Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unter Beobachtung: Stammzellen im Gehirn

09.04.2008
VolkswagenStiftung fördert ein außergewöhnliches Forschungsprojekt, das Stammzellen und ihre Verwandlung im Gehirn sichtbar machen soll

Stammzellen sind die Alleskönner unter den Zellen, die sich prinzipiell in jeden Zelltyp verwandeln können. In ihre Fähigkeiten setzen die Mediziner große Hoffnungen. So könnten diese Zellen eines Tages genutzt werden, um Hirnschäden nach einem Schlaganfall zu regenerieren oder andere zerstörte Gewebe zu erneuern.

Doch dazu ist es notwendig zu wissen, wie Stammzellen sich beispielsweise im Gehirn in funktionstüchtige neuronale Zellen verwandeln können. Spezielle Kontrastmittel kombiniert mit molekularen Fertigkeiten und innovativen Bildgebungsverfahren machen es bereits möglich, die Zellen so zu markieren, dass sie unter gewünschten Bedingungen sichtbar werden und ihr Verhalten im intakten Gehirn offenbaren.

Bisher aber waren es nur Momentaufnahmen, die die Forscher festhalten konnten. Nun wollen Professor Dr. Mathias Hoehn vom Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln und Professor Dr. Clemens Löwik vom Medizinischen Zentrum der Universität Leiden in den Niederlanden mit neuesten Methoden die Verwandlung der Stammzellen im zeitlichen Verlauf sichtbar machen. Das ehrgeizige Vorhaben wird von der VolkswagenStiftung mit 560.000 Euro in der Initiative "Offen - für Außergewöhnliches" gefördert.

... mehr zu:
»Neuron »Schlaganfall »Stammzelle

Die Wissenschaftler werden verschiedene bildgebende Verfahren kombinieren und mit dieser Methode des "multimodalen Imaging" den Funktionszustand der Stammzellen über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten. Dabei kommen zum einen jene optischen Verfahren zum Einsatz, bei denen Fluoreszenz oder Bioluminiszenz gemessen wird, zum anderen die Magnetresonanztomographie, mit der Professor Hoehn als erster die Wanderung transplantierter Stammzellen im Gehirn sichtbar machen konnte.

Um Veränderungen in vivo, also im lebenden Organismus, von außen beobachten zu können, müssen die Stammzellen dabei zunächst so manipuliert werden, dass sie ihr eigenes bildgebendes Signal in Abhängigkeit von ihrer Funktion erzeugen. Dazu müssen die Forscher "Reporter-Konstrukte oder -Gene" entwickeln, die bei einer bestimmten Funktionalität ihr eigenes Kontrastmittel herstellen. Das molekularbiologische Know-how bringt die Leidener Arbeitsgruppe um Professor Clemens Löwik ein.

Die markierten Stammzellen werden in das Gehirn von Ratten implantiert, die dort typische Gewebezerstörungen nach einem Schlaganfall aufweisen - sogenannte Läsionen. Mit den kombinierten Methoden wollen die Wissenschaftler anschließend beobachten, wie die Stammzellen sich im Gehirn verhalten: wie sie wandern und sich in neuronale Zellen verwandeln. Zur Analyse früher neuronaler Differenzierung beziehungsweise reifer Neuronen sollen jeweils spezifische Reporterkonstrukte eingesetzt werden.

Im nächsten Schritt prüfen die Forscher dann, in welchem Maße die implantierten Stammzellen auch zur Bildung eines neuen Netzwerkes von Nervenzellen beitragen. Eine funktionelle Verbesserung von zerstörtem Gehirngewebe könnte davon abhängen, ob implantierte Zellen mit den vorhandenen Neuronen in Kontakt treten.

Gelingt es den Forschern aus Köln und Leiden, eine sichere Methode zu etablieren, mit deren Hilfe das Schicksal von Stammzellen nach einer Implantation im Hirngewebe - also in vivo - beurteilt werden kann, eröffnen sich zahlreiche medizinische Einsatzmöglichkeiten. Neben Schädigungen des Gehirns nach einem Schlaganfall und anderen neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson könnte das Verfahren außerdem für Erkrankungen anderer Organsysteme wichtig sein, bei denen Stammzell-ähnliche Vorläuferzellen involviert sind. Dies gilt beispielsweise auch für Krebserkrankungen.

Die VolkswagenStiftung fördert das Projekt in ihrer Rubrik "Offen - für Außergewöhnliches", da der Forschungsansatz in jeder Hinsicht innovativ ist und es sich sowohl bei dem Gebiet der multimodalen Bildgebung als auch bei der neuronalen Stammzellforschung um hochaktuelle Forschungsfelder handelt.

Weitere Auskünfte und Kontakt:

Max-Planck-Institut für neurologische Forschung
Köln
Prof. Dr. Mathias Hoehn
Telefon: 0221 4726315
E-Mail: mathias@nf.mpg.de
Universität Leiden
Medizinisches Zentrum
Prof. Dr. Clemens Löwik
Telefon: +31715263075/-234
E-Mail: c.w.g.m.lowik@lumc.nl
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20080409

Weitere Berichte zu: Neuron Schlaganfall Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie