Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zur "Notebook-University"

14.02.2001


Albert-Ludwigs-Universität Freiburg übernimmt Vorreiterrolle

Die Freiburger Albert-Ludwigs-Universität probt den Einstieg in die

"Notebook-University" der Zukunft und hat damit nicht nur im Land Baden-Württemberg, sondern bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen. Am Institut für Informatik der Fakultät für Angewandte Wissenschaften hat Professor Dr. Bernd Becker gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Andreas Hett, Martin Preen und Peter Win-terer das Programm Mobile Pools kreiert, um jedem Studierenden der Informatik den preisgünstigen Zugang zu einem Notebook als Lernmittel zu ermöglichen. Die Initiative wird ermöglicht durch Eigenmittel des Instituts für Informatik der Albert-Ludwigs-Universität und die Unterstützung durch ein Programm, das das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg aufgelegt hat, um den Aufbau der Informatik-Fachbereiche an den Landeshochschulen zu beschleunigen.


Das Konzept

Bei Ihren Überlegungen zu dem Programm Mobile Pools gingen Professor Becker und seine Mitarbeiter von der Tatsache aus, dass gerade im Hinblick auf den aktuell beklagten Mangel an Computerfachleuten besondere Anstrengungen notwendig sind, um alle potenziell nutzbaren Ausbildungsressourcen auszuschöpfen. Leistungsfähigen Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen für Lehre und Studium kommen deshalb eine zunehmend größere Bedeutung zu. Ausgehend von Zuwachs und Erfolg, den drahtlose und mobile Kommunikationstechniken derzeit in der Telekommunikationsindustrie verzeichnen, wollen die Freiburger Planer das durch diese Techniken angebotene Potenzial bereits frühzeitig während der Hochschulausbildung nutzen. Drahtlose und mobile Kommunikationstechniken ermöglichen eine sogenannte "ad hoc"-Kommunikation, d.h. eine spontane, flexible und von der festen Infrastruktur unabhängige Form der Kommunikation. Damit ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur Steigerung der Qualität von Ausbildung und Forschung an den Hochschulen. Das Konzept von Mobile Pools ergänzt ideal bereits vorhandene Projekte und Aktivitäten, etwa die Multimedia-Angebote VIROR und INTUG oder den Studiengang "Applied Computer Science" an der Freiburger Fakultät für Angewandte Wissenschaften.

Das besondere an Mobile Pools ist, dass erstmals in Deutschland an einer Universität flächendeckend ein Konzept realisiert wird, um standortunabhängiges Lehren und Lernen nachhaltig zu unterstützen. Mobile Pools sieht daher vor, jedem Studierenden der Fakultät möglichst kostengünstig zu Beginn des ersten Semesters ein eigenes Notebook zur Verfügung zu stellen. Diese Notebooks werden über PCMCIA und FunkLANs Anschluss an das Universitätsnetz erhalten, so dass man sämtliche Softwareaufgaben während des Studiums mit diesen Notebooks erledigen kann. Dazu stellen leistungsfähige Server die benötigten Tools zur Verfügung.


Die Realisierung

Die Umsetzung dieses Konzeptes erfolgt im Rahmen eines einjährigen Pilotprojekts. Die Finanzierung basiert auf Eigenmitteln des Instituts für Informatik der Albert-Ludwigs-Universität, unterstützt durch Sondermittel des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg, sowie der Eigenbeteiligung der Studierenden. Mobile Pools beansprucht für den Kauf der Notebooks und die Erweiterung des Kommunikationsnetzes mit Funk-Lan und sogenannten Access Points ein Finanzierungsvolumen von insgesamt einer Million Mark. Jeweils ein Drittel der Kosten werden vom Institut für Informatik der Universität, dem Land und den Studierenden getragen. Die finanzielle Eigenbeteiligung der Studierenden bleibt allerdings reduziert auf den Erwerb der Notebooks: Durch einen groß-zügigen Rabatt der Firma Fujitsu-Siemens kostet ein Gerät in der Grundausstattung 3.500 Mark. Da die Universität ihre Informatik-Studierenden beim Kauf unterstützt, fällt für sie nur noch ein Endkaufpreis von 1.750 Mark je Notebook ins Gewicht. Von besonderer Bedeutung für Umsetzung und Erfolg des Pilotprojekts ist eine Vorort-Präsenz des Firmenpartners. Aufgrund der eingeholten Angebote und der geführten Gespräche erhielt das Unternehmen Fujitsu-Siemens im Dezember 2000 den Zuschlag. Die Mobile Pools-Planer erwarten eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem ausgewählten Anbieter und sehen darin eine Chance, gemeinsam mit ihm ein modernes, zeitgemäßes Ausbildungskonzept zu realisieren. Im Zuge der Zusammenarbeit sind die Freiburger Informatiker offen für gemeinsame forschungsorientierte Projekte, beispielsweise auf dem Gebiet der Netzsicherheit oder der Entwicklung von Lehr- und Lernsoftware.


Die Ziele

Ein wesentliches Element von Mobile Pools ist die aktive Einbeziehung der Studierenden in die Bewältigung von Problemen der Informatik und damit deren eigenverantwortliche Aktivierung von der ersten Stunde ihres Studiums an. Die Studierenden fühlen sich für ihre eigenen Rechner verantwortlich und müssen sich von Beginn an mit der Bewältigung von Fragen beim Rechnereinsatz in Lehre und Ausbildung identifizieren. Der Betreuungsaufwand für die "klassischen" Rechnerpools sinkt, während die Kompetenz der Studierenden im Umgang mit Rechnern und im Systemmanagement steigt. Die im Netz auffindbaren Informationssysteme stehen ortsunabhängig zur Verfügung, damit werden flexi-ble Gruppenarbeit oder ad hoc-Kommunikation ohne feste Infrastruktur möglich. So können Gruppen von Studierenden an beliebigen Orten Daten austauschen und an gemeinsamen Projekten arbeiten. Umgekehrt kann nun die Fakultät Seminar- , Vorlesungsräume und sonstige Aufenthaltsräume als zusätzliche Arbeitsräume außerhalb ihrer primären Nutzungszeiten verwenden. Darüber hinaus bietet Mobile Pools zahlreiche weitere Anwendungsmöglichkeiten, die weit über die unmittelbaren universitären Einsatzbereiche hinausgehen, beispielhaft seien genannt: die Untersuchung von Szenarien des mobilen Zugangs zu multimedialen Informationssystemen, etwa auf Bahnhöfen, Flughäfen, auf Messen oder in Museen, die Analyse der Ein- und Anbindungsmöglichkeiten von Handhelds und PDAs, Versuche zum Testen von Sicherheitskonzepten, Betrieb industrieller Systeme unter Einsatz mobiler Einrichtungen.


Kontakt:

Prof. Dr. Bernd Becker, Institut für Informatik, Georges-Köhler-Allee, Gebäude 051, 79085 Freiburg, Tel. 0761/203-8140, Fax 0761/203-8142
http://www.informatik.uni-freiburg.de/inf.htm

Rudolf-Werner Dreier | idw

Weitere Berichte zu: Eigenbeteiligung Informationssystem Notebook

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie