Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Netz der Leberzirrhose

13.05.2008
Mit systembiologischen Methoden neue Einblicke in den Prozess der Leberzirrhose gewinnen

Wissenschaftler des HepatoSys-Konsortiums, dem Netzwerk für die systembiologische Erforschung der Leberzelle (Hepatozyt), haben neue Einblicke in die Prozesse der Leberzirrhose gewonnen.

Sie stellten fest, dass Hepatozyten ausgelöst durch eine Leberschädigung eine Veränderung durchlaufen und aktiv am Prozess der chronischen Vernarbung des Gewebes beteiligt sind. Die Forscher um Prof. Dr. Steven Dooley, II. Medizinischen Klinik, der Medizinischen Fakultät Mannheim, der Universität Heidelberg, ebnen mit ihren Erkenntnissen den Weg zu neuen Angriffspunkten für die Therapie der bislang unheilbaren Lebererkrankung.

Wissenschaftler des HepatoSys-Konsortiums, dem Netzwerk für die systembiologische Erforschung der Leberzelle (Hepatozyt), haben neue Einblicke in die Prozesse der Leberzirrhose gewonnen. Sie stellten fest, dass Hepatozyten ausgelöst durch eine Leberschädigung eine Veränderung durchlaufen und aktiv am Prozess der chronischen Vernarbung des Gewebes beteiligt sind. Die Forscher um Prof. Dr. Steven Dooley, II. Medizinischen Klinik, der Medizinischen Fakultät Mannheim, der Universität Heidelberg, ebnen mit ihren Erkenntnissen den Weg zu neuen Angriffspunkten für die Therapie der bislang unheilbaren Lebererkrankung.

Die Leber verfügt unter allen Organen des Körpers über die einmalige Fähigkeit, sich nach Schäden sei es durch Verletzungen oder durch Giftstoffe wie Alkohol, bestimmte Medikamente und andere leberschädigende Substanzen vollständig zu regenerieren, sobald die Ursachen eliminiert ist. Alkoholismus oder Infektionen mit Hepatitis B oder C Viren führen jedoch zu einer anhaltenden Störung des Lebergewebes, was dem Regenerationsprozess entgegenwirkt.

Eine wichtige Rolle für den Heilungsprozess, aber auch für den fortschreitenden chronischen Schaden, spielt der Wachstumsfaktor TGF-beta. Nach Schädigung des Organs wird TGF-beta aktiv und stößt Signalübertragungswege an, die letztlich zum Wundschluss führen. Ist der Schaden jedoch chronisch, verwandelt sich der Wachstumsfaktor vom Helfer zum Bösewicht: Seine permanente Aktivierung und der überschießende Heilungsprozess führen zu einer veränderten Architektur des Lebergewebes. Anstelle funktionsfähiger Hepatozyten treten vermehrt fibroblastenähnliche Zellen auf, die sich dem Bindegewebe zuordnen lassen. Außerdem wird verstärkt extrazelluläre Matrix gebildet, eine Art Fugenkitt für die Zellzwischenräume. Das Organ "vernarbt."

"Mit Hilfe der Systembiologie wollten wir herausfinden, welche Rolle die überschießende TGF-beta-Signalwirkung auf den Hepatozyten hat", sagt Dooley, Leiter der Sektion Molekulare Alkoholforschung in der Gastroenterologie der II. Medizinischen Klinik in Mannheim. Dazu wählten er und sein Team einen so genannten Top-down-Ansatz: Sie kultivierten primäre, also frisch isolierte Hepatozyten, stimulierten sie mit TGF-beta und untersuchten dann, welche Gene durch diese Behandlung aktiviert werden. Dabei stellte sich heraus, dass vermehrt solche Gene in Aktion treten, die typisch sind für Fibroblasten. "Die Modellierung der experimentellen Ergebnisse und die anschließende Überprüfung der Vorhersagen bei Versuchstieren zeigte, dass die dauerhafte Wirkung des TGF-beta dazu führt, dass die Hepatozyten selbst ihr typisches Erscheinungsbild verlieren und sich zu fibroblastenähnlichen Zellen verwandeln", erklärt der Naturwissenschaftler.

Die Ergebnisse des Mannheimer HepatoSys-Teams waren überraschend und stellen die Leberzirrhose in ein völlig neues Licht. Bisher gingen Wissenschaftler nämlich davon aus, dass ausschließlich ein anderer Zelltyp der Leber, die hepatischen Sternzellen, sich zu fibroblastenartigem Gewebe verwandeln, während die Hepatozyten absterben. Die neuen Einsichten erlauben es nun, nach neuen Angriffspunkten für die Therapie der Leberzirrhose zu suchen. Die fortschreitende Erkrankung ist bislang unheilbar und führt zum Leberversagen. Als einziger Ausweg bleibt derzeit die Transplantation.

Prof. Steven Dooley spricht am Samstag, 24. Mai, bei der SBMC in Dresden über seine Arbeiten zu TGF-beta-induzierten Signalwegen in Leberzellen. Das vollständige Konferenz-Programm und Online-Registrierung im Internet: www.sbmc08.de

Journalisten sind herzlich eingeladen, an der Konferenz teilzunehmen.

Über die SBMC und HepatoSys
Die zweite Systembiologietagung "Conference on Systems Biology of Mammalian Cells" (SBMC) findet vom 22 bis 24. Mai 2008 in Dresden statt und wird organisiert von HepatoSys, dem deutschen Netzwerk für die systembiologische Erforschung der Leberzelle. HepatoSys wurde im Jahr 2004 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Zusammenarbeit mit dem Projektträger Jülich (PTJ) initiiert. Die Arbeitsgruppen des Verbundes stellen eine fachübergreifende systemische Betrachtung aller Vorgänge innerhalb der Leber mit Fokus auf die Leberzelle (Hepatozyt) an. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ganz verschiedener Disziplinen arbeiten eng zusammen, um die Funktionen des biologischen Systems am Computer zu simulieren. Das Ziel ist eine virtuelle Leberzelle, mit der sich physiologische Prozesse in silico nachvollziehen lassen.

Dr. Ute Heisner | idw
Weitere Informationen:
http://www.sbmc08.de

Weitere Berichte zu: Hepatozyt Leberzelle Leberzirrhose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise