Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Australische Forscher nutzen Tarnkappentechnologie zur Früherkennung von Brustkrebs

04.03.2004


Wissenschaftler der australischen University of Technology Sydney (UTS) setzen in einem bahnbrechenden Forschungsprojekt zur Früherkennung von Brustkrebs eine Technologie ein, die auch bei der Entwicklung von Tarnkappenflugzeugen verwendet wurde.


Die Arbeit, an der Flugzeugingenieure, Mathematiker, Gesundheitswissenschaftler und Radiologen beteiligt sind, umfasst eine detaillierte Computer-Analyse von Mammographien, bei der nach kleinsten, schwer erkennbaren Anzeichen sich entwickelnder Tumore gesucht wird.

"Wir benutzen einige der Methoden, die bei der Konstruktion von Tarnkappenflugzeugen eingesetzt wurden, allerdings in genau entgegengesetzter Weise," erklärt Professor Hung Nguyen von der Fakultät für Ingenieurswissenschaften der UTS. "Die mathematischen und physikalischen Verfahren, die bei Tarnkappenflugzeugen benutzt werden, zielen darauf ab, Objekte vor der elektronischen Entdeckung abzuschirmen - wir drehen dieses Prinzip um, um schwer zu findende Objekte vor undeutlichen Hintergründen sichtbar zu machen."


Das Forschungsteam wird von Professor Nguyen und Emeritus Professor Barry Thornton geleitet. Letzterer hatte bereits begonnen, über eine alternative Nutzung der Tarnkappentechnologie nachzudenken, als er in der Abteilung für elektronische Kriegsführung der US Luftwaffe (Electronic Warfare Division of the US Air Force) an dieser Technologie arbeitete. "Ich wurde gefragt, ob ich neue Anstöße zur Interpretation von Brust-Mammographien geben könnte. Nachdem ich Radiologen bei ihrer Arbeit beobachtet hatte, wurde mir bewusst, dass die Problemstellung ähnlich war wie die bei meiner Arbeit an den Radar-Absorbierern der Tarnkappenflugzeuge," erläutert Professor Thornton.

"Radiologen suchen auf einer Brust-Mammographie hauptsächlich nach zwei Dingen - kleinen Kalzium-Ablagerungen, die durch Tumore verursacht werden und den Tumoren selbst, die meist sehr schwer zu erkennen sind, weil sie häufig nur verschwommene Ränder haben," so Professor Thornton. Das UTS Analyse-System legt laut Professor Nguyen die in einer Mammographie enthaltenen Informationen Schicht um Schicht frei und macht so mögliche Probleme erkennbar.

Die bisherige Forschungsarbeit hat zur Entwicklung eines Bildverarbeitungssystems geführt, das sowohl die Erkennung als auch die diagnostische Bewertung potentieller Tumore ermöglicht. Die Auswertung erster Versuchsreihen hat gezeigt, dass die vom System erzeugten Diagnosen den Leistungen anerkannter Radiologen in nichts nachstehen. "Wir konnten bereits nachweisen, dass die Technik effektiv arbeitet. Jetzt möchten wir durch weitere Untersuchungen zusätzlich sicher stellen, dass auch die frühestmöglichen Tumorvarianten erfasst werden, ohne zu häufig falsche Entwarnung oder falschen Alarm zu geben," erläutert Professor Nguyen die weiteren Vorhaben des Forscherteams.

Weitere Informationen in englischer Sprache: Professor Hung Nguyen, Email: Hung.Nguyen@uts.edu.au

Sabine Ranke-Heinemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ranke-heinemann.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften