Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körperabwehr: Stammesgeschichtlich älter als angenommen

07.01.2003


Molekularbiologen finden Abwehrmolekül im Blut von Manteltieren



Wichtige Bausteine des menschlichen Immunsystems sind viel älter als bisher angenommen. Ein internationales Forscherteam um Thomas Bosch vom Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel konnte ein auf der Oberfläche von menschlichen "Killerzellen" vorhandenes Molekül auch in Blutzellen von Manteltieren nachweisen. Dieses Molekül sorgt beim Menschen als Rezeptor für die Erkennung und Abwehr fremder oder entarteter Zellen. Über die Entdeckung berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Online-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). Für die Forscher zeigt die Entdeckung, wie wichtig vergleichende Untersuchungen auch an ungewöhnlichen Objekten sind.



Bosch und seine Kollegen fanden heraus, dass Manteltiere auf der Oberfläche ihrer Blutzellen ein Molekül besitzen, das als Rezeptor bei der Erkennung fremder Zellen eingesetzt werden kann. Das Molekül zeigt eine große Ähnlichkeit zu den CD94 Rezeptoren, die sich auf der Zelloberfläche der sogenannten menschlichen "Killerzellen" befinden. Die Blutzellen der Manteltiere, die dieses BsCD94-1 Molekül tragen, scheinen damit die stammesgeschichtlichen Vorläufer der Killerzellen des Menschen zu sein. Damit sind zumindest einige Komponenten des ausgefeilten Immunsystems der Wirbeltieren weitaus älter als bislang angenommen. Statt eines rätselhaften immunologischen Urknalles scheint eher eine schrittweise Entwicklung stattgefunden zu haben.

Bislang ging man nämlich davon aus, dass nur Wirbeltiere ein komplexes erworbenes Immunsystem haben. Nach bisheriger Auffassung greifen einfache Tiere wie die kieferlosen Fische oder alle Wirbellosen bei Immunreaktionen ausschließlich auf Moleküle des so genannten angeborenen Immunsystems zurück. "Eines der größten biologischen Rätsel aller Zeiten ist die Evolution der erworbenen Immunantwort", schreibt Charles Janeway in seinem gerade erschienenen Lehrbuch zur Immunologie. Er geht von einem immunologischen "Urknall" aus, der bei den Wirbeltieren plötzlich die komplexen Moleküle des erworbenen Immunsystems entstehen ließ.

Manteltiere sind evolutionsgeschichtlich sehr alt und stehen stammesgeschichtlich an der Wurzel der Wirbeltiere und damit auch des Menschen. Es handelt sich dabei um einfache, festsitzende Meerestiere. Ihr Name stammt von der celluloseähnlichen Epidermis, die die Tiere wie ein Mantel umgibt. Einzeltiere können sich zu Kolonien zusammenschließen. Beim Aufeinandertreffen von zwei Kolonien kann es zur Verschmelzung oder zu Abstoßungsreaktionen kommen.

Sandra Standhartinger | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de
http://www.pnas.org

Weitere Berichte zu: Blutzelle Immunsystem Molekül Rezeptor Wirbeltier

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit grüner Chemie gegen Malaria
21.02.2018 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Vom künstlichen Hüftgelenk bis zum Fahrradsattel
21.02.2018 | Frankfurt University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics