Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie verhalten sich parasitische Wespen in bestimmten Umweltsituationen?

07.04.2005


Junge Bremer Insektenforscherin erhielt Forschungspreis


Brackwespe (Asobara tabida)



Mit dieser Frage beschäftigte sich die Biologin Dr. Andra Thiel in ihrer Dissertation. Dafür erhielt sie jetzt den Forschungspreis der Ingrid Weiss / Horst Wiehe Stiftung. Parasitoide sind wissenschaftlich auch deshalb so interessant, weil sich mit ihnen auf natürlich-biologischem Wege pflanzenfressende Schadinsekten bekämpfen lassen.



Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie in Dresden wurde die junge Wissenschaftlerin vom Institut für Ökologie und Evolutionsbiologie im Fachbereich Biologie/Chemie der Universität Bremen mit dem Forschungspreis der Ingrid Weiss / Horst Wiehe Stiftung ausgezeichnet. Die Stiftung fördert herausragende wissenschaftliche Arbeiten über entomologische (insektenkundliche) Themen. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

Andra Thiel untersuchte in ihrer Dissertation "Die Bedeutung von Habitatparametern für das Suchverhalten parasitischer Wespen" die Frage, wie Parasitoide Umweltinformationen nutzen, um Menge und Verteilung von Wirtsinsekten in der Umwelt einzuschätzen. Parasitoide sind nur entfernt mit den bekannten schwarz-gelben Wespen verwandt. Sie sind eher unscheinbare, oft nur wenige Millimeter große Insekten, die ihre Eier in die Jugendstadien (Larven) anderer Insekten legen. Der Parasitoidennachwuchs tötet die Wirtsinsekten dann während seiner Entwicklung ab. Parasitoide sind wissenschaftlich auch deshalb so interessant, weil sich mit ihnen auf natürlich-biologischem Wege die Verbreitung pflanzenfressender Schadinsekten bekämpfen oder zumindest begrenzen lässt.

Da die Verfügbarkeit von Wirtsinsekten von Jahr zu Jahr schwankt, sollten Parasitoide in der Lage sein, ihr Wirtsangebot einzuschätzen und eine passende Suchstrategie auszuwählen. Die offene Frage war bislang, ob und wie diese winzigen Insekten dies schaffen können und welche Informationen sie hierzu verwenden. Dr. Andra Thiel hat ihre Versuche mit zwei verschiedenen Arten durchgeführt: einer Brackwespe, die Taufliegenlarven attackiert und mit Eiern belegt, und einer Schlupfwespe, welche die Larven von Mehlmotten in so unterschiedlichen Habitaten wie Getreidespeichern und trockenen Früchten im Mittelmeerraum befällt. Das Ergebnis: Parasitoide können erkennen, wie gut oder schlecht ihr Umwelt ist und passen ihr Verhalten entsprechend an. Dabei werden aber nicht alle theoretisch möglichen Informationsquellen genutzt, sondern lediglich verlässliche und leicht verfügbare Faktoren, wie etwa die Begegnungshäufigkeit mit befallenen Früchten. Zudem gibt es Unterschiede zwischen den Populationen einer Art, die bisher so nicht bekannt waren. Die Schlupfwespen aus den Getreidelagern reagieren zum Beispiel sehr stark auf das Wirtsangebot. Gibt es viele Mehlmottenlarven, werden auch schnell viele Eier abgelegt. Die Schlupfwesepen aus den Früchten wiederum setzen eher darauf, ihren Nachwuchs möglichst günstig im Habitat zu platzieren - hier geht anscheinend Qualität vor Quantität. Die von Dr. Andra Thiel neu gewonnenen Erkenntnisse sind daher auch wichtig für die Frage, welche Parasitoide in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden können.

Angelika Rockel | idw
Weitere Informationen:
http://www.popecol.uni-bremen.de
http://www.uni-bremen.de

Weitere Berichte zu: Früchte Insekt Parasitoide Wespen Wirtsinsekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie