Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Akademikermangel in Deutschland? - Blinde Flecken beim OECD-Vergleich

16.04.2009
Droht Deutschland ein Akademikermangel und damit ein Mangel an hochqualifizierten Fachkräften?

Die im Herbst 2008 von der OECD veröffentlichten Zahlen "Bildung auf einen Blick" haben Aufsehen erregt, weil sie Deutschland ein schlechtes Zeugnis bei der Akademikerausbildung ausstellten.

Demnach haben im Jahr 2006 lediglich 21,2 Prozent der typischen Altersgruppe einen tertiären Ausbildungsgang abgeschlossen. Im Durchschnitt der OCED-Länder liegt dieser Wert bei 37,2 Prozent. Das BIBB hat die OECD-Indikatoren untersucht und geprüft, ob das vermeintlich schlechte Abschneiden im internationalen Ranking durch Besonderheiten der deutschen Berufsbildungs- und Arbeitsmarktstruktur aufgeklärt werden kann. Die Ergebnisse der Analyse sind in der neuesten Ausgabe der BIBB-Fachzeitschrift "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis - BWP", Heft 2/2009 veröffentlicht.

"Undifferenziert von einem bedrohlichen Akademikermangel zu sprechen, erscheint unbegründet, auch wenn in bestimmten technisch und naturwissenschaftlich geprägten Beschäftigungsbereichen heute schon hochqualifiziertes Personal fehlt", stellt Manfred Kremer, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung fest. "Hochschulabsolventenquoten junger Geburtenjahrgänge allein sind noch kein geeignetes Maß, um die technologische Leistungsfähigkeit eines Landes zu beurteilen und diesbezüglich sinnvolle Politikempfehlungen abzuleiten." Zweckmäßiger, so die Ergebnisse der BIBB-Analyse, ist die Betrachtung des Akade-mikeranteils in der Erwerbsbevölkerung. Dieser wiederum ist unter Einbeziehung von Besonderheiten der jeweiligen nationalen Bildungs- und Arbeitsmarktstruktur zu interpretieren. Im Gegensatz zu den Absolventenquoten bleibt der Akademikeranteil unter den 25 bis 64-Jährigen in Deutschland mit 24 Prozent nur leicht hinter dem OECD-Mittel von 27 Prozent zurück.

Von einer Unterversorgung des deutschen Arbeitsmarkts mit Akademikerinnen und Akademikern über alle Beschäftigungsbereiche hinweg kann aktuell noch keine Rede sein. Der Anteil der 25 bis 64-Jährigen mit tertiärem Bildungsabschluss liegt leicht über dem Anteil der gleichen Altersgruppe in Beschäftigungen mit hohen Anforderungen, welcher gut 20 Prozent beträgt (siehe Abbildung). Zwar fällt dieser Überschuss geringer als in anderen Ländern aus, dies kann aber damit erklärt werden, dass das deutsche Bildungssystem entsprechend aus-gebildetes Personal auch durch berufsbildende Aus- und Weiterbildungsgänge zur Verfügung stellt. "In Deutschland werden Kompetenzen, die in Ländern ohne ein ausgebautes Berufsbildungssystem an Hochschulen vermittelt werden, vielfach durch berufliche Aus- und Weiterbildung erworben", betont Kremer. Um die freien Stellen mit hohen Anforderungen konkurrieren nicht nur Akademiker, sondern auch viele gut ausgebildete Fachkräfte, die sich entsprechend weiterqualifiziert haben. Betrachtet man das Verhältnis der hochqualifizierten 25-64jährigen und der Personen in Beschäftigungen mit hohem Anforderungen, so lässt dies eher den Schluss zu, dass in Deutschland Bildung und Beschäftigung besser aufeinander abgestimmt sind als in anderen OECD-Ländern.

Die Sorge um einen kurzfristigen Akademikermangel in Deutschland lässt sich somit auf Grundlage der BIBB-Analyse eindeutig relativieren. Gleichwohl muss in Deutschland auch weiterhin die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte gefördert werden. Kremer: "Dazu sollte aber nicht nur das Hochschulstudium attraktiver werden, sondern auch die anspruchsvolle berufliche Fortbildung ausgeweitet und die Durchlässigkeit zwischen diesen Bildungsbereichen verbessert werden. So könnten auch bereits Erwerbstätige bedarfsgerecht höher qualifiziert werden."

Um künftig einen Mangel an hochqualifizierten Fachkräften zu vermeiden, empfehlen die BIBB-Experten ferner für effiziente Rahmenbedingungen im Bildungssystem zu sorgen. Zum Beispiel wäre es wünschenswert, durch differenziertere Prognosen die Informationslage zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage nach Absolventen bestimmter Ausbildungsgänge und Fachrichtungen zu verbessern. Außerdem sollten die Unternehmen die Möglichkeit stärker nutzen, das Fachkräfteangebot durch Kooperationen mit Bildungseinrichtungen oder Sti-pendien zu beeinflussen und die Bereitschaft junger Menschen für anspruchsvolle akademische und berufsbildende Qualifizierungswege zu wecken.

Den Artikel in der Ausgabe 2/2009 der "Zeitschrift Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis" finden Sie zum kostenlosen Download unter http://www.bibb.de/bwp/akademikerquoten

Inhaltliche Auskünfte im BIBB erteilt:
Normann Müller, Tel.: 0228/107-1022, E-Mail: normann.mueller@bibb.de

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de
http://www.bibb.de/bwp/akademikerquoten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

nachricht Internationaler Masterstudiengang: TU Kaiserslautern bildet Experten für die Quantentechnik aus
15.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen