Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Projekt entwickelt Impfstoffe aus GM-Pflanzen

15.07.2004


Die Europäische Kommission stellt unter dem Sechsten Rahmenprogramm (RP6) 12 Millionen Euro für ein neues Projekt zur Verfügung, durch das genetisch modifizierte (GM) Pflanzen für die Gewinnung von Impfstoffen gegen Tollwut, Tuberkulose, Diabetes und HIV genutzt werden sollen.


Bei Pharma-Planta, dem ersten internationalen Projekt dieser Art, arbeiten 39 Wissenschaftler aus 11 europäischen Ländern und Südafrika zusammen. Das Forscherteam wird das Konzept von der Pflanzenmodifikation bis hin zu klinischen Studien entwickeln, und die ersten Versuche mit den Medikamenten am Menschen werden für 2009 erwartet.

Das Projekt wird sich mit bedeutenden Gesundheitsproblemen in Europa und in den Entwicklungsländern befassen, obwohl das primäre Ziel in der Bereitstellung von Medikamenten für ärmere Länder besteht.


"Wir befassen uns mit etwas, das wir als wichtige Frage der globalen Unausgewogenheit bei der Gesundheit ansehen", erklärte der wissenschaftliche Projektkoordinator Professor Julian Ma von der St. George Hospital Medical School in Großbritannien. "Am meisten leiden die Entwicklungsländer unter Krankheiten, aber genau diese Länder haben keinen Zugang zu Impfstoffen", fügte Professor Ma hinzu.

Die GM-Technologie kann dazu eingesetzt werden, den Molekülapparat einer Pflanze zu veranlassen, eine Reihe von medizinisch nutzbaren Verbindungen hervorzubringen. Beispielsweise wurde die Genmodifikation eingesetzt, um menschliches Insulin und einen Impfstoff gegen Hepatitis B zu entwickeln. Doch formell hat man sich in der EU noch nie mit der Anwendung von aus Pflanzen abgeleiteten Stoffen am Menschen befasst. Dieses bahnbrechende Projekt soll helfen, dass jährlich nicht mehr 3,3 Millionen Menschen an vermeidbaren Krankheiten wie Tuberkulose, Tollwut oder Diphtherie sterben.

Pflanzen weisen nämlich ein enormes Potenzial für die Erzeugung rekombinanter pharmazeutischer Proteine auf, da sie nicht teuer und vielseitig verwendbar sind. Professor Ma erklärte: "Pflanzen lassen sich kostengünstig züchten, und wenn wir es erreichen, dass sie ein Gen für ein pharmazeutisches Produkt enthalten, könnten sie kostengünstig große Mengen Medikamente oder Impfstoffe erzeugen."

Laut Ansicht des Professors könnten die Kosten für die Entwicklung der aus Pflanzen abgeleiteten Produkte um das Zehn- oder Hundertfache unter denen der herkömmlichen Produktion liegen, die "viel Arbeitsaufwand erfordert, teuer ist und häufig recht geringe Mengen an Pharmazeutika hervorbringt."

Wenn die Technik Erfolg hat, wird sie kostenlos für die Entwicklungsländer lizenziert, die dann ihre eigene Produktion kostengünstig beginnen und die von ihnen benötigten Mengen herstellen könnten. Obwohl man bei dem Projekt noch nicht entschieden hat, welche Pflanzen verwendet werden, gehören Tabak, Mais, Kartoffeln und Tomaten zu den wahrscheinlichen Kandidaten.

Der Projektpartner Mario Pezotti von der Universität Verona in Italien erklärte: "Dieser disziplinenübergreifende Ansatz wird uns ermöglichen, alle einzelnen Aspekte in Verbindung mit dem Einsatz von genetisch modifizierten Pflanzen mit besonderem Augenmerk auf der Sicherheit für Mensch und Umwelt zu betrachten."

| cn
Weitere Informationen:
http://europa.eu.int

Weitere Berichte zu: Entwicklungsland GM-Pflanzen Impfstoff Medikament Tuberkulose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise