Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beeinflusst der Schadstoff Stickstoffmonoxid guten Radioempfang?

15.01.2010
Göttinger Wissenschaftler diskutieren neue Forschungsergebnisse zur Chemie der Ionosphäre

Funkverkehr und Radioempfang auf der Erde wären nicht denkbar ohne die Ionosphäre in etwa 70 bis 90 Kilometern Höhe: Aufgrund der intensiven kurzwelligen Sonnenstrahlung bilden sich hier verstärkt ionisierte, also elektrisch geladene Teilchen. Die Schicht wirkt dadurch für Radiowellen wie ein Reflektor und ermöglicht so deren Ausbreitung auf der Erde.

Verändert sich die Ladungsverteilung in der Ionosphäre, kann es zu Störungen im Funkverkehr kommen. Amerikanische Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass ionisiertes Stickstoffmonoxid in einer ganz bestimmten Anordnung von Wassermolekülen im Labor durch chemische Reaktion sehr effizient neue, positiv geladene Wasseraggregate erzeugen kann. Könnte dies eine Schlüsselreaktion der Ionosphäre sein, die die Ladung dort maßgeblich beeinflusst?

Ihre Ergebnisse, die grundlegende neue Erkenntnisse über die Chemie der Ionosphäre liefern könnten, erscheinen am 15. Januar 2010 in der renommierten Fachzeitschrift "Science". In einem "Perspectives"-Artikel in derselben Ausgabe würdigen, kommentieren und diskutieren die Göttinger Chemiker Prof. Dr. Bernd Abel und Katrin Siefermann die Ergebnisse ihrer amerikanischen Kollegen. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass Ergebnisse aus Experimenten der Grundlagenforschung oft nicht direkt auf die chemischen Vorgänge in der Atmosphäre übertragbar sind.

Um herauszufinden, wie ionisiertes Stickstoffmonoxid mit einer unterschiedlichen Anzahl von Wassermolekülen reagiert, haben die amerikanischen Wissenschaftler die Temperatur der "Wassernetzwerke" im Labor auf unter fünf Kelvin gesenkt und diese mit Hilfe der Infrarot-Spektroskopie untersucht. "Die Ergebnisse könnten helfen, eine zentrale Reaktion in der Ionosphäre zu verstehen. Ob die Reaktion tatsächlich die Ladungszusammensetzung der Atmosphäre beeinflusst und somit spürbar für den Menschen auf der Erde ist, muss jedoch noch von weiteren Untersuchungen bestätigt werden. Es ist noch unklar, ob die speziellen Anordnungen der Wassernetzwerke um das ionsierte Stickstoffmonoxid unter realen Atmosphärenbedingungen von 200 Kelvin und höherem Druck ihre Struktur behalten und wie der genaue Mechanismus der Reaktion verläuft", so Prof. Abel.

Prof. Dr. Bernd Abel ist Mitglied der Graduiertenschule für Neurowissenschaften und Molekulare Biowissenschaften sowie Principal Investigator des Courant Forschungszentrums "Nanospektroskopie und Röntgenbildgebung" der Universität Göttingen. Beide Einrichtungen werden im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert. Seit 2008 ist er außerdem Professor für Physikalische Chemie und Reaktionsdynamik an der Universität Leipzig. Katrin Siefermann ist Mitglied des Graduiertenkollegs 782 am Institut für Physikalische Chemie der Universität Göttingen.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Bernd Abel und Katrin Siefermann
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Chemie
Institut für Physikalische Chemie
Tammanstraße 6, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-3106, Fax (0551) 39-3150
E-Mail: babel@gwdg.de und ksiefer@gwdg.de

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.chemie.uni-goettingen.de
http://www.pc-uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie