Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fahrerassistenzsysteme - Mehr Überblick für Autofahrer

14.01.2009
Interdisziplinäres Zentrum für Fahrerassistenzsysteme der TU Chemnitz entwickelt eine LED-Leiste, die Autofahrer bei kleinstmöglicher Ablenkung bestmöglich informiert

"In 500 Metern rechts abbiegen", tönt das Navigationsgerät, während im Autoradio Staus verlesen werden und der Bordcomputer vor Glatteis warnt.

Hinweise zur Navigation und auf Verkehrszeichen, Nachrichten über Staus, Straßenverhältnisse und Ampelphasen, Unterstützung für einen Spurwechsel und Warnungen vor Fußgängern und Fahrradfahrern im toten Winkel oder am Straßenrand in der Dunkelheit - mit Hilfe von Bordcomputern, Navigationssystemen, Sensoren und Kameras können einem Autofahrer heute zahlreiche Informationen zur Verfügung stehen, die ihm zu einer sicheren Fahrt verhelfen sollen.

Doch wie lassen sich all diese Daten darstellen, ohne dass der Fahrer vom Verkehrsgeschehen abgelenkt wird? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler der Professuren Nachrichtentechnik, Arbeitswissenschaft sowie Allgemeine und Arbeitspsychologie im Interdisziplinären Zentrum für Fahrerassistenzsysteme (I-FAS) an der TU Chemnitz. Sie haben eine LED-Leiste entwickelt, die am unteren Rand der Frontscheibe angebracht wird und sich über den gesamten frontalen Sichtbereich des Fahrers ausdehnt.

"Bisher werden zur Präsentation visueller Hinweise und Warnungen meistens so genannte Head-Down-Displays eingesetzt, die in der Mittelkonsole, also neben dem Tachometer, integriert sind", erklärt Philipp Lindner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter unter Prof. Dr. Gerd Wanielik an der Professur für Nachrichtentechnik, und ergänzt: "Zunehmend werden auch Head-Up-Displays verwendet, bei denen Informationen auf die Frontscheibe projiziert werden."

Diese lenken Studien zufolge den Fahrer weniger ab, sind jedoch technisch aufwändig und können bisher nur in einem kleinen Bereich des Fahrerblickfeldes dargestellt werden. Die Vorteile der neu entwickelten LED-Leiste: Sie deckt halbkreisförmig einen Blickbereich von rund 135 Grad ab und ermöglicht dadurch eine Darstellung von Warnhinweisen direkt an der Blickachse zwischen dem Auge des Fahrers und dem Ziel - etwa bei Nacht einem schwer erkennbaren Fußgänger am Straßenrand. Durch ihre Höhe von weniger als zehn Zentimetern werden keine wichtigen Informationen aus dem Verkehrsgeschehen verdeckt.

Die Leiste setzt sich aus neun Modulen zusammen, die jeweils mit 256 Leuchtdioden (LED) bestückt sind. Jede einzelne LED kann 27 Farben und Graustufen in acht Helligkeitsstufen darstellen. Warnhinweise werden in Form von Symbolen eingeblendet; mit der Suche nach den optimalen Symbolen und deren Darstellung beschäftigen sich die Forscher der Professur Arbeitswissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Spanner-Ulmer. In einer Laborstudie haben die Wissenschaftler des I-FAS unter der Leitung von Prof. Dr. Josef Krems, Professur für Allgemeine und Arbeitspsychologie, das System für die Warnung vor Fußgängern in der Dunkelheit getestet. Auf Basis der Ergebnisse verbessern sie derzeit das optische Design und überarbeiten die Darstellung in einigen Punkten - beispielsweise soll die Position eines Fußgängers durch die Anzeige der Fahrbahnbegrenzung besser abgelesen werden können und die Größe der dargestellten Symbole einen Hinweis auf die Entfernung von Personen zum Fahrzeug erlauben.

"Nach der videobasierten Untersuchung im Labor evaluieren wir die LED-Leiste im Fahrsimulator und im Feld", berichtet Lindner. Dafür steht den Wissenschaftlern vor allem das Versuchsfahrzeug carai der Professur Nachrichtentechnik zur Verfügung. "Um auch Daten über die Aufmerksamkeit des Fahrers mit den Informationen aus dem Fahrzeugumfeld zu fusionieren, setzen wir bei den Untersuchungen unter anderem ein Eye-Tracking-System ein", so Lindner. In dem Versuchsfahrzeug carai, einem VW Touran, arbeiten Bildverarbeitung, Laser- und Radartechnik gemeinsam an der Erfassung und Erkennung der Fahrzeugumgebung. Die Chemnitzer Forscher beteiligen sich mit diesem Fahrzeug auch an Projekten zur verlässlichen Registrierung von Personen im Fahrzeugumfeld. "Die neu entwickelte LED-Leiste stößt vor allem bei Fahrzeugfirmen auf Interesse, die selber in dieser Richtung forschen - beispielsweise Volkswagen und Volvo", berichtet Lindner.

Das Interdisziplinäre Zentrum für Fahrerassistenzsysteme im Internet: http://www.i-fas.de

Weitere Informationen erteilt Philipp Lindner, Telefon 0371 531-35148, E-Mail philipp.lindner@etit.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | idw
Weitere Informationen:
http://www.i-fas.de
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Mehr Flexibilität in der Produktion durch selbstfahrende Transportfahrzeuge
27.11.2017 | Technologie Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen Hochschulen GmbH

nachricht Leichtbauteile für die Automobilindustrie schnell und günstig fertigen
16.11.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Brände die Tundra langfristig verändern

12.12.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen

12.12.2017 | Medizin Gesundheit