Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei Sonderforschungsbereiche am Institut für Biochemie im Biozentrum Frankfurt

19.12.2002


DFG bewilligt Gelder für Forschung an Membranproteinen



Sonderforschungsbereiche (SFB) sind ein wichtiges Forschungsförderungsinstrument der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Für eine Universität bedeutet die Bewilligung eines SFB Renommee und Geld: Im Rahmen eines SFB können hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Forschung auf höchstem internationalen Niveau betreiben. Im Fachbereich Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften sind mittlerweile drei Sonderforschungsbereiche angesiedelt, von denen unlängst zwei neu begutachtet wurden.



Ziel des SFB 472 "Molekulare Bioenergetik", der vor sechs Jahren initiiert und jetzt mit einem Fördervolumen von 4,7 Millionen Euro für weitere drei Jahre bewilligt wurde, ist die Aufklärung von grundlegenden Prozessen der Energieumwandlung, wie sie an den Membranen einer jeden Zelle ablaufen. Dazu zählen die Reaktionen der Photosynthese (Nutzung der elektromagnetischen Strahlung der Sonne) und die Zellatmung (Verwertung des Energiegehalts von Nährstoffen in den "Kraftwerken" der Zelle). Bei diesen Vorgängen entstehen über die Membran chemische und/oder elektrische Gradienten, die dann von zellulären Katalysatoren zur Synthese von ATP genutzt werden: Diese "Energiewährung" der Zelle kann vielfältige Leistungen eines Organismus antreiben, wie etwa Bewegungsvorgänge, die Erregungsleitung in den Nervenzellen oder das Zellwachstum.

Die im SFB zusammengefassten Arbeitsgruppen bearbeiten in erster Linie strukturelle und funktionelle Fragestellungen, wozu eine Vielzahl von Methoden, von molekularbiologischen bis hin zu theoretischen Ansätzen, verwendet wird. Dabei vernetzt der SFB Forschergruppen aus den Fachbereichen Physik (2), Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften (6), Biologie und Informatik (2) und Medizin (2). Ergänzt wird er durch sieben Gruppen aus dem Max-Planck-Institut (MPI) für Biophysik sowie einer Gruppe der TU Darmstadt. Die enge Verzahnung der Universität Frankfurt mit den Max-Planck-Arbeitskreisen spiegelt sich auch im Neubau des MPI auf dem Campus Riedberg wider, der in wenigen Monaten bezugsfertig ist. Sprecher des SFB ist Professor Dr. Bernd Ludwig, Institut für Biochemie.

Der SFB 628 "Functional Membrane Proteomics" wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft am 28. November 2002 mit einem Fördervolumen von sieben Millionen Euro für zunächst vier Jahre neu eingerichtet. Sprecher dieses neuen Forschungsschwerpunktes ist Prof. Dr. Robert Tampé, Institut für Biochemie.

Die Analyse von Membranproteinen stellt eine der besonderen Herausforderungen der Biowissenschaften und Medizin dar. In der lebenden Zelle sind Membranproteine an vielen grundlegenden Reaktionen beteiligt. So ist jedes dritte menschliche Gen an Membranprozessen, wie der Zell-Zell-Kommunikation, dem Weiterleiten von Signalen, dem Stofftransport und dem Zellaufbau beteiligt und steht daher im Zentrum der Pharmaforschung. Trotz ihrer überaus großen Zahl ist bislang lediglich die Struktur von weniger als dreißig Membranproteinen aus verschiedenen Organismen entschlüsselt worden. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Functional Membrane Proteomics" werden die Funktion und die Struktur unterschiedlicher Gruppen von membranassoziierten Protein-Komplexen und -Netzwerken mit einem breiten Spektrum an biochemischen, biophysikalischen, genetischen und zellbiologischen Techniken sowie der Methodik der Proteom-Analyse erforscht. Die Forscher interessieren sich insbesondere dafür, wie komplexe Membrantransportmaschinerien aufgebaut und wie Proteine in der Membran miteinander kommunizieren und in dynamischen Netzwerken organisiert sind. An diesem Forscherverbund sind Gruppen aus den Fachbereichen Biologie und Informatik (3), Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften (6) und Medizin (3), sowie aus den Max-Planck-Instituten für Biophysik (3) und Hirnforschung (1) beteiligt. Innerhalb des SFB hat die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses einen besonders hohen Stellenwert.

Bereits am 1. Juli 2001 bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Sonderforschungsbereich "RNA-Liganden-Wechselwirkungen", der ebenfalls im Fachbereich Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften angesiedelt ist. Sprecher dieses SFB ist Professor Dr. Joachim Engels, Institut für Organische Chemie.

Nähere Informationen:

Prof. Dr. Bernd Ludwig
Institut für Biochemie
Telefon: 069/798-29237
Fax: 069/798-29244
E-Mail: Ludwig@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Robert Tampé
Institut für Biochemie
Telefon: 069/798-29475
Fax: 069/798-29495
E-Mail: Tampe@em.uni-frankfurt.de

Professor Dr. Joachim W. Engels
Institut für Organische Chemie
Telefon: 069/798-29150
Fax: 069/798-29148
E-Mail: Joachim.Engels@chemie.uni-frankfurt.de

Monika Mölders | idw
Weitere Informationen:
http://www.biochem.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: Biochemie Membran Membranprotein Pharmazeutische Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen
20.09.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

nachricht Molekulare Kraftmesser
20.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik