Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schimpansen-Chromosom 22 vollständig entschlüsselt

02.07.2003


"International Chimpanzee Genome Chromosome 22 Sequencing Consortium" präsentiert erste vollständige DNA-Sequenz des nächsten Verwandten des Menschen


Ein internationales Wissenschaftlerteam aus acht Forschungseinrichtungen in Deutschland, China, Japan, Korea und Taiwan hat die vollständige Sequenzierung des Schimpansenchromosoms 22 bekannt gegeben. Das 33,2 Megabasen grosse Chromosom wurde mit der sehr hohen Genauigkeit von 99,998 % entschlüsselt.

Das Gegenstück zum Chromosom 22 des Schimpansen ist das menschliche Chromosom 21, das am besten untersuchte Chromosom überhaupt. Auf ihm wurden bereits eine Reihe wichtiger Krankheitsgene identifiziert, einschließlich der für das Down-Syndrom, die Alzheimersche Krankheit, Epilepsie und akute Leukämie. "Wir sind einen weiteren wichtigen Schritt zum besseren Verständnis der menschlichen Evolution und Biologie vorangekommen", betont Hans Lehrach, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin und einer der deutschen Partner in dem internationalen Sequenzierungs-Konsortium.


Nach der Sequenzierung des Schimpansenchromosoms 22 hat das Konsortium jetzt mit der Analyse der Sequenzdaten begonnen. Die Sequenzdaten von menschlichem und Schimpansengenom sind zu 98,5% identisch. Die ersten Ergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass durch die große Anzahl an eingeschobenen und weggefallenen Sequenzabschnitten (Insertionen und Deletionen) und Basenaustauschen sich die Proteine bzw. deren Struktur bei beiden Spezies in mindestens 10% unterscheiden.

Die Sequenzdaten des Schimpansenchromosoms 22 stehen der Öffentlichkeit über die Webseite des Konsortiums zur Verfügung (URL: https://chimp22pub.gsc.riken.go.jp/) und werden nach der vollständigen Annotation auch in die öffentlichen Datenbanken eingegeben werden.

Das "International Chimpanzee Genome Chromosome 22 Sequencing Consortium" formierte sich Anfang 2001 als Fortführung und Erweiterung des "Chromosome 21 Mapping and Sequencing Consortium". Dieses veröffentlichte bereits im Jahre 2000 die vollständige Sequenzentschlüsselung und -analyse des humanen Chromosoms 21 [Nature 2000; 405:311-319.). Die jetzt vorgestellten Arbeiten gründen sich auf die 2002 vom Konsortium veröffentlichte erfolgreiche Generierung der vergleichenden Klonkarte von Mensch und Schimpanse [Science 2002; 295:131-134). An dem vom RIKEN Institut, Yokohama, Japan, und dem Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin, (MPIMG) koordinierten Projekt sind aus Deutschland weiterhin Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Braunschweig, des Instituts für Molekulare Biotechnologie, Jena, und des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig, beteiligt. Während die ersten drei deutschen Gruppen bei der Entschlüsselung des menschlichen Chromosom 21 noch durch das Deutsche Humangenomprojekt (DHGP) gefördert wurden, stellt diese Arbeit einen der Meilensteine dar, der durch das Nationale Genomforschungsnetz (NGFN) finanziert wurde.


Partner im "International Chimpanzee Genome Chromosome 22 Sequencing Consortium"

China:
Chinese National Human Genome Center at Shanghai, Zhu CHEN (zchen@stn.sh.cn ),

Deutschland:
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Marie-Laure Yaspo (yaspo@molgen.mpg.de), Ihnestrasse 63-73, D-14195 Berlin (Dahlem), Tel.: 030- 8413-1221, Fax: 030-8413-1380

Institut für Molekulare Biotechnology, Matthias Platzer (mplatzer@imb-jena.de), Postfach 100813, D-07708 Jena, Tel.: 03641-656241, Fax: 03641-656255

Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Helmut Blöcker (bloecker@gbf.de), Mascheroder Weg 1, D-38124 Braunschweig, Tel.: 0531-6181-220, Fax: 0531-6181-292

Japan
RIKEN Genomics Sciences Center, Yoshiyuki Sakaki (sakaki@gsc.riken.go.jp),

National Institute of Genetics Naruya SAITOU (nsaitou@genes.nig.ac.jp)

Korea
Korea Research Institute of Basic Sciences and Biotechnology Hong-Seog Park (hspark@mail.kribb.re.kr),

Taiwan
National Health Research Institutes Shih-Feng Tsai (ympetsai@ym.edu.tw)


Weitere Informationen bei:
Marie-Laure Yaspo
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
Ihnestr. 63 - 73
D-14195 Berlin
Tel.: 0170-5252315
Fax: 030 - 8413 -1380
Email: yaspo@molgen.mpg.de

Dr. Patricia Beziat | idw
Weitere Informationen:
http://chimp22pub.gsc.riken.go.jp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Selbstfaltendes Origami
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was Stammzellen zu perfekten Alleskönnern macht

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Selbstfaltendes Origami

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

27.06.2017 | Materialwissenschaften