Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biotech-Branche profitiert enorm von den Universitäten

30.04.2003


Für junge Firmen ist die räumliche Nähe zur Wissenschaft essentiell


Für junge Biotech-Firmen ist die Anbindung an die universitäre Grundlagenforschung von enormer Bedeutung. "Besonders am Anfang einer Entwicklung sind direkte persönliche Kontakte mit hochqualifizierten Wissenschaftlern für den Erfolg einer Firma essentiell", so Gerhard Fuchs, wissenschaftlicher Mitarbeiter der TA-Akademie und Herausgeber der Studie "Biotechnology in comparative perspective", die dieser Tage als Buch erscheint.

In insgesamt neun Fallstudien werden darin die Ursachen und Bedingungen für die Entstehung von Biotech-Clustern (die Ansammlung von Biotechnologie-Unternehmen in einer Region) in acht OECD-Ländern untersucht. Fuchs Fazit: "Vermutlich spielt in keinem anderen technologischen Feld die Grundlagenforschung eine vergleichbare Rolle".


Wichtig für die Entstehung eines Biotech-Clusters sind neben vorhandenem Risikoka-pital aber auch unternehmerischer Gründergeist. "Nur in einer Atmosphäre unternehmerischer Stimulanz ist es möglich, die Karrierepfade von Wissenschaftlern von der Forschung zur Umsetzung zu lenken", sagt Fuchs. Das zeigten die Erfahrungen aus dem Silicon Valley in Kalifornien, wo Anfang der 90er Jahre ein besonders enges Geflecht von Beratungs-, Marketing- und Risikokapitalfirmen dafür sorgten, dass die sektoralen Grenzen verschwanden und Mitarbeiter von etablierten Firmen zu Start-Up-Firmen gewechselt sind. "Auf Messen, Konferenzen und Seminaren aber auch bei gesellschaftlichen Anlässen wurden Beziehungen geknüpft, aus denen neue Unternehmen und Geschäftsideen entstanden sind", so Fuchs. "Diese stimulierende, offene Atmosphäre befördert den Aufbau von implizitem Wissen, das auf gegenseitigem Vertrauen, einer gemeinsamen Sprache und Kultur und intensiven außerbetrieblichen Kontakten entsteht."

Insgesamt existiert gerade in den USA eine sehr enge Verbindung zwischen Universitäten und Biotech-Unternehmen. "Weil das Kapital der Firma auf Wissen basiert, sind die Kosten naturgemäß dort am geringsten, wo neues Wissen produziert wird," so Fuchs. "Diese Verbindungen sind essentiell, weil die Firmen von ihren Wissenschaftlern geprägt werden". So kamen von 101 US-Firmengründern in den frühen 90er Jahren immerhin die Hälfte von den Universitäten, rund 75 Prozent von Ihnen blieben aber auch weiterhin zumindest auf Teilzeitbasis an der Uni angestellt. "Diese universitären Wissenschaftler sind als Gründer, Berater in Aufsichtsgremien oder auch als Direktoren tätig und bilden häufig die Schnittstelle von den universitären Forschungslabors zur Ausgründung", sagte Gerhard Fuchs. Gerade als Berater stellten sie für die Firmen eine enorme Wissensressource zu geringen Kosten dar, eine erfolgreiche Strategie kleiner Biotechnologie-Unternehmen besteht deshalb in der Entwicklung und Nutzung enger Verbindungen zu Uni-Forschern. Dies sichert zum einen den Zugang zum aktuellen Stand der Forschung und zum anderen den Nachschub an neuen Mitarbeitern. Aber auch Netzwerke und Kooperationen mit anderen Firmen sind extrem wichtig für den Erfolg von Biotech-Start-Ups. "Nur strategische Allianzen mit großen Pharmakonzernen ermöglichen die Entwicklung neuer Medikamente von der Grundlagenforschung bis zur Marktreife", so Fuchs. Die Kosten dafür betragen in den USA derzeit rund 250 Millionen Dollar, dagegen liegt das durchschnittliche Budget einer US-Biotech-Firma für Forschung und Entwicklung bei rund 12,5 Millionen Dollar. "Bio-Tech-Firmen sind vor allem dann erfolgreich, wenn Sie sich auf ihr Kerngeschäft der Wissensproduktion konzentrieren und die Vermarktung und Produktentwicklung anderen überlassen", sagt Gerhard Fuchs. Dabei zeigt sich in den USA aber auch in Deutschland, dass regionale Förderprogramme erheblich zur Entwicklung von Bio-tech-Clustern beigetragen haben.

Ansprechpartner:

Gerhard Fuchs
Tel: 0711 - 9063-199
E-Mail: gerhard.fuchs@ta-akademie.de
Dr. Birgit Spaeth, Tel: 0711/9063-226
E-Mail: birgit.spaeth@ta-akademie.de

Dr. Birgit Spaeth | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops