Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

High-Tech-Lösungen nach Vorbild der Natur

14.06.2004


Der australische Feuerkäfer Merimna atrata kann sich für Waldbrände erwärmen: Er verfügt über einen Sensor, der besonders auf Infrarot-Strahlung anspricht, die von brennendem Holz ausgeht. Zoologen der Universität Bonn haben diesen "Sinn für’s Brenzlige" inzwischen kopiert und einen bionischen Waldbrand-Sensor entwickelt. Um Ideen wie diese geht es im deutschlandweiten Bionik-Kompetenznetz BIOKON II. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Initiative in den kommenden drei Jahren mit rund 6 Millionen Euro. In Bonn beteiligen sich Botaniker und Zoologen an dieser "Transferstelle für Patentlösungen aus der Natur".


Elefantenrüsselfisch



"Das Netzwerk ist Anlaufstelle für Industrie und Wissenschaftler, die ein Problem haben, das sie mit Hilfe bionischer Verfahren lösen möchten", erklärt der Botaniker Zdenek Cerman. "Wir vermitteln dazu die Kooperationspartner, die bereits Erfahrungen mit der entsprechenden Aufgabenstellung haben und vielleicht helfen können." Das Netzwerk will zudem Informations-Workshops für Politik und Wirtschaft anbieten und über Messebesuche den schnellen Transfer der Erkenntnisse in die Industrie erreichen.

... mehr zu:
»BIOKON »BMBF »Botaniker


Bereits vor drei Jahren hatte das BMBF ein Bionik-Netz eingerichtet - damals schon unter Beteiligung der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Wilhelm Barthlott vom Botanischen Institut. Professor Barthlott ist der Entdecker des Lotus-Effekts: Aufgrund ihrer Oberflächenstruktur perlt Schmutz von Lotusblättern einfach ab. Die Beobachtung wird heute bei zahlreichen Industrieprodukten genutzt, beispielsweise für schmutzabweisende Wandfarbe oder neuerdings für ein Silikonwachs, das zum Schutz vor Dreck einfach auf die unterschiedlichsten Materialien aufgesprüht werden kann. In BIOKON II kooperieren deutschlandweit 18 Partner an 15 verschiedenen Standorten, darunter die Universitäten Berlin, Saarbrücken und Karlsruhe, die über lange Erfahrung auf dem Gebiet der Bionik verfügen.

Vorbild Elefantenrüsselfisch

Neu hinzugekommen in der nun beginnenden zweiten Phase ist beispielsweise die Biosensorik mit zwei Arbeitsgruppen an der Universität Bonn. Sie bilden den neuen Bonner "Knotenpunkt Biosensorik" in BIOKON II. Hier forscht man - neben den schon genannten Infrarotfühlern - beispielsweise an Strömungs-Messgeräten, die sich an den Seitenlinienorganen der Fische orientieren, oder an einer Art "Elektroortung": "Schwach-elektrische Fische wie der afrikanische Elefantenrüsselfisch erzeugen regelmäßig elektrische Pulse von wenigen Volt Spannung und messen gleichzeitig über Hunderte von Hautsensoren das elektrische Feld, das sich dabei um sie aufbaut", erklärt Professor Dr. Gerhard von der Emde. Gegenstände in ihrer Nähe "verzerren" das elektrische Feld; die Fische erhalten so ein komplexes elektrisches Bild ihrer Umgebung. "Nach diesem Vorbild lassen sich beispielsweise völlig neuartige Abstandsmessgeräte konstruieren, aber auch Sensoren, die Materialfehler in Produkten finden oder sogar Hautkrankheiten detektieren und vermessen können. Wir suchen gerade nach Diplomanden oder Doktoranden, die einen Prototyp bauen und austesten möchten."

"Für viele Aufgaben, an denen sich Ingenieure die Zähne ausbeißen, hat die Natur im Laufe der Evolution innovative Lösungen entwickelt", bekräftigt Zdenek Cerman. "Wer dieses natürliche Know-how für technische Produkte nutzt, kann unter Umständen viel Zeit und Geld sparen." So gibt es Computerprogramme, die Wachstumsprinzipien von Knochen oder Bäumen nutzen, um möglichst stabile und dabei material- (und damit gewicht- und verbrauchsparende) Autoteile zu konstruieren. Auch Spinnen inspirieren die Bioniker: Spinnenseide ist (bezogen auf ihre Masse) belastbarer als alle anderen bekannten Stoffe.

Ansprechpartner:

Professor Dr. Gerhard von der Emde
Institut für Zoologie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5555
E-Mail: vonderemde@uni-bonn.de

Zdenek Cerman
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen an der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2122
E-Mail: cerman@uni-bonn.de

Frank Luerweg | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Un
Weitere Informationen:
http://www.bionik-netz.de.
http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2004/256.html

Weitere Berichte zu: BIOKON BMBF Botaniker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz