Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CO2 färbt Textilien umweltfreundlich - Prototyp kurz vor Bau

16.09.2003


Die AiF im Jahr der Chemie: Eine Innovation aus der industriellen Gemeinschaftsforschung


Mit CO2 gefärbtes Polypropylen



Wasser ist in der Textilindustrie ein wichtiges Lösungsmittel und Transportmedium für viele Veredelungsprozesse. Die mit Restchemikalien belasteten Abwässer müssen bislang aufwändig und teuer geklärt werden. Mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" (AiF) haben Forscher vom Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West in Krefeld ein Textilveredelungsverfahren entwickelt, das vollständig vom Wasserkreislauf abgekoppelt ist: Anstelle von Wasser wird überkritisches Kohlendioxid (CO2) eingesetzt. Ein Konsortium aus Wissenschaftlern, Maschinenbauern und Textilveredlern plant jetzt in Deutschland die weltweit erste größere Pilotanlage zum Färben in CO2, die in den Betrieben der Nutzer die Anwendbarkeit des Verfahrens im nahezu industriellen Maßstab unter Beweis stellen soll.

... mehr zu:
»CO2 »Färbung »Kohlendioxid »Textil


Bei einem Druck von 200 bis 300 bar und einer Temperatur von 100 bis 140 Grad Celsius liegt das CO2 als überkritisches Fluid vor und besitzt damit sowohl Eigenschaften eines Gases als auch einer Flüssigkeit. In diesem Zustand wird CO2 schon seit längerem zur Entkoffeinierung von Kaffee eingesetzt. Es hat dann ein hohes Lösevermögen für viele wasserabweisende (hydrophobe) Substanzen. Dazu gehören auch Dispersionsfarbstoffe, die bei der Färbung hydrophober Synthesefasern wie Polyester und Acetat Verwendung finden. Das komprimierte und erwärmte CO2 nimmt die Farbstoffmoleküle auf und bringt sie in das Textil ein; überschüssiger Farbstoff wird mit frischem CO2 entfernt.

Die Vorteile des innovativen Verfahrens liegen vor allem in seiner Umweltfreundlichkeit: Der während der Färbung nicht verbrauchte Farbstoff liegt nach dem Prozess in Pulverform vor und es entsteht kein Abwasser. Das verwendete CO2 kann zu über 90 Prozent recycelt werden. Im Unterschied zur Wasserfärbung bedarf es auch keiner Nachwäsche der gefärbten Textilien mit schwefelhaltigen Substanzen, die die kommunalen Kläranlagen belasten. Zudem entfällt die Trocknung der gefärbten Ware. Solche verkürzten Prozesszeiten sparen zusätzliche Energie. Gewonnen wird das CO2 größtenteils aus der Abluft bestehender Prozesse zur Gewinnung stickstoffhaltiger Substanzen. Deshalb erfolgt keine zusätzliche Umweltbelastung oder Förderung der Auf-heizung der Erdatmosphäre durch den Einsatz des Kohlendioxids in der Textilveredelung.

Die Qualität der Färbung ist derjenigen der Wasserfärbung ebenbürtig und wird teilweise sogar übertroffen. Deshalb nutzen heute bereits der Maschinenbauer Uhde High Pressure Technologies aus Hagen, ein Spezialist auf dem Gebiet des Hochdruckanlagenbaus, und die ADO Gardinenwerke aus Aschendorf die Erkenntnisse der Krefelder Wissenschaftler. Gemeinsam mit weiteren Partnern will das Konsortium die innovative Färbetechnologie bis zur Industriereife für Synthesefasern und langfristig auch für Naturfasern entwickeln.

Ansprechpartner: Dr. Elke Bach, Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West e.V.,
Tel.: 02151-843-203, E-Mail: bach@dtnw.de

Dr. Peter Nünnerich, Uhde High Pressure Technologies, Tel.: 02331-967-243, E-Mail: Nuennerich@uhde-hpt.com

Adolf Schüler, ADO Gardinenwerke GmbH & Co., Tel.: 04962-505-170, E-Mail: ASchueler@ado-international.de

Silvia Behr | idw
Weitere Informationen:
http://www.aif.de

Weitere Berichte zu: CO2 Färbung Kohlendioxid Textil

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten