Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grundlage für Entwicklung neuer Malaria- und Tuberkulose-Medikamente

25.08.2003


Struktur eines wichtigen Enzyms entschlüsselt



Wissenschaftlern der Technischen Universität München ist es gemeinsam mit Forschern aus Dundee (UK), und Grenoble (Frankreich) erstmals gelungen, die räumliche Struktur eines Proteins aufzuklären, welches als ein so genanntes Key-Target für die Entwicklung von neuartigen Medikamenten zur Behandlung bakterieller Infektionen wie Malaria und Tuberkulose angesehen wird. Es handelt sich um das für Mikroorganismen essentielles Enzym CDP-ME-Kinase, das bei Menschen und Tieren nicht vorkommt. Das Risiko von Nebenwirkungen bei Medikamenten, die darauf abzielen, dieses Enzym zu hemmen, ist deswegen herabgesetzt.

... mehr zu:
»CDP-ME-Kinase »Enzym »Medikament


Moderne Methoden wie Genomik und Proteomik erlauben es, neue therapeutische Zielmoleküle zu identifizieren, an denen Medikamente angreifen könnten. Ein solches Target ist das Enzym CDP-ME-Kinase. Es hilft Bakterien und Parasiten dabei, viele der Schlüssel-Bausteine zu bilden, die für ihr Wachstum und ihre Vermehrung notwendig sind. Eine Substanz, die diese Kinase in ihrer Funktion einschränkt, würde einen Krankheitserreger, der dieses Enzym besitzt, vergiften und abtöten können.

Um neue, hochwirksame Medikamente zu entwickeln, muss man Wirkstoffe aus kleinen Molekülen finden, die nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip in eine Bindetasche des Enzyms binden und es blockieren können. Beim modernen Wirkstoff-Design werden dazu zunächst am Computer Moleküle generiert und getestet, bevor sie wirklich chemisch hergestellt werden. Für ein erfolgreiches Computer-Design ist aber Voraussetzung, dass die räumliche Struktur des Zielmoleküls (des Enzyms) bekannt ist. Bei der CDP-ME-Kinase ist dies nun mit Hilfe biochemischer Methoden und der Röntgenkristallographie erstmals gelungen.

Wissenschaftlern vom Lehrstuhl für Organische Chemie und Biochemie (Prof. Bacher) der TU München in Garching haben ihre Ergebnisse gemeinsam mit europäischen Kollegen in der Juli-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the American Academy of Science veröffentlicht. Bereits in der Vergangenheit war es Chemikern der TU als ersten gelungen, das entsprechende Gen zu identifizieren, welches für CDP-ME-Kinase codiert, und dessen Funktion mittels einer Kombination von Bioinformatik, molekularbiologischen und NMR- spektroskopischen Methoden zu bestimmen.

Mit der Entschlüsselung der Struktur des Enzyms wird die Entwicklung von neuen, potenten Therapie-Mitteln gegen eine Vielzahl mikrobieller Infektionen erheblich vorangetrieben. Auf dieser Grundlage entwickelte Medikamente können nicht nur zur Behandlung von Malaria und Tuberkulose, sondern auch z. B. von Toxoplasmose, Chlamydiosis, Meningitis und Cholera eingesetzt werden. Durch das Auftreten von multiplen Resistenzen herrscht heutzutage ein regelrechter Mangel an geeigneten Arzneimitteln für die Behandlung infektiöser Krankheiten, die durch Keime verursacht werden.

Die Arbeit wurde publiziert von Forschern der School of Life Science, University of Dundee (Prof. Bill Hunter, Linda Miallau, Magnus Alphey und Lauris Kemp), der Technischen Universität München (Prof. Adelbert Bacher, Stefan Hecht, Wolfgang Eisenreich und Felix Rohdich) und der European Synchroton Radiation Facility in Grenoble (Gordon Leonard und Sean McSweeney).

Kontakt:

Dr. Felix Rohdich
TU München
Institut für Organische Chemie und Biochemie
Lichtenbergstrasse 4, 85748 Garching
Tel. 089-289-13364, Fax 289-13363
Email felix.rohdich@ch.tum.de

Dieter Heinrichsen M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-muenchen.de

Weitere Berichte zu: CDP-ME-Kinase Enzym Medikament

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen
20.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich
20.11.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie