Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher wollen die Biologie gefährdeter Schmetterlinge klären

05.02.2003


Das Leben eines Ameisenbläulings: Von der Eiablage (links) zum Raupendasein auf der Pflanze und am Boden bis hin zum Transport in die Ameisenkolonie. Dort schlüpft dann der Falter
Grafik: Ökologische Station


Alle fünf europäischen Arten aus der Schmetterlingsgattung der Ameisenbläulinge gelten als selten und gefährdet. Darum wird die Biologie dieser Insekten im Rahmen eines Großprojekts mit Beteiligten aus sechs Ländern Europas untersucht.


Von der Uni Würzburg ist die Ökologische Station des Biozentrums beteiligt. Für das von Prof. Dr. Hans Joachim Poethke geleitete Projekt erhält sie 245.000 Euro Fördermittel von der Europäischen Union.

"Es ist gar nicht überraschend, dass die Ameisenbläulinge als gefährdet gelten", sagt Projektmitarbeiter Dr. Thomas Hovestadt. Der Grund: Für ihr Wohlergehen sind diese Schmetterlinge auf die ausreichende Präsenz anderer Tierarten angewiesen. Warum das so ist, zeigt ein Blick auf den erstaunlich komplizierten Lebenszyklus der Ameisenbläulinge.


Die Weibchen legen ihre Eier auf ganz bestimmten Wirtspflanzen ab, zum Beispiel auf Enzian, auf denen die jungen Raupen ihre erste Nahrung aufnehmen. Nachdem sie etwas herangewachsen sind, lassen sie sich jedoch von ihrer Wirtspflanze auf den Boden fallen und hoffen darauf, dass sie dort von einer Ameise aus der Gattung Myrmica gefunden werden.

Kommen solche Ameisen vorbei, dann gelingt es den Raupen, sich ihnen gegenüber als "verlorene Ameisenbrut" auszuweisen. Dank dieser Täuschung werden sie von den Ameisen aufgenommen und in deren Kolonie getragen. Je nach Schmetterlingsart werden die Raupen dort entweder von den Ameisen gefüttert - und zwar sogar besser als deren eigener Nachwuchs - oder aber sie betätigen sich als Räuber und fressen die Brut ihrer Gastgeber.

Geht alles gut, schlüpfen im kommenden Sommer die Schmetterlinge der nächsten Generation. Das passiert allerdings nur dann, wenn die Raupen jeweils von ihrer "richtigen" Ameisenart adoptiert wurden. Oft werden sie nämlich auch von den Arbeiterinnen anderer Arten eingesammelt, in deren Nest letztlich jedoch vernachlässigt. In jedem Fall aber fügen die Schmetterlingsraupen ihrer Wirtskolonie erheblichen Schaden zu und zerstören sie unter Umständen sogar.

Das Forschungsprojekt soll viele Detailfragen klären. Zum Beispiel geht es um die Evolution dieser sonderbaren Beziehung oder um die Mechanismen, die es den Schmetterlingen erlauben, sich bei den Ameisen einzuschleichen. Ein vorrangiges Ziel ist es laut Dr. Hovestadt aber, aus den neuen Erkenntnissen Empfehlungen abzuleiten, die einen effizienten Schutz der Ameisenbläulinge und ihrer Wirtsarten ermöglichen.

Die Wissenschaftler von der Ökologischen Station werden die im Projekt gesammelten Informationen in Simulationsmodellen zusammenfassen, mit denen sich Prognosen über das weitere Schicksal bestimmter Schmetterlingspopulationen erzeugen lassen. Das erlaubt es ihnen dann, beispielsweise die Wirksamkeit verschiedener Management-Strategien gegeneinander abzuwägen. Hiervon leitet sich auch der Name des Projekts ab: "MacMan" steht für Maculinea-Management; Maculinea ist der wissenschaftliche Gattungsname der Ameisenbläulinge.

Insgesamt arbeiten an MacMan acht Partner mit. Aus Deutschland ist dies neben der Uni Würzburg das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle. Außerdem sind Forschungsgruppen aus Dänemark, England, Frankreich, Polen und Ungarn beteiligt.

Weitere Informationen:

Dr. Thomas Hovestadt
Telefon 09554 - 92230, Fax 09554 -367
E-Mail: hovestadt@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.macman-project.de/

Weitere Berichte zu: Ameise Ameisenbläulinge Biologie Raupen Schmetterling

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie