Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hochschulpakt 2020 Phase I – eine gelungene Generalprobe

26.11.2010
Die aktuell veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigen, was sich bereits im letzten Jahr angekündigt hat: Der Hochschulpakt 2020 hat sich in seiner ersten Phase (2007–2010) als Instrument von Bund und Ländern bewährt, der steigenden Studiennachfrage nachzukommen.

1. Der bundesweite Anstieg der Studienanfängerzahlen fiel mit insgesamt 187.000 zusätzlichen Studienanfänger(innen) gegenüber 2005 deutlich höher aus als im Hochschulpakt anvisiert (plus 91.370). Damit haben sich die vorsichtigen CHE-Vorausberechnungen als durchaus belastbar erwiesen, die ein Plus von mindestens 140.000 Studienanfänger(innen) prognostiziert haben. Hinter der politischen „Übererfüllung“ des Planungssolls verbirgt sich jedoch im besten Falle nur eine Erfüllung – nämlich dass alle Studieninteressierten einen Studienplatz gefunden haben.

2. Der Hochschulpakt hat in seiner ersten Phase 85 Mio. € für die ostdeutschen Länder bereitgestellt, um die durch die demographischen Entwicklungen frei werdenden Studienplätze durch die erhöhte Nachfrage aus den westdeutschen Ländern aufzufüllen. Diese Maßnahme war ein voller Erfolg. Tatsächlich verzeichneten die ostdeutschen Länder statt einer geplanten schwarzen Null ein deutliches Plus von insgesamt 25.000 zusätzlichen Studienanfänger(innen) (gegenüber 2005), womit auf sie 13% des bundesweiten Aufwuchses entfällt.

3. Nicht nur die Summe der Studienanfänger(innen) ist in den letzten Jahren gestiegen, sondern auch die Anzahl der Professor(innen) an deutschen Hochschulen. Nach einem historischen Tief in 2006 (37.700) waren 2009 etwa 2.100 Hochschullehrer mehr eingestellt. Der personelle Ausbau konnte jedoch nicht mit der gestiegenen Studiennachfrage mithalten, so dass sich das Betreuungsverhältnis (Studienanfänger(in) je Professor(in)) im gleichen Zeitraum von 9,2 auf 10,7 verschlechterte. Mit Blick auf die weitere Gestaltung des Studienplatzausbaus ergibt sich daraus die Forderung, dass es zwischen der Zulassung von mehr Studienanfänger(innen) und der Betreuungsqualität keinen Trade-Off geben darf.

Diese Ergebnisse beweisen, dass Bund und Länder in gemeinsamer Anstrengung bildungspolitisch ambitionierte Ziele erreichen können, auch wenn noch Raum für Verbesserungen festzustellen bleibt.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Im nächsten Jahr beginnt die zweite Phase des Hochschulpaktes 2020, in der mindestens mit der dreifachen Anzahl an zusätzlichen Studienanfänger(innen) zu rechnen ist. Angesichts neuer Prognosen ist jedoch zu erwarten, dass die aktuelle Planung (+275.000 zwischen 2011 und 2015) nicht ausreichen wird. CHE Consult wird dazu in Kürze eine neue Modellrechnung vorlegen. Verschärfend tritt die bevorstehende Aussetzung der Wehrpflicht hinzu, die einen zusätzlichen Andrang der Studienanfänger(innen) just in den nächsten zwei bis drei Jahren erwarten lässt.

Die erste Phase des Hochschulpaktes kann insgesamt als gelungen bezeichnet werden. In der zweiten Phase aber müssen sich nun Bund und Länder einer – nicht nur quantitativ – erheblich größeren Herausforderung stellen:

1. Der vorübergehende Anstieg der Studierendenzahlen geht nicht allein auf die Schulzeitverkürzung am Gymnasium zurück, sondern auch auf eine kurze demographische Erholung, besonders aber auf einen anhaltenden Trend zu den höheren Bildungsabschlüssen. Wenn diese erfreuliche Entwicklung andauert, dann ist damit zu rechnen, dass noch sehr viel mehr junge Menschen einen Studienplatz suchen werden. Diesen Trend berücksichtigt die Planung für die zweite Phase des Hochschulpakts bisher nur unzureichend.

2. Der Fachkräftemangel, von dem jetzt schon so viel die Rede ist, wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 60er Jahre aus dem Berufsleben auszusteigen beginnen. Daher müssen wir alles daran setzen, eher noch zusätzliche junge Menschen für ein Studium zu motivieren.

3. Um den Akademikerbedarf mittel- und langfristig zu sichern, müssen wir daher auch bisher unterrepräsentierte Gruppen für die Hochschulen gewinnen und zum Studienerfolg führen. Die extreme soziale Selektivität des deutschen Bildungssystems ist nicht nur eine nicht länger akzeptable Ungerechtigkeit, sondern sie wird mit Blick in die Zukunft auch erhebliche volkswirtschaftliche Probleme provozieren.

Kürzungen von Hochschuletats und Untertunnelungs-Strategien können angesichts dieser Herausforderungen nicht das Gebot der Stunde sein. Sie können nicht helfen, das gegebene Versprechen einzulösen, der jungen Generation ein quantitativ und qualitativ angemessenes Bildungsangebot verfügbar zu machen.

Ansprechpartner:
Gunvald Herdin
05241 2117955
Gunvald.Herdin@CHE-Consult.de

Britta Hoffmann-Kobert | idw
Weitere Informationen:
http://www.che.de/downloads/CHE_Prognose_Studienanfaengerzahlen_AP100.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten