Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der deutsche Wortschatz - nunmehr rechnergestützt

09.07.2004


70 Jahre nach der ersten Ausgabe erschien jetzt der "Dornseiff" in völlig neuer Bearbeitung.



Der "Dornseiff" bleibt in Leipziger Hand. Siebzig Jahre nach der ersten Ausgabe erschien jetzt "Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen" von Franz Dornseiff in 8., von Uwe Quasthoff völlig neu bearbeiteter Auflage im Verlag Walter de Gruyter. Franz Dornseiff (1888-1960) war von 1948 bis 1960 Ordinarius für klassische Philologie und Direktor des Philologischen Instituts der Universität Leipzig. Privatdozent Dr. Uwe Quasthoff ist am Institut für Informatik der Universität Leipzig tätig und war durch seine elektronische Wortschatz-Sammlung von neun Millionen verschiedenen Wortformen für diese Wörterbucharbeit prädestiniert.

... mehr zu:
»Wortschatz


Dornseiffs Arbeiten, so der emeritierte Leipziger Germanistik-Professor Rainer Kößling, namentlich jene zu dem griechischen Dichter Pindar, genossen unter den Fachkollegen hohe Wertschätzung. Weiter reichende Bekanntheit und Verbreitung erlangte freilich sein "Deutscher Wortschatz nach Sachgruppen". In zahlreiche Begriffsfelder geordnet, waren darin große Teile des deutschen Vokabulars erfasst und gegebenenfalls nach Stilebenen differenziert verzeichnet. Das Opus, zuerst 1934 veröffentlicht, erfuhr bis 1970 sieben, z. T. neu bearbeitete, Auflagen. Die Auflage von 1959, die letzte, die noch von Dornseiff selbst betreut worden war - bei den nachfolgendenden handelte es sich um unveränderte Nachdrucke - bildete auch den Ausgangspunkt für die von Uwe Quasthoff zu bewältigende Aufgabe, den deutschen Wortschatz unter modernen wissenschaftlichen Aspekten sowie mit den aktuellen technischen Methoden zu erfassen und neu zu bearbeiten.

Die Modernität liegt u. a. darin, dass der Informatiker Quasthoff, statt sich auf das mühselige, zeitraubende Geschäft mit den Zettelkästen einlassen zu müssen, auf den in einer Datenbank gespeicherten Wortschatz zurückgreifen konnte, der auch statistische Angaben zur Häufigkeit des Auftretens von Wörtern enthielt. Danach ließ sich recht objektiv entscheiden, welche Wörter in den neuen "Dornseiff" aufgenommen werden und welche nicht. "Ein Kriterium dafür war, dass wir das Wort mehr als zwanzigmal in unserer Textsammlung von 500 Millionen laufenden Wörtern auffinden konnten", sagte Dr. Quasthoff. Der sog. korpusbasierte Ansatz für das neue Wörterbuch besagt also, dass aus einer sehr großen Textmenge mittels Häufigkeitsanalyse Wörter für die Neuaufnahme ausgewählt werden. Damit werden automatisch große Bereiche der Alltagssprache abgedeckt. Regionales Wortgut sowie Gruppen- und Sondersprachen oder veraltete Wörter dagegen bleiben draußen.

In der jetzt vorliegenden 8. Auflage des "Dornseiff" mit seinen rund 90 000 Einträgen ist gegenüber der 8. Auflage fast ein Drittel, nämlich die niederfrequenten Wörter und Wortgruppen, herausgenommen und durch neue ersetzt worden. Für die Einordnung der Wörter in eine der 970 Sachgruppen sind die in Quasthoffs Wortschatz-Korpus erfassten sog. Kollokationen hilfreich, also die Paare von Wörtern, die statistisch auffällig gemeinsam vorkommen, etwa Hund und Leine, Hund und bellen, aber auch Hund und Katze oder Hund und Herrchen. Quasthoff schätzt, dass die Zeiteinsparung durch die maschinelle Methode gegenüber der traditionellen Methode der Einordnung eines Wortes an der richtigen Stelle rund 90 Prozent beträgt.

Der Heidelberger Germanist Prof. Dr. Herbert Ernst Wiegand steuerte zum neuen "Dornseiff" eine gewichtige lexikographisch-historische Einführung samt einer Auswahlbibliographie bei, zahlreiche Sprachwissenschaftler, unter ihnen auch Prof. Dr. Ingrid Wiese von der Universität Leipzig, unterstützten das Projekt. Ihnen allen sowie dem Verlag werden die Benutzer für das solide gearbeitete Werk sehr dankbar sein. Wer immer in seinen wissenschaftlichen Arbeiten oder literarischen Darstellungen sprachliche Präzision oder Variabilität erstrebt, findet im "Dornseiff" mit dessen Fülle an Bezeichnungen und Informationen ein zuverlässiges, praktikables und inspirierendes Nachschlagwerk, eines, in dem man sich auch "festlesen" kann.

Weitere Informationen: PD Dr. Uwe Quasthoff, Tel.: 0341/97-32233, E-Mail: quasthoff@informatik.uni-leipzig.de

Volker Schulte | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Wortschatz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie