Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Programmierung von embryonalen Stammzellen - Chancen für regenerative Medizin

28.02.2008
Die Stammzellforschung ist sehr umstritten - gleichzeitig aber eines der zukunftsträchtigsten Felder der Wissenschaft.

Viele große Volkserkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus oder Herzinfarkte, aber auch Unfälle haben die Zerstörung von Gewebe oder ganzer Organe zur Folge.

Für die betroffenen Patienten stehen jedoch bis heute nicht genügend Spenderorgane zur Verfügung, weshalb große Hoffnungen auf der regenerativen Medizin durch Stammzellen liegen. An der Medizinischen Klinik und Poliklinik I der Universität München konzentriert sich die Arbeitsgruppe um Professor Wolfgang-Michael Franz auf die Entwicklung von Stammzelltherapien bei Herzerkrankungen.

Den Forschern ist es erstmalig gelungen, grundlegende Prozesse der Herzentwicklung auf molekularer Ebene zu entschlüsseln und dies für eine vermehrte Bildung von schlagenden Herzmuskelzellen aus embryonalen Stammzellen zu nutzen. Die Ergebnisse der Wissenschaftler wurden in der aktuellen Ausgabe von "Nature Cell Biology" veröffentlicht.

Die Entschlüsselung dieser Prozesse der Herzentwicklung auf molekularer Ebene wurde durch Programmierung von pluripotenten Stammzellen mit einem herzspezifischen Protein ermöglicht. Pluripotente, also "zu vielem fähige" Stammzellen finden sich im so genannten Blastozysten-Stadium der Embryonenentwicklung spätestens drei Tage nach der Befruchtung, wenn sich die Zellen bereits relativ stark spezialisiert haben. Ihre Besonderheit: Im Gegensatz zu totipotenten ("zu allem fähigen") Stammzellen im 8-Zell-Stadium können sich aus pluripotenten Zellen zwar alle Zellarten wie beispielsweise Muskelgewebe oder Nerven, jedoch kein vollständiger Organismus mehr entwickeln - eine wichtige Komponente in der derzeitigen Diskussion um embryonale Stammzellen.

Die Forschungsergebnisse der Großhaderner Forschergruppe um Professor Wolfgang-Michael Franz stellen einen Meilenstein für das Verständnis der Programmierung von Stammzellen zu Herzmuskelzellen dar. "Damit in Zukunft auch Patienten von dieser bedeutenden Entwicklung profitieren können, müssen die Ergebnisse auf so genannte saubere Zelllinien übertragen werden, die nur aus dem Ausland bezogen werden können. Gleichzeitig könnten solche Zellen auch für die Erprobung von Medikamenten eingesetzt werden. Beides setzt jedoch eine Liberalisierung der Stichtagsregelung des deutschen Stammzellgesetzes voraus", sagt Professor Franz. Die so genannte Stichtagsregelung betrifft die Forschungsarbeit mit Zellen, die im Ausland aus überzähligen Embryonen vor dem 1. Januar 2002 hergestellt wurden.

Publikation:
"MesP1 drives vertebrate cardiovascular differentiation through Dkk-1-mediated blockade of Wnt-signalling",
R. David, C. Brenner, J. Stieber, F. Schwarz, S. Brunner, M. Vollmer, E. Mentele, J. Müller-Höcker, S. Kitajima, H. Lickert, R. Rupp and W.-M. Franz
"Nature Cell Biology", online seit 24. Februar 2008
doi: 10.1038/ncb1696
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Wolfgang-M. Franz
Medizinische Klinik und Poliklinik I
(Direktor: Prof. Dr. med. Gerhard Steinbeck)
Klinikum der Universität München - Großhadern
Tel.: 089/7095-3094
E-Mail: wolfgang.franz@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Berichte zu: Herzentwicklung Herzmuskelzelle Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise