Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vollbremsung für Fußgänger: TUM-Nachwuchsforscher gewinnen Preis für Verkehrssicherheitsforschung

26.06.2009
Wenn Kinder plötzlich auf die Straße laufen, müssen Autofahrer extrem schnell reagieren. Doktoranden vom Fachgebiet Höchstfrequenztechnik der TU München haben ein Sicherheitssystem entwickelt, das eine automatische Notbremsung auslöst und so Verkehrsunfälle vermeiden helfen kann.

Ihr Konzept wurde jetzt mit dem ersten Preis der Student Safety Technology Design Competition ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre auf dem weltweit wichtigsten Kongress zur Fahrzeugsicherheit verliehen, der International Technical Conference on the Enhanced Safety of Vehicles (ESV).

Moderne Bremssysteme, die bei Gefahr eines Zusammenstoßes selbstständig tätig werden, sind heute schon in einigen Autos eingebaut. Nähert sich ein solches Fahrzeug auf der Autobahn etwa einem Stauende, erschallen zunächst Warntöne, und wenn der Fahrer nicht reagiert, folgt eine automatische Vollbremsung.

Was aber, wenn Kinder überraschend hinter einem parkenden Wagen hervorkommen? 48 Prozent der verunglückten Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren liefen 2006 nach Zahlen des statistischen Bundesamtes auf die Fahrbahn, ohne auf den Verkehr zu achten. In jedem vierten dieser Unfälle waren die Kinder zuvor von einem Sichthindernis verdeckt.

Die beiden Doktoranden Daniel Schwarz und Christian Morhart vom Fachgebiet Höchstfrequenztechnik der Technischen Universität München (TUM) haben ein System entwickelt, das auch in solchen Fällen eine Notbremsung auslöst. Ihre Arbeit ist eingebettet in das Projekt AMULETT, in das neben der TUM auch die Fraunhofer Gesellschaft, die BMW Group, Continental Safety Engineering International sowie die Firmen Bartec und Zentec eingebunden sind. Kern von AMULETT ist ein Funktransponder, den ein Fußgänger zum Schutz bei sich trägt. Ein herannahendes Auto sendet eine Art Echolot-Signal aus, auf das der Funktransponder antwortet. Über Sensoren kann das Auto so Position und Bewegung des Fußgängers bestimmen - auch durch Sichthindernisse wie parkende Autos hindurch.

Das Problem: Im Stadtverkehr kommen Auto und Fußgänger häufig dicht aneinander vorbei, etwa wenn ein Wagen über eine Kreuzung fährt, an der ein Fußgänger an der roten Ampel wartet. Christian Morhart: "Das ist eine sehr schwierige Situation. Schließlich soll das Fahrzeug nur autonom bremsen, wenn der Fußgänger das Auto nicht bemerkt und unvermittelt über die Fahrbahn geht."

Die beiden TUM-Nachwuchsforscher stellten mit Probanden 250 verschiedene Verkehrssituationen nach, in denen AMULETT-Auto mit Sensor und ein Fußgänger mit Funktransponder einander gefährlich nah kamen. Mit den Messdaten des Sensors entwicklten sie auf Basis einer Software zur Berechnung der Kollisionswahrscheinlichkeit ein Computerprogramm, das die Bewegungen eines Fußgängers schon beim Herannahen des Autos interpretiert und schließlich die Entscheidung tifft: "Weiterfahren, bremsen vorbereiten oder Vollbremsung", und integrierten das Programm in das AMULETT-Fahrzeug.

Könnte ein solches Programm jetzt Unfälle vermeiden helfen oder - wenn ein Auto schon nicht mehr rechtzeitig vor dem Fußgänger zum Stehen kommen kann - durch eine deutlich verringerte Geschwindigkeit beim Aufprall wenigstens die Unfallfolgen mindern? Im Straßenverkehr lässt sich so etwas nicht testen, doch Schwarz und Morhart fütterten ihr Programm mit Bremswegen, Fußgängerbewegungen und weiteren Daten, die bei Verkehrsunfällen ermittelt werden.

Das Resulat: 40 Prozent aller schweren bis tödlichen Verletzungen könnten vermieden oder gemildert werden, und gleichzeitig wird unnötiges und - für die nachfolgenden Autos - gefährliches Bremsen vermieden - ein Ergebnis, das auch die Jury der Student Safety Technology Design Competition überzeugte. Der Preis wird alle zwei Jahre von der weltweit wichtigsten Konferenz zur Fahrzeugsicherheit verliehen, der International Technical Conference on the Enhanced Safety of Vehicles (ESV).

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://portal.mytum.de/welcome

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

nachricht Das erste fliegende Auto kommt 2018
13.02.2017 | PAL-V International B.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik