Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolg in der Tuberkuloseforschung

24.07.2008
Mit einem weit verbreiteten Lebensmittelzusatz lässt sich der Tuberkulose-Erreger so austricksen, dass er gegen das Antibiotikum Ethionamid nicht länger resistent ist.

Forscher am Departement Biosysteme (D-BSSE) der ETH Zürich in Basel haben soeben ihre Arbeit im Fachmagazin PNAS veröffentlicht.

Es ist noch nicht lange her, dass auch in Europa Menschen an Tuberkulose - kurz Tb genannt - erkrankten und starben. Obwohl die Tb viel von ihrem Schrecken verloren hat, gehört die bakterielle Infektionskrankheit in Entwicklungsländern noch immer zum Alltag. Laut der WHO erkrankten 2006 weltweit rund neun Millionen Menschen an Tb und etwa 1,7 Millionen starben gar an der Krankheit.

Repressor und Enzym entscheidend

Das Problem ist, dass der Tb-Erreger, das Mycobacterium tuberculosis, gegen verschiedene Antibiotika resistent ist. Einzig das Antibiotikum Ethionamid wirkt noch. Doch Ethionamid hat gravierende Nachteile: Dieses Mittel schädigt erstens in hohen Dosen die Leber. Zweitens ist ein Enzym (EthA) nötig, das Ethionamid in eine Substanz umwandelt, welche die Tb-Erreger wirksam bekämpfen kann. Wenn sich aber die Tb-erregenden Bakterien einmal in einer Zelle eingenistet haben, produzieren sie selber den Repressor EthR, welcher die Produktion von EthA blockiert. So wird die Wirksamkeit von Ethionamid verhindert.
... mehr zu:
»Antibiotikum »Biosystem »Ethionamid

Martin Fussenegger, Professor für Biotechnologie und Bioingenieurwissenschaften am Departement Biosysteme (D-BSSE) und seinem Team ist es nun gelungen, den Blocker EthR aus dem Verkehr zu ziehen. Dadurch wird Ethionamid nicht nur wirksamer, es könnte auch - so die Vorstellung Fusseneggers - in kleineren Dosen eingesetzt werden und wäre damit für den Patienten besser verträglich.

Lebensmittelzusatz als Enzym-Blocker

Die ETH-Forscher sind überraschend auf eine Substanz gestossen, die sich als EthR-Repressor hervorragend eignet: 2-Phenylethyl-Butyrat. Dieser Aromastoff mit dem komplizierten Namen ist ein alltäglicher Lebensmittelzusatz und in vielen Ländern, darunter den USA, zugelassen. Die Substanz sei weit verbreitet und deshalb auch günstig, sagt Fussenegger. "Natürlich ist es ein Glücksfall, dass wir so rasch auf diesen Stoff gestossen sind, aber es ist der Vorteil der Synthetischen Biologie gewisse Eigenschaften von Substanzen schneller und genauer bestimmen zu können."

Finanzierung noch unklar

Weil 2-Phenylethyl-Butyrat bereits in der Ernährung zugelassen ist, könnte der Stoff schon bald auch am Menschen getestet werden. Fussenegger ist überzeugt, dass die geplanten Tests an Mäusen positiv verlaufen würden. Vorab sucht Fussenegger aber für die klinischen Versuche an Mäusen, die zwischen 800'000 und 900'000 Franken kosten würden, noch einen Geldgeber. Weil die Industrie an Tuberkulose-Medikamenten leider wenig Interesse hat, könnte sich der ETH-Professor auch ein Engagement von privater Seite vorstellen.

Originalbeitrag: Weber et al., A synthetic mammalian gene circuit reveals anti-tuberculosis compounds. Natl. Acad. Sci USA 29: 9994 (2008).

Weitere Informationen:
ETH Zürich
Prof. Dr. Martin Fussenegger
Departement Biosysteme (D-BSSE)
Tel: +41 44 633 34 48
martin.fussenegger@bsse.ethz.ch

Franziska Schmid | idw
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch
http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/080723-tuberkulose/index

Weitere Berichte zu: Antibiotikum Biosystem Ethionamid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie