Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aggressives männliches Paarungsverhalten kann Art gefährden

16.05.2011
Aggressives männliches Paarungsverhalten mag für das Individuum eine erfolgreiche Fortpflanzungsstrategie sein, kann aber zum Aussterben der Art führen. Dies weist eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung des Evolutionsbiologen Daniel Rankin von der Universität Zürich in einem mathematischen Modell nach.

Ob das Verhalten des Individuums in der Lage ist, Prozesse auf der Ebene der Population oder der Art zu beeinflussen – über diese Frage wird in der Evolutionsbiologie seit langem debattiert. Kontrovers beurteilt wird speziell die Möglichkeit der Selektion auf Artenebene.

Eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung von Daniel Rankin, Evolutionsbiologe an der Universität Zürich, weist nun mit Hilfe eines mathematischen Modells nach, dass aggressives männliches Sexualverhalten nicht nur das einzelne Weibchen schädigt, sondern ganze Populationen zum Aussterben bringen kann. Die kürzlich in der Fachzeitschrift «The American Naturalist» publizierte Forschungsarbeit wurde dank Mitteln des Schweizerischen Nationalfonds ermöglicht.

Für ihre Studie orientieren sich die Wissenschaftler am extremen Sexualkonflikt von Samenkäfern. Sie gelten in der Landwirtschaft als Schädlinge. Männliche Samenkäfer haben mit Stacheln bewehrte Genitalien, mit denen sie es dem Weibchen verunmöglichen, einen unerwünschten Sexualpartner abzuschütteln. Die aggressiven Männchen haben eine höhere Fortpflanzungsrate, da sie sich gegenüber weniger aggressiven Männchen besser durchsetzen, verletzen aber die Weibchen bei der Paarung. Die Forscher zeigen nun, dass der höhere Paarungserfolg von aggressiven Männchen dazu führen kann, dass Männchen einer Art generell aggressiver werden. Die Aggressionsspirale hat dramatische Konsequenzen für die Population bzw. die Art: Bei der Paarung werden mehr Weibchen verletzt und sterben als Folge der Verletzungen. Dies führt dazu, dass Weibchen als Ressource für die Männchen immer seltener werden und die Art letztlich ausstirbt. Individualinteressen und Interessen der Population stehen im vorliegenden Fall in scharfem Gegensatz zueinander.

In der Ökonomie werden sich so zuwiderlaufende Individual- und Gruppeninteressen als Prinzip der «Tragik des Allgemeinguts» bezeichnet. Dieses Prinzip beschreibt die Übernutzung von Kollektivgütern und dient u.a. zur Beschreibung von menschlichen Dilemmas im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung und Klimawandel. In der Natur wird die «Tragik des Allgemeinguts» dadurch limitiert, dass aggressives Verhalten für das Individuum zu kostspielig ist. Dies erklärt auch, weshalb Sexualkonflikte in der untersuchten Schärfe nicht überall beobachtet werden können. Arten mit einer zu hohen Verletzungsrate bei der Fortpflanzung haben sich im Lauf der Evolution selbst zum Aussterben gebracht. Im untersuchten Fall besteht die weibliche Gegentaktik darin, aggressive Männchen zu meiden.

«In der Natur gibt es viele Beispiele für Tragiken des Allgemeinguts», erläutert Daniel Rankin. Er meint, dass das Verständnis, wie die Natur die «Tragik des Allgemeinguts» löst, auch die Strategien zum Lösen von menschlichen Problemen inspirieren könnte.

Literatur:
Daniel J. Rankin, Ulf Dieckmann and Hanna Kokko: Sexual conflict and the tragedy of the commons. In: The American Naturalist. Vol 177, June 2011. http://www.zora.uzh.ch/42049/
Kontakt:
Dr. Daniel J. Rankin
Universität Zürich
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften,
Tel. + 41 44 635 61 48
Mob +41 78 648 99 05
E-Mail daniel.rankin@ieu.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften