Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intelligente Materialien und Forschende mit Unternehmergeist

19.03.2015

Gezielte Medikamentenverabreichung, medizinische Geräte und neue elektronische Komponenten: Das Nationale Forschungsprogramm „Intelligente Materialien“ (NFP 62) befasste sich in den letzten fünf Jahren mit dem Potenzial einer neuen Generation von Materialien, die auf externe Einflüsse reagieren.

Dreiundzwanzig Industriekooperationen, zwölf Patente und zwei Start-ups: Dem NFP „Intelligente Materialien“ ist es gelungen, den Unternehmergeist von in der Grundlagenforschung tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu wecken.


Zum ersten Mal arbeitete der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einem Forschungsprogramm offiziell mit der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) zusammen, um Forschende zu ermutigen, ihre Entdeckungen aus den Labors hinauszutragen und konkrete Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die in den vergangenen fünf Jahren gemachten Erfahrungen werden in neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen einfliessen, um den Technologietransfer zu beschleunigen.

Insbesondere medizinische Anwendungen

In den 21 Projekten des Programms wurden neue Arten von intelligenten Materialien entwickelt – und eingesetzt. Diese ändern ihre Eigenschaften je nach äusseren Einflüssen. Sie werden beispielsweise durch Erwärmung porös, ändern ihre Form durch Beleuchtung oder verdrehen sich zu einer Spirale, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen.

Eine Reihe von Projekten beschäftigte sich mit möglichen industriellen Anwendungen, die von Geräten zur Energiegewinnung bis hin zu neuartigen elektronischer Komponenten reichten (siehe auch „Highlights aus den Projekten“).

Bei der Mehrzahl der eingereichten Forschungsprojekte ging es um medizinische Anwendungen, insbesondere um die gezielte Verabreichung von Medikamenten. Dabei werden therapeutische Wirkstoffe exakt am gewählten Ort und zum gewählten Zeitpunkt freigesetzt. Das hat den Vorteil, dass die notwendigen Dosierungen und damit auch die Nebenwirkungen merklich reduziert werden können. Andere Forschende entwickelten neue medizinische Geräte wie einen Blutzuckersensor für Frühgeborene oder elastische Metallimplantate als Knochenersatz.

„Wir waren überrascht über die vielen guten Projektanträge aus der Medizintechnik“, so Louis Schlapbach, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 62. „Intelligente Materialien haben ein grosses Potenzial in diversen Disziplinen. Es ist faszinierend, dass niemand voraussagen kann, wohin uns die Wissenschaft führt. Rückblickend können wir sagen, dass sowohl KMU als auch grössere Unternehmen aus der Medizintechnik sehr offen sind für originelle Ansätze aus der Grundlagenforschung.“

Ein Rezept für Innovationen

Das NFP 62 war das erste offizielle Kooperationsprogramm von SNF und KTI. Ziel der Zusammenarbeit war die Förderung des Technologietransfers. „Wir wollten das richtige Umfeld schaffen, um Forschende zu ermutigen, von Anfang an über mögliche Anwendungen nachzudenken“, so Louis Schlapbach

Experten der KTI mit engen Beziehungen zur Industrie waren in die Leitungsgruppe des Programms eingebunden. Schulungen und Netzwerk-Veranstaltungen unterstützten junge Forschende darin, über das Anwendungspotenzial ihrer Entdeckungen nachzudenken und machten sie mit unternehmerischen Aspekten wie geistiges Eigentum oder Start-up-Gründung vertraut.

In der zweiten Programmphase finanzierte der SNF elf von der Leitungsgruppe ausgewählte Projekte (von ursprünglich 21), die sowohl aus wissenschaftlicher Sicht als auch bezüglich Aufbau von Industriekontakten bereits gut fortgeschritten waren. Mindestens sieben dieser Projekte werden nach dem Abschluss des NFP 62 als KTI-Projekte weiterlaufen.

„Der Fokus des NFP 62 auf Wissens- und Technologietransfer kam den jungen Forschenden in meinem Team sehr zugute“, betont Dominique Pioletti von der EPFL, der ein System für die gezielte Medikamentenverabreichung in geschädigten Knieknorpeln entwickelte. „Was mich in der Wissenschaft antreibt, ist die Möglichkeit, meine Forschung direkt in etwas Nützliches zu überführen. Anderen zu helfen, kann eine unglaubliche Motivation darstellen“, ergänzt Martin Wolf vom Universitätsspital Zürich. Er entwickelte einen tragbaren Blutzuckersensor für Frühgeborene.

Auf Grundlage der Erfahrungen aus dem NFP 62 entwickeln SNF und KTI nun gemeinsam neue Instrumente, welche die Lücke zwischen den Resultaten der Grundlagenforschung und ausgereiften Prototypen schliessen und damit das Innovationsvermögen der Schweiz stimulieren sollen.

Nationales Forschungsprogramm „Intelligente Materialien“

Das NFP 62 startete 2010 mit einem Budget von 11 Millionen Franken und dem Ziel der Förderung von Forschungsvorhaben aus dem Bereich intelligenter Materialien. Diese neue Generation von Materialien ist in der Lage, die (z. B. mechanischen, thermischen, elektrischen oder magnetischen) Eigenschaften je nach äusseren Einflüssen zu verändern. Ihre Anpassungsfähigkeit ist für Anwendungen in vielen Bereichen interessant: von der Medizin bis hin zu elektronischen Sensoren und Energieeffizienz.

Eine zweite Zielsetzung des Programms bestand in der Förderung des Technologietransfers zwischen Resultaten der Grundlagenforschung und Prototypen, die so weit entwickelt sind, dass sie sich für eine Anwendung in Industrie oder Medizin eignen. Es war das erste Nationale Forschungsprogramm des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), das in Zusammenarbeit mit der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) durchgeführt wurde.

NFP 62 in Zahlen:

- 174 wissenschaftliche Publikationen
- 79 Doktoranden und Postdocs
- 73 Industriekontakte
- 23 Industriekooperationen
- 21 Projekte
- 14 Videos
- 12 Patente
- 7 KTI-Projekte
- 2 Start-ups

Abschlussveranstaltung NFP 62: Bern, 19. März 2015

Am 19. März 2015 treffen sich bei der Abschlussveranstaltung des NFP 62 in Bern Forschende des Programms und hochrangige Redner: Mauro Dell’Ambrogio (Staatssekretär für Bildung, Forschung und Innovation), Walter Steinlin (Präsident der KTI), Martin Vetterli (Präsident des Forschungsrats des SNF) und Louis Schlapbach (Präsident der Leitungsgruppe des NFP 62). www.nfp62.ch

Weitere Informationen

Highlights aus den Projekten des NFP 62: http://www.snf.ch/docs/projecthighlights_d.pdf

Kontakt

Louis Schlapbach
Präsident der Leitungsgruppe des NFP 62
Tel.: 079 337 33 60
E-Mail: louis.schlapbach@emeritus.ethz.ch

Daniel Saraga
Leiter Wissenschaftskommunikation
Schweizerischer Nationalfonds
Wildhainweg 3
CH-3001 Bern
Tel.: 076 465 21 72
E-Mail: daniel.saraga@snf.ch

Der Text dieser Medienmitteilung und ein Downloadbild stehen auf der Website des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung: http://www.snsf.ch > Fokus Forschung > Medien > Medienmitteilungen

Weitere Informationen:

http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-150319-medienmitteilung...

Daniel Saraga | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten