Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Forscher endecken Muskelbefestigungs-Gen

11.03.2008
"Wech" kontrolliert Zusammenhalt von Zellen

Einem Forschungsteam der Bonner Universität ist es gelungen, in der Fruchtfliege und in Säugetieren ein Gen zu identifizieren, das für die Befestigung von Muskeln im Körper verantwortlich ist. Mutationen des Gens führen zum völligen Verlust der Muskelverankerung wodurch die Körpermuskeln keine Zugkraft entwickeln können, sich abrunden und letztlich degenerieren. In ähnlicher Form existiert das Gen auch beim Menschen, berichten die Forscher um den Entwicklungsbiologen Michael Hoch in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Cell Biology.

Die Wissenschaftler haben dem Gen, das in der Fruchtfliege und im Menschen in nur einer Kopie vorkommt, den Namen "Wech" gegeben. Der Funktionsverlust könne möglicherweise neben Muskeldefekten auch schwerste Hauterkrankungen und Metastasierung und Tumorbildung zur Folge haben, berichten die Forscher. Wie wichtig dieses Gen eigentlich ist, schildern die Forscher anhand von Versuchen mit dem Modellorganismus, der Fruchtfliege Drosophila. "Wenn wir das Gen in der Fruchtfliege ausschalten, wird die Fliegenmuskulatur nicht mehr an der Körperwand befestigt und die Tiere sterben noch im Embryonalstadium, da sich die gesamte Körpermuskulatur ablöst und letztendlich degeneriert", erklärt Hoch. Höhere Organismen können nämlich nur dann funktionieren, wenn ihre Bausteine - das sind die Zellen - geordnete Verbünde bilden. Wech spielt dabei offensichtlich eine wesentliche Rolle, da es dafür sorgt, dass Zellen sich auf Oberflächen oder an anderen Zellen festhalten können.

Hoch konnte gemeinsam mit dem Forscherkollegen Waldemar Kolanus nachweisen, dass das Gen auch in Mäusen vorkommt und dort ebenfalls in der Körpermuskulatur aktiv ist. Schließlich ist es dem Forscherteam in Untersuchungen gelungen, das Gen auch beim Menschen zu identifizieren. Dabei stießen sie auf eine weitere Besonderheit: Wech hat sich seit mehreren hundert Millionen Jahren kaum verändert. Dass es Gene gibt, die sowohl in der Fruchtfliege als auch in ähnlicher Form beim Menschen vorkommen, ist nichts Außergewöhnliches. Häufig ist es aber so, dass sich Erbanlagen im Laufe der Evolution vervielfachen und aus einem einzigen Fliegen-Gen beim Menschen eine ganze Genfamilie, deren Mitglieder mit der Zeit völlig verschiedene Aufgaben übernehmen können, entstehen. "Bei dem Wech-Gen ist das anders", erklärt Hoch. Es komme sowohl bei der Maus als auch beim Menschen nur in einer einzigen Kopie vor. "Das macht es wahrscheinlich, dass es bei Säugetieren dieselbe Funktion übernimmt wie in der Fruchtfliege."

Nun wollen die Forscher, die sich seit einigen Jahren zum Bonner Life & Medical Sciences Institut LIMES zusammengeschlossen haben, gemeinsam mit dem Humanmediziner Joachim Schultze untersuchen, welche Rolle Wech bei der Entstehung von menschlichen Muskel- und Hauterkrankungen sowie bei Krebs spielt. Ein Beispiel ist die Hautkrankheit Epidermolysis bullosa. Bei dieser ist die Verankerung zwischen den Hautschichten unzureichend ausgebildet. Folge sind großflächige schlecht heilende Wunden, die tödlich enden können. "Aber auch in vielen Tumoren ist die Zellhaftung gestört. Daher können sich einzelne Krebszellen aus der Geschwulst lösen und an anderen Stellen im Körper Metastasen bilden", erklärt Hoch. Das neu entdeckte Wech-Gen könnte hier ein Schlüsselregulator sein.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www.limes-bonn.de

Weitere Berichte zu: Fruchtfliege Gen Hauterkrankung Säugetiere

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics