Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sterbehelfer in der Zelle

31.01.2005


Max-Planck-Forscher klären auf, wie überflüssige Proteine durch Transportmoleküle zur Abbaumaschinerie der Zelle geleitet werden



Zellen verfügen über eine effiziente Maschinerie, die den schnellen Abbau von Proteinen gewährleistet. Bei diesem so genannten Ubiquitin-Proteasom-System werden überflüssige Proteine zunächst durch eine Markierung mit dem kleinen Protein Ubiquitin gekennzeichnet, bevor sie im Proteasom, dem Protein-Schredder der Zelle, abgebaut werden. Fehler in diesem Abbauprogramm können Ursachen für diverse Krankheiten sein oder eine Missregulation von zellulären Prozessen nach sich ziehen. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Biochemie haben nun herausgefunden, wie Proteine, die für den Abbau mit Ubiquitin markiert sind, zum Proteasom gelangen. Die Zellbiologen um Professor Stefan Jentsch veröffentlichen ihre Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift Cell (Cell, 14. Januar 2005).

... mehr zu:
»Proteasom »Protein »Ubiquitin »Zelle


In ihren Doktorarbeiten konnten Holger Richly und Michael Rape zusammen mit ihren Kollegen Sigurd Braun, Sebastian Rumpf und Carsten Hoege zeigen, dass Proteine, die mit Ubiquitin markiert sind, mit Hilfe hintereinander wirkender Transporter-Proteine zum Proteasom gelangen. Eine zentrale Rolle übernimmt hierbei Cdc48, ein lebensnotwendiges Protein, das aus sechs identischen Untereinheiten eine ringförmige Struktur ausbildet. Es arbeitet als molekularer Motor bei der Auflösung von Komplexen, die aus verschiedenen Proteinen bestehen. Zunächst scheint Cdc48 - gemeinsam mit seinen Hilfsproteinen Ufd1 und Npl4 - gezielt Proteine, die mit Ubiquitin markiert sind, aus Protein-Komplexen herauszulösen. In einem zweiten Schritt wird dann das isolierte Protein mit weiteren Ubiquitin-Molekülen verknüpft, so dass eine perlschnurartige Multi-Ubiquitinkette entsteht. Im letzten Schritt wird dieses so modifizierte Protein von Rad23, einem weiteren Transportprotein, erkannt und zum Proteasom geleitet.

Die Forscher fanden ferner, dass nur Multi-Ubiquitinketten optimaler Länge hergestellt werden und die Bildung von zu langen Ketten verhindert wird. Die besondere wichtige neue Erkenntnis ist, dass Proteine nicht frei zum Proteasom gelangen, sondern von speziellen "Escort-Faktoren" zum Proteasom begleitet werden. In der Hefe, die den Wissenschaftlern als Modellorganismus diente, übernimmt der aufgeklärte Abbauweg eine lebenswichtige regulative Aufgabe indem er für die Bereitstellung von ungesättigten Fettsäuren in der Zelle sorgt.

Originalveröffentlichung:

Holger Richly, Michael Rape, Sigurd Braun, Sebastian Rumpf, Carsten Hoege, Stefan Jentsch
A Series of Ubiquitin Binding Factors Connects CDC48/p97 to Substrate Multiubiquitylation and Proteasomal Targeting Cell 120, 73-84, 14 January 2005

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Dr. Stefan Jentsch
Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried
Tel.: 089 8578-3000
Fax: 089 8578-3011
E-Mail: jentsch@biochem.mpg.de

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Update
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Proteasom Protein Ubiquitin Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Proteine zueinander finden
21.02.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen
21.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten

Wie Proteine zueinander finden

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie