Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Spritzen mehr: Tabletten beugen Thrombose vor

21.02.2005


Uni Kiel entwickelt neue gerinnungshemmende Arznei


Die erste komfortable Tablette zur Thrombosevorbeugung ist da: Sie heißt Ximelagatran und wurde von der Firma AstraZeneca in Kooperation mit der Pharmazie der Kieler Universität entwickelt. Das Produkt wurde kürzlich von der europäischen Zulassungsbehörde für die Thromboseprophylaxe nach Operationen anerkannt.

Die von AstraZeneca entwickelte Wirksubstanz Melagatran, kann zwar per Injektion verabreicht werden, erwies sich indes zur oralen Anwendung als nicht wirksam. Deswegen forschten Professor Bernd Clement und sein Team im Pharmazeutischen Institut der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zirka fünf Jahre lang an der Entwicklung eines sogenannten "Prodrugs" - einer oralen Arznei, die den Wirkstoff Melagatran erst im Körper in die eigentliche Wirkform überführt. Die neue Verbindung, das Ximelagatran, gelangt über den Mund in den Magen-Darm-Trakt. Durch ein in die Struktur des Arzneistoffes zusätzlich eingebautes Sauerstoffatom kann das Molekül durch Membranen ins Blut dringen, wo der Sauerstoff durch Enzyme wieder entfernt wird und den blutgerinnungshemmenden Wirkstoff frei setzt. "So wird der Körper überlistet, den Wirkstoff aufzunehmen, den er aus seinem natürlichen Schutz heraus ablehnen würde, weil er fremd ist. Das ist wie mit einem Trojanischen Pferd, aber im positiven Sinne", erklärt Professor Clement.


Ein Blutgerinnsel (Thrombus) kann entstehen, wenn das Blut - und mit ihm die körpereigenen Gerinnungsenzyme - langsamer als üblich durch die Venen fließt, zum Beispiel, wenn ein Mensch längere Zeit liegt oder sitzt. Das Blut gerinnt zu einem Pfropf, der die Versorgung der Organe mit Blut blockieren kann. Diese Thrombosen können zu lebensbedrohlichen Situationen führen - zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenembolie. Die bisher bekannten Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, haben jedoch erhebliche Nachteile: Heparin - der bekannteste Wirkstoff - lässt sich nur durch Spritzen verabreichen. Cumarinderivate (Blutverflüssiger) dagegen gibt es zwar auch in Tablettenform, sie treten aber in erhebliche Wechselwirkung mit Nahrungsmitteln und anderen Arzneistoffen; wer sie einnimmt, muss sein Blutbild strengstens überwachen. Derartige Probleme gibt es mit dem neuen Medikament nicht, wie mehrere klinische Studien belegen.

Das neue Medikament wird derzeit nur in Krankenhäusern angewandt. "Wir hoffen nun, dass die Zulassung von Ximelagatran für die Langzeitprophylaxe erweitert wird, das heißt, dass sie auch für eine lebenslange Blutverdünnung angewandt werden kann. Eine alltagstaugliche Alternative zur Spritze wird viele Thrombose-gefährdete Menschen aufatmen lassen", betont Professor Clement.

Kontakt:

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Pharmazeutisches Institut
Prof. Bernd Clement, Tel: 0431-880-1126
E-Mail: bclement@pharmazie.uni-kiel.de

Susanne Schuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de

Weitere Berichte zu: Melagatran Spritzen Thrombose Wirkstoff Ximelagatran

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten