Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

30 Jahre BAföG: eine Erfolgsstory mit Höhen und Tiefen!

30.08.2001


Am 1. September jährt sich zum dreißigsten Mal der Tag des Inkrafttretens des Bundesgesetzes über individuelle Förderung der Ausbildung - kurz BAföG. "Die Ziele des BAföG waren 1971 eine Vision, sie sind es immer noch: Diesen Zielen näher zu kommen bleibt ein ständiger Auftrag und ist nach wie vor aktuell", sagte der Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW), Prof. Dr. Hans-Dieter Rinkens, anlässlich dieses Datums.

"Kein anderer Bereich staatlicher Politik wurde im Verhältnis zu seinem Finanzvolumen in so starkem Umfang zur Haushaltskonsolidierung herangezogen wie das BAföG", betonte Rinkens. Laut Aussage des Beirats für Ausbildungsförderung des Bundesbildungsministeriums wurden allein im Zeitraum 1981 bis 1983 Einsparungen im Umfang von mehr als 2 Mrd. DM vorgenommen. Diese Praxis wurde in den vergangenen dreißig Jahren nur zweimal durchbrochen: Im Herbst 1990 und im Frühjahr 2001. Beide Male wurden die BAföG-Mittel für Schüler und Studierende erheblich aufgestockt: 1990/91 und 2001/02 um jeweils über 1 Mrd. DM.

Die Modalitäten des BAföG wurden in 30 Jahren fast jährlich geändert. 1971 wurde das BAföG als reines Stipendium gewährt, bereits 1974 wurde ein - im Laufe der Jahre wachsender - Darlehensanteil eingeführt. Von 1983 bis 1990 wurde das BAföG ausschließlich auf zinslose Darlehen umgestellt. Seit 1990 wird es zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt. Für Ausnahmefälle über die Förderungshöchstdauer hinaus wurde 1996 ein verzinsliches Bankdarlehen eingeführt.
Durch den häufigen Wandel von Finanzierungsart und Förderungsvoraussetzungen war für die betroffenen Familien zu keinem Zeitpunkt die notwendige Stetigkeit und Verlässlichkeit erkennbar.

Trotz dieser Mängel war die Einführung des BAföG eine echte Innovation: Mit seiner Einführung im Jahr 1971 wurde zum ersten Mal ein Rechtsanspruch auf Förderung garantiert, der insbesondere Familien mit niedrigeren Einkommen zugute kam. Neben der Gewährleistung von Chancengleichheit war nun die Aktivierung von Bildungspotenzialen vorrangiges Ziel.

"Das BAföG war vor 30 Jahren bei der Bildungsreform wichtig und ist es noch heute, denn bedauerlicherweise nehmen laut OECD-Bericht ’Bildung auf einen Blick’ nur 28 Prozent der jungen Erwachsenen ein Studium auf, während es im Durchschnitt aller OECD-Mitgliedsstaaten 45 Prozent sind", bedauerte der Präsident. "Eine unzureichende Studienfinanzierung darf kein Ausschlusskriterium bei der Studienentscheidung sein."
"Die Diskussion um den OECD-Bericht und die Green-Card hat gezeigt, dass wir einen dringenden Bedarf an noch nicht erschlossenen Bildungsreserven haben", so Rinkens weiter. "Deshalb hat eine staatliche Studienfinanzierung nicht nur für den Einzelnen, sondern für die gesamte Gesellschaft einen herausragenden Stellenwert." Fast drei Viertel der Geförderten (72 %) habe laut 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erklärt, ohne BAföG nicht studieren zu können.

"Mit den Verbesserungen vom 1. April 2001 sind nunmehr weitere Schritte unternommen worden, um den Anteil der Kinder aus einkommensschwächeren Familien zu erhöhen", sagte Rinkens. Ob diese Maßnahme greife, werde allerdings erst Ende des Jahres sichtbar. Er betonte aber nochmals, dass BAföG alleine nicht ausreiche, um mittelfristig die Zahl der Studierenden zu erhöhen und dem Bedarf des Arbeitsmarktes in Deutschland gerecht zu werden. "Garanten für die neuen Anforderungen einer Wissensgesellschaft und für kurze Studienzeiten sind eine sichere Studienfinanzierung, eine qualifizierte Studienberatung und grundsätzliche Studienreformen", betonte der Präsident.

"Erfreulicherweise hat die Bundesregierung mit der Reform des BAföG in diesem Jahr einen wichtigen Schritt in Richtung Europa unternommen", sagte Rinkens. Das DSW arbeitet derzeit im Rahmen des European Council for Student Affairs (ECStA) intensiv an der Entwicklung europäischer Standards für eine Studienfinanzierung. Weitere Ziele wie die "Verteilungsgerechtigkeit bei staatlichen Transferleistungen" (in Deutschland: Familienleistungsausgleich) und die "Förderung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Studierenden" müssten dabei im Vordergrund stehen.

Marijke Lass | idw
Weitere Informationen:
http://www.studentenwerke.de/
http://www.studentenwerke.de/bafoeg/index.htm

Weitere Berichte zu: BAföG DSW Studentenwerk Studienfinanzierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik