Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zell-Recycling schützt Tumorzellen vor der Therapie

05.03.2008
Autophagie oder "Selbstverzehr" ist ein Vorgang, bei dem Zellen eigene Bestandteile abbauen. In Tumorzellen wird dieser Mechanismus häufig durch eine Krebstherapie angekurbelt.

Weshalb die Zellen in diesem Fall den Selbstverzehr aktivieren, ist bisher nicht geklärt. Jetzt konnten Forscher im Deutschen Krebsforschungszentrum zeigen, dass die Blockade des Selbstverzehrs die Krebszellen anfälliger für eine Strahlentherapie macht.

Zellen besitzen ihr eigenes Recycling-System: Ausrangierte Zellbestandteile, von einzelnen Eiweißen bis hin zu ganzen Zellorganen, werden abgebaut und die Bausteine an anderer Stelle wieder verwendet. Wissenschaftler bezeichnen dieses Recycling als Autophagie, zu deutsch "Selbstverzehr". In stark beschädigten Zellen kann der Selbstverzehr auch eine Form des programmierten Zelltodes darstellen. Dann nutzt die Zelle den Mechanismus, um sich vollständig aufzulösen.

Auch Krebszellen bedienen sich der Autophagie - besonders stark nach einer Bestrahlung oder Chemotherapie. Unklar ist jedoch, weshalb der Selbstverzehr in diesem Zusammenhang aktiviert wird. Möglicherweise trägt der Vorgang zum Absterben der behandelten Tumorzellen bei. Der Selbstverzehr könnte aber auch einen Versuch der Zellen darstellen, ihr Überleben zu retten. "Die Autophagie wird auch gezielt eingeschaltet, beispielsweise wenn die Zelle zu wenig Nährstoffe zur Verfügung hat", erklärt Professor Ingrid Herr, Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulare Onkochirurgie des Deutschen Krebsforschungszentrums.

... mehr zu:
»Autophagie »Krebszelle »Tumorzelle

Gemeinsam mit Dr. Anja Apel und Wissenschaftlern der Universität Tübingen hat Ingrid Herr die Rolle der Autophagie bei der Behandlung von Krebs untersucht. Dafür schalteten die Forscher in den Tumorzellen eine Reihe von Genen aus, die für die Autophagie essentiell sind. Anschließend bestrahlten sie die Zellen und ermittelten, wie viele der Zellen die Behandlung überlebten. Sie stellten fest, dass Zellen, die zuvor nahezu strahlenresistent waren, durch die Blockade des Selbstverzehrs anfälliger für die Bestrahlung wurden.

Krebszellen, die bereits vorher gut auf die Bestrahlung ansprachen, wurden nicht beeinflusst. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die besonders aggressiven Krebszellen die Autophagie benutzen, um einer Tumortherapie widerstehen zu können. Die Forscher in Heidelberg wollen jetzt prüfen, ob eine Blockade des Recycling-Systems sich eignet, um Krebstherapien zu unterstützen.

Anja Apel, Ingrid Herr, Heinz Schwarz, H. Peter Rodemann, Andreas Mayer. Blocked autophagy sensitizes resistant carcinoma cells to radiation therapy. Cancer Research 2008

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Autophagie Krebszelle Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Proteine zueinander finden
21.02.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen
21.02.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten