Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhaltig wohnen

06.07.2012
Freiburger Forschungsteam stellt natürliche Hartschäume aus Rindenextrakt her

Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer, die ihre Wände nicht mit umweltbelastenden Schäumen isolieren wollen, gibt es bald eine ökologische Alternative: Hartschäume, die aus Tannin, einem Bestandteil der Holzrinde, gewonnen werden.

An deren Herstellung arbeitet das Team um Prof. Dr. Marie-Pierre Laborie am Freiburger Materialforschungs-zentrum und am Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswirtschaft der Universität Freiburg. Tannin wird aus der Holzrinde extrahiert, die in der Holzindustrie normalerweise als Abfallprodukt übrig bleibt. „So können wir die Rinde wiederverwerten und damit den Nutzwert von Holz steigern“, sagt Ricarda Böhm, Doktorandin in Labories Arbeitsgruppe.

Schäume aus Tannin gibt es schon länger, doch bisher wurde das Tannin aus dem Holz der Mimose und anderen tropischen Pflanzen gewonnen. Böhm und ihr Team versuchen, die gleichen Schäume aus europäischen Hölzern wie Fichte und Kiefer herzustellen. Diese unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur stark von den tropischen Hölzern und gehören zu den wichtigsten Rohstofflieferanten der europäischen Holzindustrie. Böhms Kollege Danny Garcia-Marrero arbeitet an der Synthese der Schäume, die Doktorandin an deren Charakterisierung. Der von ihnen im Labor produzierte Schaum entsteht bei einer chemischen Reaktion und bläst sich von selbst auf. Dazu werden Tannin, Furfuryl-Alkohol, Formaldehyd und ein Lösungsmittel, zum Beispiel Diethylether, zusammengemischt. Formaldehyd dient als Vernetzer, also eine Art Klebstoff zwischen Tannin und Alkohol.
„Wir suchen noch nach einem weniger umweltbelastenden Vernetzer natürlichen Ursprungs, der das Formaldehyd in Zukunft ersetzen soll“, sagt Böhm. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen, wenn möglich, nur natürliche Rohstoffe verwenden, idealerweise Abfallprodukte, die nicht extra für die Forschung hergestellt werden müssen. Das Aldehyd Furfural, das unter anderem aus Sägespänen gewonnen wird, bietet sich zum Beispiel an. Ebenso setzen Böhm und ihre Kolleginnen und Kollegen natürliche Zusätze – so genannte Additive – ein, die verhindern, dass der Schaum zu sehr bröselt. Werden die Schäume außerdem mit Nanozellulose modifiziert, verbessert dies ihre mechanische Stabilität.

Da die Schäume gut isolierende und feuerresistente Eigenschaften haben, sollen sie in erster Linie als Isolier- und Dämmstoffe im Hausbau und für Autoformteile genutzt werden. Schäume aus Tannin dichten genauso gut ab wie zum Beispiel Polyurethanschäume, beinhalten jedoch keine giftigen Isocyanate. „Ziel ist es, unsere umweltfreundlichen Schäume als Alternative zu herkömmlichen Schäumen am Markt zu etablieren“, sagt Böhm. Wenn sie nicht mehr brauchbar sind, werden sie zu Synthesegas umgesetzt. Die frei gewordene Bioenergie kann beispielsweise dazu dienen, eine Wasserturbine anzutreiben. Das Team hofft zudem, dass die Schäume eines Tages als Katalysatoren oder Filter für Schwermetalle genutzt werden sowie Stoffe wie Styropor als Schutz- und Verpackungsmaterial ersetzen.

Marie-Pierre Laborie koordiniert das von der Europäischen Union finanzierte, seit Februar 2012 laufende Projekt „Biofoambark“, das sie selbst gestartet hat. Neben der Universität Freiburg sind das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme sowie wissenschaftliche Partner und Firmen aus Italien, Spanien, Finnland, Slowenien und Frankreich daran beteiligt.

Kontakt:
Ricarda Böhm
Freiburger Materialforschungszentrum (FMF)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-4734,-9242
E-Mail: ricarda.boehm@fmf.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de
http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2012/pm.2012-07-05.178

Weitere Berichte zu: Abfallprodukt Formaldehyd Hartschäume Holzindustrie Holzrinde Schaum Schäume tannin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Doppelhaus mal anders - Elegantes Glas-Ensemble am Hang
02.05.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Bauübergabe der ALMA-Residencia
26.04.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten