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Furios und faszinierend: Mikroorganismen sorgen für nachhaltige Umweltentlastung

29.11.2002


Ausstellung "Faszination Biotechnologie" zeigt beispielhaft zehn von bisher 250 geförderten Projekten - DBU förderte Biotechnologie mit 59 Millionen Euro.



Biotechnologie - das klingt für viele noch rätselhaft und fern des alltäglichen Lebens. Die Ausstellung "Faszination Biotechnologie", die heute im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, eröffnet wurde, will mit zehn beispielhaften Projekten aus der Fördertätigkeit der Stiftung diesen Fachbereich Besuchern näher bringen. "In vielen Gebieten unseres Lebens ist Biotechnologie selbstverständlich, so wird seit über 9.000 Jahren Bier mithilfe von Mikroorganismen gebraut", erläuterte Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU, anlässlich der Eröffnung. Neben alltäglichen Anwendungen, die die Ausstellung in ihrem einführenden Teil erläutere, wolle man vor allem die Umweltentlastung verdeutlichen, die durch die moderne Biotechnologie möglich werde. So habe die Firma Inventus Biotec aus Münster (Nordrhein-Westfalen) einen Biosensor entwickelt, mit dem bei Transplantationspatienten die Aktivität der Medikamente in ihrem Blut gemessen werden könne, die eine Abstoßungsreaktion verhinderten. Damit werde das herkömmliche Analyseverfahren sehr viel umweltfreundlicher. Insgesamt habe die DBU 250 Biotechnologie-Projekte mit 59 Millionen Euro gefördert.



Ein Tischlein deck dich, Computeranimationen, interaktive Spiele, Schautafeln - die Bandbreite der Darstellungsformen in der Ausstellung ist groß. Immer wieder kann der Besucher selbst "Hand anlegen", um der Biotechnologie ihre Geheimnisse zu entlocken. So kann der Anteil von Hefezellen in einem Milliliter Bier geschätzt und unter dem Stereoskop Mikroorganismen betrachtet werden, die sich bei großer Hitze oder Kälte sowie in der Umgebung von Unterwasservulkanen am wohlsten fühlen. Mit diesen speziellen Eigenschaften können sie industrielle Prozesse umweltfreundlicher gestalten. So setze man in der Textilverarbeitung hitzeresistente Enzyme ein, um Baumwolle auf natürliche Weise zu bleichen. "Dabei wird die Faser weit weniger angegriffen als bei herkömmlichen Bleichverfahren", hob Brickwedde hervor.

Überprüfen könne dies der Besucher durch Baumwollstränge, die jeweils auf chemische und auf biotechnologische Weise behandelt worden seien.

Doch auch um wertvolle Kulturdenkmäler für nachfolgende Generationen zu erhalten, käme Biotechnologie zum Einsatz. Mittelalterliche Künstler verwendeten das Milcheiweiß Casein, das auch in Quark enthalten ist, als Bindemittel für ihre Farben und trugen damit unter anderem ihre Malereien auf Wände auf. Diese Eigenschaft habe man sich auch in der Neuzeit zunutze machen wollen, um die Gemälde vor Umwelteinflüssen zu schützen. Doch das scheinbar so einfache Wundermittel sei dem Zahn der Zeit nicht gewachsen gewesen: Die Schutzschicht sei aufgeplatzt, habe zum Teil die Farbe der Malereien mitgerissen. "Schimmelpilze und Bakterien fanden hier einen idealen Nährboden", so Brickwedde.

Das Institut für Technische Chemie der Universität Hannover habe ein umweltfreundliches, biotechnologisches Verfahren entwickelt, das das Casein von den Kunstwerken entferne wie einen Eiweißfleck von einem Hemd. Spezielle Schaumstoffkissen, die mit einer Enzymlösung getränkt sind, werden auf die Wandmalereien gedrückt. Sie lösen das Casein auf, die Reststoffe werden mit dem Wasser in die Kissen aufgesaugt. Diese an Restauratoren leicht vermittelbare und durch Handwerker erlernbare Methode ermögliche das Abnehmen wandmalereizerstörender Caseinschichten, reduziere die Gesundheitsbelastung und schone die Umwelt.

Die Biotechnologie biete ein großes Potenzial zur Lösung von Umweltproblemen. Dieses sei jedoch bei weitem noch nicht ausgeschöpft, geschweige denn, dass das Ausmaß der möglichen Entlastung schon abzuschätzen sei. Dabei liege der Vorteil der modernen Biotechnologie nicht nur in einer massiven Umweltentlastung, sondern auch oft in einer Kosteneinsparung. Die Bandbreite der Lösungen sei dabei weit gefasst: Für die Ausstellung habe man die Schwerpunkte Textil, Medizin, Lebensmittel, Bodensanierung, Abwasserreinigung und Kulturgüter herausgegriffen, um hier Beispiele vorzustellen. Konzipiert sei die mit 300.000 Euro finanzierte Ausstellung für Besucher ab der 11. Klasse.

Hinweis: Am Sonntag, 1. Dezember 2002, richtet das Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) einen Tag der offenen Tür aus. Von 10.00 bis 17.00 Uhr haben Besucher die Gelegenheit, in Ruhe durch die Ausstellung zu gehen und die Besonderheiten des innovativen Baus zu entdecken. Für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Franz-Georg Elpers | DBU

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