Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entzündete Därme bei Maus und Mensch

26.01.2005


GBF-Forscher studieren die Folgen fehlgesteuerter Immunreaktionen

Mäuse mit einer Neigung zur chronischen Darmentzündung sollen der medizinischen Forschung helfen, neue Heilverfahren zu entwickeln. Bei der Untersuchung dieser Tiere stießen Forscher der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig auf eine mögliche Erklärung für das bislang noch wenig verstandene Krankheitsbild. Die Ursache von chronischen Darmentzündungen wie etwa Morbus Crohn ist - so legen ihre Ergebnisse nahe - eine Autoimmunerkrankung, also eine Fehlsteuerung von Abwehrzellen des Immunsystems. Ihre Erkenntnisse beschreiben die Forscher in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Gut, eines Fachmagazins für Darmerkrankungen.

"Man hat schon mehrfach vermutet, dass sich chronische Darmentzündungen entwickeln, wenn sich Immun-Abwehrzellen irrtümlich gegen das eigene Körpergewebe wenden und die Darmschleimhaut angreifen", erklärt GBF-Wissenschaftler Professor Dr. Jan Buer. "Bislang ist ein solcher Vorgang aber noch nicht an einem konkreten Beispiel gezeigt worden."

Instabiles Gleichgewicht im Verdauungstrakt

Das haben Buer und seine Arbeitsgruppe jetzt getan. Sie kreuzten eine Zuchtlinie von Mäusen, deren Darm-Zellen ein besonderes Proteinmolekül auf ihrer Oberfläche tragen - ein so genanntes Antigen - mit einem Mäuse-Stamm, der gegen genau dieses Antigen aggressive Immunzellen produziert. Das Ergebnis sind Mäuse, deren Abwehrsystem die eigene Darmschleimhaut angreift. Darmentzündung ist die Folge.

Gleichzeitig mit der fehlgeleiteten Immunreaktion löst das Nebeneinander von Antigen und dagegen gerichteten Abwehrzellen auch Mechanismen der Immuntoleranz aus: Entzündungshemmende Botenstoffe werden freigesetzt, Abwehrreaktionen gedämpft und abgebremst. Warum diese beiden gegenläufigen Prozesse gleichzeitig in Gang gesetzt werden und sich wechselseitig ins Gehege kommen, ist noch nicht vollständig verstanden. Fest steht: "Ein prekärer und instabiler Gleichgewichtszustand stellt sich ein", sagt GBF-Wissenschaftlerin Dr. Dunja Bruder, "eine immunologische Balance, die ständig auf der Kippe steht."

"Dieser Zustand ähnelt stark dem von menschlichen Patienten, die unter einer der vielen chronischen Formen der Darmentzündung leiden", erläutert Dr. Astrid Westendorf, eine Forscherin in Buers Arbeitsgruppe. Zu diesen Erscheinungsbildern der Krankheit gehören Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Sie äußern sich in regelmäßig wiederkehrenden schmerzhaften Darmkrämpfen, Durchfall und Darmblutungen. Allein an Morbus Crohn leiden in Deutschland nach Schätzungen 100 000 Menschen, in den USA sind es mehr als 400 000. Professor Buer: "An unseren Mäusen können wir jetzt viele Eigenschaften solcher Krankheiten studieren. Wann entstehen sie? Wie verlaufen sie? Wann gibt es akute Ausbrüche? Und vor allem: Wie kann man sie heilen?"

Hinweise

Ausführliche Informationen bietet der Originalartikel: Westendorf,A.M., Templin,M., Geffers,R., Deppenmeier,S., Gruber,A.D., Probst-Kepper,M., Hansen,W., Liblau,R.S., Gunzer,F., Bruder,D., and Buer,J. CD4+ T cell mediated intestinal immunity: chronic inflammation versus immune regulation. Gut. 2005 Jan;54(1):60-9.

| GBF Presse
Weitere Informationen:
http://www.gbf.de

Weitere Berichte zu: Antigen Crohn Darmentzündung Morbus Morbus Crohn Mäuse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften