Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studieren mit Kindern muss möglich sein

02.02.2005


Modellprojekt von bundesweiter Bedeutung an der Justus-Liebig-Universität Gießen gestartet


Was bisher eher als Notfall betrachtet wurde, soll künftig in Gießen der Normalfall sein: Studieren mit Kind. Den Startschuss zu einem gleichnamigen Modellprojekt gab Ende Januar Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger, die zugleich Beiratsvorsitzende der "hessenstiftung - familie hat zukunft" ist. "Studieren mit Kind muss genauso selbstverständlich werden wie die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf. Nur wenn wir die Voraussetzungen dafür schaffen, werden sich auch langfristig wieder mehr Frauen für Kinder entscheiden", betonte die Ministerin. Bei dem Modellprojekt handelt es sich um eine Längsschnitt-Studie über vier Jahre, in der schwerpunktbezogen passgenaue Arrangements zur Vereinbarkeit von Studium und Familie entwickelt, erprobt und ausgewertet werden. Die wissenschaftliche Leitung des Projekts liegt bei Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe, die an der Justus-Liebig-Universität die Professur für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft inne hat.

Anlass für die Studie im Auftrag der Hessenstiftung ist die Tatsache der hohen Kinderlosigkeit von Akademikerinnen und Akademikern. Im Jahre 2001 hatten in Westdeutschland von den 30- bis unter 35-jährigen Akademikerinnen - also den Geburtenjahrgängen 1967 bis 1971 - mehr als 62 Prozent keine Kinder (Mikrozensus 2001). Derzeit bleiben über 40 Prozent von den jungen Frauen, die einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss erworben haben, zeitlebens ohne Kinder. Dieser Tatbestand steht in einem auffälligen Gegensatz zu den vom Deutschen Studentenwerk (DSW) ermittelten Wünschen von studierenden Frauen und Männern, die sich zu 80 Prozent eine Zukunft vorstellen, in der eine qualifizierte Berufstätigkeit und Familie einen ebenbürtigen Platz einnehmen.


Wenn Akademiker Familie und Beruf vereinbaren wollen, stellt sich häufig die Frage nach dem "richtigen" Zeitpunkt für den Nachwuchs. Das Modellprojekt will gezielt die Vorteile einer frühen Elternschaft bereits während des Studiums herausstellen. Dazu werden die Mitarbeiterinnen von Prof. Uta Meier-Gräwe die Studienorganisation, die Wohnbedingungen und die Betreuungsstrukturen für studierende Eltern kritisch in den Blick nehmen und passgerechte, mit Allianzpartnern koordinierte, Maßnahmen erproben, um Studieren mit Kind in Gießen langfristig zum Normalfall werden zu lassen.

Zeitgleich zum Projektstart "Studieren mit Kind" streben kommunale Akteure die Gründung eines "Lokalen Bündnisses für Familien" an. So ergibt sich für das Modellprojekt "Studieren mit Kind" von Beginn an die Möglichkeit einer gezielten Zusammenarbeit mit kommunalen Akteuren aus verschiedenen Arbeitsgebieten. "Wir brauchen Partner, um die als notwendig erkannten Maßnahmen gemeinsam umzusetzen", hob Ulrich Kuther von der Geschäftsführung der Hessenstiftung hervor. "Die Stiftung will mit ihren Fördermitteln - 130.500 Euro über vier Jahre - einen Anreiz schaffen, der weitere Mittel in der Region mobilisieren soll zugunsten der Studierenden mit Kind."

Prof. Uta Meier-Gräwe, die auch Mitglied in der Kommission zur Erstellung des siebten Familienberichts der Bundesregierung ist, betonte die bundesweite Bedeutung des Modellprojektes: "Zum ersten Mal werden in einer deutschen Universitätsstadt Studierende und Lehrende wiederholt in Tiefeninterviews gründlich über ihre Arbeits- und Lebensbedingungen mit Kind befragt und begleitet mit dem Ziel, konkrete Maßnahmen vor Ort zügig umzusetzen." Zudem werde mit den Maßnahmen für mehr Kinder an den Hochschulen der Standort Gießen auch für Doktorandinnen und Doktoranden attraktiv, die ausdrücklich in die Studie einbezogen werden. Die Hochschulen in Gießen, die Justus-Liebig-Universität und die Fachhochschule Gießen-Friedberg, könnten sich damit als familien- und kinderfreundlich profilieren, so Prof. Meier-Gräwe weiter.

Die "hessenstiftung - familie hat zukunft" wurde im Jahr 2001 auf Initiative der hessischen Sozialministerin gegründet. Die Stiftung ist mit einem Vermögen von rund 10 Millionen Euro ausgestattet und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke der Familienförderung. Ihr Ziel ist es, die Bedeutung der Familie in der Gesellschaft zu stärken und ihr das Leben zu erleichtern, indem die wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert und bestehende Hindernisse auf dem Weg zu einer familiengerechten Gesellschaft überwunden werden. Seit Sommer 2004 hat die Stiftung ihren Sitz in Bensheim an der Bergstraße, wo ihre Geschäfte von der Karl Kübel Stiftung geführt werden.

Kontakt:

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe
Institut für Wirtschaftslehre des
Haushalts und Verbrauchsforschung
Bismarckstraße 37
35390 Gießen
Telefon: 0641/99-39300
Fax: 0641/99-39309
E-Mail: Uta.Meier@ernaehrung.uni-giessen.de

Dr. Ulrich Kuther
Bevollmächtigter der Geschäftsführung
hessenstiftung - familie hat zukunft
c/o Karl Kübel Stiftung
Darmstädter Str. 100
64625 Bensheim
Telefon: 06251/ 7005-31
Fax: 06251/7005-77
E-Mail: u.kuther@hessenstiftung.de

Christel Lauterbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.hessenstiftung.de
http://www.uni-giessen.de

Weitere Berichte zu: Modellprojekt Sozialministerin Studieren Wirtschaftslehre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

„Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern

20.10.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Aus der Moosfabrik

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie