Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alzheimer-Impfung in greifbarer Nähe

10.04.2008
Wiener Biotech-Unternehmen setzt auf Marktreife in wenigen Jahren

Das Wiener Biotech-Unternehmen Affiris will binnen der nächsten fünf bis sechs Jahre eine wirksame und verträgliche Immunisierungsmethode gegen Alzheimer zur Marktreife bringen. Dies teilte das Unternehmen heute, Donnerstag, mit.

Derzeit werden zwei Studien mit Impfstoffen zum Faktor Sicherheit und Verträglichkeit an Patienten mit leichter und mittelschwerer Alzheimer-Erkrankung am Wiener Allgemeinen Krankenhaus und dem Institut für Psychosomatik durchgeführt. "Alle Patienten, die bisher geimpft wurden, haben den Wirkstoff gut vertragen", fasst Universitätsprofessor Achim Schneeberger, Leiter der Klinischen Forschung und Entwicklung bei Affiris, gegenüber pressetext zusammen.

Während die Zahl der an Demenz Erkrankten in Österreich bis 2050 von derzeit 100.000 Betroffenen auf gut 250.000 Fälle steigen werde, wie Andreas Winkler vom Wiener Haus der Barmherzigkeit aufzeigte, stünden demgegenüber nur moderat wirksame Medikamente. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts sei Alzheimer bekannt, es gebe aber erst seit zehn Jahren Medikamente. "Leider wirken die bisherigen Medikamente nur auf die Symptome der Erkrankung, auf die Ursachen können sie nicht einwirken", erklärt der Neurologe Winkler. Zudem sei deren Wirksamkeit nur über einen Zeitraum von eineinhalb bis zwei Jahren nachweisbar. Hier wolle Affiris ansetzen und einen aktiven Impfstoff schaffen, der in den ursächlichen Krankheitsverlauf eingreife, so Schneeberger.

... mehr zu:
»Impfung

Heute gelten die sogenannten Beta-Amyloide, giftige Bruchstücke eines körpereigenen Eiweißes, das auf jeder Gehirnzelle zu finden ist, als wesentliche Ursache der Entstehung von Alzheimer. Im Hirngewebe von Alzheimer-Patienten kämen diese Bruchstücke in großer Zahl vor und bilden Eiweißklumpen, die Amyloid-Plaques. Ein solches Überangebot von Beta-Amyloiden führt zum Absterben von Gehirnzellen und somit zum schleichenden Verlust der Fähigkeit Informationen abspeichern und verarbeiten zu können. Das Vorhaben der Biologen von Affiris ist es, einen Wirkstoff zu entwickeln, der den Beta-Amyloiden synthetisch nachempfunden ist und nach Impfung eine Immunabwehr des Körpers hervorrufen soll - gegen die originären schädlichen Beta-Amyloide. Die Schwierigkeit an diesem Verfahren sei es aber eine solche Substanz herzustellen, die bewirkt, dass ausschließlich die toxischen Eiweiße von den Antikörpern angegriffen und zerstört werden und nicht etwa auch das körpereigene Eiweiß APP, von dem die Beta Amyloide abgespalten werden.

Mittlerweile seien zwei Impfstoffe hergestellt worden und befinden sich seit September 2007 bzw. Ende Februar 2008 in der klinischen Untersuchung. Die Studie zur Sicherheit der Impfstoffe sei deshalb so wichtig, weil bereits vor einigen Jahren das amerikanisch-irische Pharma-Unternehmen Elan/Wyeth http://www.elan.com bei einem Impfstoff-Test an den Nebenwirkungen gescheitert sei. Aufgrund von Gehirnentzündungen hatte die Untersuchung abgebrochen werden müssen. Bei einem Teil der Patienten hatte man jedoch feststellen können, dass die Impfung gewirkt hatte und schützende Antikörper entwickelt wurden. Bei den Impfstoffen von Affiris seien bisher jedoch keine derartigen Nebenwirkungen aufgetreten. "Das Verfahren hat sich bisher als wirksam erwiesen. Es werden bereits Patienten geimpft und die Daten sehen gut aus", sagt Winkler. Ende des Jahres werde man die Studie zur Sicherheit der Wirkstoffe abschließen können und Untersuchungen zur Wirksamkeit beginnen. Bis dahin werde man aber bereits Trends ableiten können. Tests an Mäusen haben bereits positive Resultate ergeben: Die Amyloid-Plaques konnten hier durch den Impfstoff um 70 Prozent reduziert werden. In Hirnleistungstests hätten die Tiere signifikant besser abgeschnitten.

Sollte sich das Medikament als wirksam und in der Großzahl der Fälle als verträglich erweisen, würde man es zur vorbeugenden Behandlung empfehlen, so Schneeberger. Mit den ersten drei bis vier Impfungen - die derzeit in den Studien kontrolliert verabreicht werden - soll eine Immunantwort des Körpers hervorgerufen werden. Dann müsste die Impfung zur Aufrechterhaltung des Schutzes in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. "Das ist allerdings noch Zukunftsmusik", sagte Schneeberger abschließend.

Claudia Misch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.affiris.com
http://www.hdb-wien.at

Weitere Berichte zu: Impfung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie