Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wohnen im Alter: Technik macht das Leben leichter – gute Beratung nötig

12.01.2016

Mehr Technik in Haus und Wohnung – für ein sicheres und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden auch im hohen Alter könnte dies die Lösung sein. Bei Planung und Bau geeigneter Wohnungen gibt es einige Herausforderungen. Forscherinnen des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Technischen Universität Dresden (TUD) haben alternsgerechte Wohnprojekte untersucht und können nun Empfehlungen für die praktische Umsetzung geben.

Es gibt viele Möglichkeiten, das Wohnen im Alter mit sogenannter Technikassistenz sicherer und komfortabler zu machen. Im Projekt „MATI: Mensch – Architektur – Technik – Interaktion für demografische Nachhaltigkeit“ haben Forscherinnen der Technischen Universität Dresden und des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung untersucht, welche Lösungen in Deutschland bereits genutzt werden.

Anhand von vier Wohnprojekten haben sie außerdem analysiert, welche Herausforderungen sich bei der Realisierung alternsgerechter Wohnungen stellen. Dafür haben die Wissenschaftlerinnen einerseits die Phase der Planung und Umsetzung untersucht. Auf der anderen Seite haben sie aber auch geprüft, wie der entstandene Wohnraum von den Bewohnern angenommen wird.

Die Analyse zeigt, dass es in Deutschland bereits einige Wohnprojekte mit technischer Ausstattung gibt, die ältere Menschen dabei unterstützt, ihr Leben so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu organisieren. Dabei sind Art und Umfang der Ausstattung sehr verschieden.

Technische Systeme können die Sicherheit in Haus und Wohnung verbessern wie die Gegensprechanlage mit Videofunktion oder der Überhitzungsschutz am Herd. Sie sichern Hilfe im Notfall wie ein 24-Stunden-Hausnotruf. Sie machen das Leben komfortabler wie die automatische Steuerung des Lichts in Hausfluren und sie erleichtern Älteren die Kommunikation mit ihrem Umfeld zum Beispiel per Tablet-Computer, der in jeder Wohnung installiert ist.

Technische Hilfen steigern Wohnzufriedenheit

Für die genauere Analyse haben die Forscherinnen Projekte in Berlin, Bremen, Magdeburg und Potsdam ausgewählt. Alle Projekte setzen vor allem auf technische Systeme, die die Sicherheit und Lebensqualität der Bewohner erhöhen. Das kommt gut an. Eine Befragung der Bewohner zeigt: Sie sind deutlich zufriedener mit ihrer Wohnsituation als Ältere in früheren Befragungen. Für fast die Hälfte (42 Prozent) waren neben der guten Ausstattung der Wohnung und dem Wohnumfeld auch die technischen Unterstützungssysteme ein Grund, sich für die neue Wohnung zu entscheiden.

Bewohner frühzeitig in Bauplanung einbeziehen

Andererseits sagt nur ein Fünftel der Befragten von sich, Technik begeistert zu nutzen. Jeder zehnte Befragte gibt sogar an, Angst vor Technik zu haben. Das stellt besondere Anforderungen an Planung und Bau von alternsgerechten Wohnungen. Die Forscherinnen empfehlen, künftige Nutzer so früh wie möglich in den Planungsprozess einzubeziehen. Teure Umbauten zu einem späteren Zeitpunkt lassen sich so vermeiden. Allerdings steht oft erst nach Abschluss der Planungs- und Bauphase fest, wer eine Wohnung bezieht. Dann ist es wichtig, dass Ältere schon vor dem Einzug gut beraten und betreut werden und es später bei Problemen mit der Technik einen geeigneten Ansprechpartner gibt. Das nimmt die Angst vor der Technik und die Wahrscheinlichkeit, dass sie genutzt wird, steigt.

Insgesamt sehen die Wissenschaftlerinnen des IÖR in der gezielten technischen Ausstattung von Wohnungen einen guten Weg, Älteren lange ein eigenständiges Leben zu ermöglichen, ihnen den Wohnalltag zu erleichtern und zugleich ihre Selbstständigkeit zu erhalten. Wichtig ist es, individuelle Hemmnisse zu erkennen und zu beseitigen.

Publikation:
Banse, J./Engelien, H./KleinJan, G./Markewitz, A. (2016): Wohnen und Technik – Aspekte der Planung, Umsetzung und Nutzung. In: Marquardt, G. (Hrsg.): MATI: Mensch – Architektur – Technik – Interaktion für demografische Nachhaltigkeit. Fraunhofer IRB Verlag, S. 68–97.

Ansprechpartnerinnen im IÖR:
Juliane Banse, Telefon: (0351) 46 79-258, E-Mail: J.Banse@ioer.de
Annett Markewitz, Telefon: (0351) 46 79-244, E-Mail: A.Markewitz@ioer.de


Weitere Informationen:

https://www.ioer.de/projekte/mati/ - Internetseite zum Projekt

Heike Hensel | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Wirbel als Räder der Natur
28.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Stadtplanung im Klimawandel: HafenCity Universität Hamburg entwickelt Empfehlungen
24.03.2017 | HafenCity Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten