie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Treibjagd in der Petrischale
24.11.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Dinner in the Dark – ein delikates Wechselspiel der Mikroorganismen
24.11.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie