Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entfernte Verwandte: Erster Nachweis von Coronaviren in europäischen Fledermäusen

19.03.2008
Einem Wissenschaftlerteam aus Biologen und Medizinern des Noctalis - Fledermaus-Zentrums Bad Segeberg, des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Hamburg, und des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Bonn ist es gelungen, erstmals Coronaviren in europäischen Fledermäusen nachzuweisen.

Die jetzt in der renommierten Zeitschrift Emerging Infectious Diseases (Vol. 14, No 4, April 2008) publizierten Ergebnisse belegen, dass offenbar auch außerhalb von China Coronaviren in Fledermäusen vorkommen.

Für das SARS-Coronavirus, den Erreger von SARS, ist ein Ursprung in chinesischen Fledermäusen sehr wahrscheinlich. Die nun in Deutschland gefundenen Viren sind mit dem gefährlichen SARS-Erreger nur entfernt verwandt.

Im vergangenen Sommer wurden bei Untersuchungen im Raum Bad Segeberg 315 Fledermäuse von sieben verschiedenen Arten auf das Vorkommen von Coronaviren im Kot getestet. Dabei wurden bei knapp 10 Prozent der Tiere Gruppe I-Coronaviren nachgewiesen (der Erreger von SARS ist ein Gruppe II-Coronavirus). Die jetzt veröffentlichte Studie liefert erstmalig Hinweise darauf, wie sich die Viren in den Fledermäusen halten und verteilen. Ohne dass die Tiere an offensichtlichen Symptomen leiden, scheint das Virus sich eher bei Jungtieren zu verbreiten, beispielsweise wie Erkältungsviren beim Menschen.

... mehr zu:
»Coronavire »Epidemie »SARS »Virologie »Virus

Dieses Ergebnis erbrachte die systematische Untersuchung verschiedener Altersklassen der Fledermäuse, wobei die höchsten Viruslasten bei Jungtieren und den dazugehörigen Muttertieren in den untersuchten Wochenstubenkolonien nachgewiesen wurden. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die in Schleswig-Holstein nachgewiesenen Viren in irgendeiner Form für den Menschen gefährlich sein könnten.

"In dieser Studie hat sich sehr deutlich gezeigt, wie wichtig die fächerübergreifende Kooperation zwischen medizinischen Virologen und Ökologen ist", sagte Prof. Dr. med. Christian Drosten, Leiter der Studie und des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Drosten koordiniert ein Verbundprojekt zum Thema "Ökologie und Pathogenese von SARS", welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

Die Untersuchung der Ökologie von Coronaviren soll dazu beitragen, das Risiko erneuter Epidemien zu bewerten und langfristig vielleicht auch die Viren in ihrem natürlichen Wirtstier einzudämmen. Dies ist eine zentrale Problematik in der Erforschung von Zoonosen (= Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen und dort regelhaft Epidemien hervorrufen).

Coronaviren (Coronaviridae) sind eine seit langem bekannte Virusfamilie. Die Bedeutung von Coronavirus-Infektionen beim Menschen hat sich durch das Auftauchen des SARS-Coronavirus dramatisch erhöht. Dennoch sind die meisten Coronaviren für den Menschen relativ ungefährlich. Sie sind z.B. verantwortlich für Erkältungskrankheiten mit leichtem Fieber, Schnupfen, Husten und Halsschmerzen. Selbst klinisch gesunde Menschen können mit dem Stuhl eine große Anzahl dieser Viren ausscheiden. Wirklich gefährlich für den Menschen sind die SARS - Coronaviren. Diese haben sehr wahrscheinlich durch Mutation die Speziesbarriere Fledermaus - Mensch durchbrochen und sind für eine meist tödliche Lungenerkrankung beim Menschen verantwortlich. Auch in der Veterinär-Medizin spielen Coronaviren eine wichtige Rolle. Sie lösen bei Schweinen, Katzen, Rindern und Hunden schwere Magen- und Darm-Infekte, Entzündungen des Bauchfells und Lungenentzündungen aus. Vögel und Hühner erkranken durch Coronaviren an Bronchitis.

Kontakt:

Dipl. Biol. Florian Gloza-Rausch, Dr. Anne Ipsen
Fledermaus-Zentrum GmbH
Telefon: 04551/8082-10
E-Mail: gloza-rausch@noctalis.de, ipsen@noctalis.de
Professor Dr. med. Christian Drosten
Institut für Virologie
Universitätsklinikum Bonn
Tel.: 0228/287-11055
E-Mail: drosten@virology-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Coronavire Epidemie SARS Virologie Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

nachricht Virologen der Saar-Uni entdecken neuen Mechanismus, der die Hautkrebs-Entstehung begünstigt
23.06.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Form eine Funktion verleihen

23.06.2017 | Informationstechnologie

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms

23.06.2017 | Förderungen Preise